15.10.2022, 12:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Zum Sonntag

30 – 60 – 90

Von Hans Hartmann

Zwei runde Geburtstage gab es in diesem Jahr in meiner Familie zu feiern. Mein Sohn wurde 30, mein Vater 90. Ich selbst werde im nächsten Jahr 60. Wir sind also fast genau im Abstand von 30 Jahren zur Welt gekommen: 1932, 1963, 1992. Drei Generationen die vieles trennt, aber auch einiges verbindet.

Im Brief an die Gemeinde in Ephesus schreibt Paulus von den „schlimmen Tagen“ unter denen die Menschen damals leiden müssen. Fast 2000 Jahre ist das her, aber es klingt wie aus einem Kommentar zur aktuellen Lage. Zum Verbindenden zwischen den Generationen gehört auch das Erleben von Krieg, Krisen und Katastrophen. Manchmal sind sie weit weg, manchmal – wie jetzt – ganz nah.

Gefeiert haben wir trotzdem. Anlässlich des 90. lud mein Vater in einen Landgasthof zum Mittagessen und anschließender Kaffeetafel ein. Mein Sohn gab zu seinem 30. eine Party im Bootshaus mit selbst gefertigtem Buffet und lauten Bässen. Die letzten Gäste gingen erst gegen Morgen. Großen Spaß hat beides gemacht.

In diesen Stunden haben wir die „schlimmen Tage“ nicht völlig vergessen können. Aber wir haben mit einigen guten Stunden dagegengehalten. Mit etwas von dem Besten, was Menschen gemeinsam tun können: reden, lachen, tanzen, essen und trinken, die gemeinsame Zeit friedlich miteinander verbringen. Auch die schlimmen Tage, die zu jedem Leben unvermeidlich dazu gehören, hatten in den Gesprächen und Ansprachen und Glückwünschen auf ihre Weise einen Platz. Am Ende waren wir alle erschöpft, aber auch gestärkt für den Alltag, der jedem Fest folgt.

„Macht das Beste aus eurer Zeit, gerade weil es schlimme Tage sind.“ Diesen Tipp gab Paulus seinen Leserinnen und Lesern mit auf ihren Weg, der auch danach kein leichter wurde. Aber die Hoffnung auf bessere Tage haben die Christinnen und Christen in Ephesus damals nicht verloren. Sie haben sie weitergeben an die nächsten Generationen, bis zu uns. Jetzt sind wir dran, das Beste aus unserer Zeit zu machen, trotz oder auch gerade wegen der schlimmen Tage.

Dazu gehören nicht nur runde Geburtstagefeiern, Feste und Partys. Dazu gehört die Bereitschaft, einander beizustehen und zu teilen, die Sorge um- und füreinander. Vergessen wir die Menschen nicht, denen gerade nichts anderes als das geduldige Warten und Hoffen auf bessere Zeiten bleibt.

Im nächsten Jahr wünsche mir, meinen 60. feiern zu können. Keine Ahnung, wie gut oder schlimm die Zeiten dann gerade sein werden. Wir werden das Beste daraus machen.

Hans Hartmann ist Pastor der ev.-luth. Christus- und Kreuz-Kirchengemeinde in Nordhorn

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