03.12.2021, 11:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Post vom Chefredakteur

250 Leserbriefe pro Jahr: Wer trickst oder beleidigt, bleibt draußen

author Von Guntram Dörr

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie würden Sie reagieren, wenn man Ihnen unterstellt, sie hätten „das Rückgrat eines Regenwurms“? Einem Grafschafter mit hohem Bekanntheitsgrad, dem damit die Ehre abgeschnitten werden sollte, blieb diese Beleidigung erspart. Sie stand in einem Leserbrief, der nicht erschienen ist. Noch härter ging es zur Sache in einem anderen Schreiben an die GN-Redaktion. Der Verfasser hatte offenbar, um es nüchtern zu formulieren, Ärger mit Behörden. Seinem Frust ließ er freien Lauf und forderte unter anderem „die Schließung des Amtsgerichts“, attackierte „die Schweine vom Kreisamt“ und bezeichnete einen Polizeieinsatz als „Überfall“. Wir haben diese Tirade ebenfalls dort gelassen, wo sie hingehört: in der Ablage.

Glauben Sie aber jetzt bitte nicht, wir hätten es ständig mit den Ausfälligkeiten von Wutbürgern zu tun oder mit verwirrten Köpfen, die ohne Rücksicht auf Verluste ihre Gedanken mit verbaler Brachialgewalt in die Welt posaunen und die Tageszeitung als Plattform betrachten. Beide Fälle sind zum Glück untypisch für das Gros der Zuschriften, das uns erreicht. Um es ganz klar zu sagen: Wir sind stolz auf das GN-Leserforum!

Die Reaktionen sind spontan und ungeschminkt

Jährlich um die 250 Kommentare aus der Grafschafter Leserschaft erreichen die Redaktion, das ist für ein Medium unserer Größe ein enormer Wert. Wir wissen, dass die Leserbriefseite große Beachtung „im Blatt“ findet, weil sie spontane und zumeist ungeschminkte Reaktionen auf unsere Berichterstattung (oder andere Leserbriefe) versammelt, ohne rechtliche Grenzen oder die Gebote des Anstands verletzen.

Wir sind stolz auf unser Leserforum! Mehr als 250 Briefe erreichen die GN-Redaktion jedes Jahr. Foto: Jürgen Lüken

© Lüken, Jürgen

Wir sind stolz auf unser Leserforum! Mehr als 250 Briefe erreichen die GN-Redaktion jedes Jahr. Foto: Jürgen Lüken

Diesen Brief hatte ein Hund unterschrieben

Fast alle Einsendungen werden gedruckt, jedoch nicht ohne gründliche Überprüfung ihrer Echtheit. Wir wollen keine Fake-News im Leserforum, deshalb mussten wir unlängst die Bitte eines Obergrafschafters ablehnen, ein Schreiben unter dem Namen seines Hundes zu veröffentlichen, auch wenn es sich um ein wohlklingendes Pseudonym handelte. Hin und wieder finden sich Passagen in Schreiben, die sind zu schön, um authentisch zu sein. Bei den GN gilt die Devise: Leserbriefe müssen mit eigenem Gehirnschmalz entstehen. Wer die Erzeugnisse größerer Geister unter seinem eigenen Namen abgedruckt sehen will, muss draußen bleiben.

Nicht jeder ist ein Schreiber, das macht nichts

Meine Kolleginnen Viola Wenderoth und Anke Heidotting verwenden viel Zeit und manchmal sogar detektivische Anstrengungen darauf, Briefe an die Redaktion zu überprüfen. Das beginnt mit dem Check von Adresse und Kontaktdaten, umfasst Nachfragen bei inhaltlichen Unklarheiten und erstreckt sich gelegentlich bis hin zur Unterstützung, wenn es am sprachlichen Ausdrucksvermögen mangelt. Nicht jeder ist zum Schreiber geboren, das darf kein Hinderungsgrund für eine Veröffentlichung sein.

Gäbe es die beiden nicht, hätten wir möglicherweise die geharnischte Kritik an einer Konzertrezension in den GN veröffentlicht. Der Verriss war nicht das Problem, wir halten so etwas aus. Nur: Wie sich herausstellte, hatte die angeblich dafür verantwortliche Nordhornerin mit dem Leserbrief nichts zu tun. Jemand hatte ihren Namen und die dazu passende Anschrift benutzt.

Menschen sagen ihre Meinung mit offenem Visier

Und da sind wir beim entscheidenden Stichwort: Leserbriefe in den Grafschafter Nachrichten erscheinen mit klar erkennbarer Autorenschaft und dem Wohnort der Verfasserin/des Verfassers. Hier sagen Menschen ihre Meinung mit offenem Visier. Dieser Mut ist selten geworden und viel höher einzuschätzen als Kritik aus der Deckung der Anonymität. Wir werden uns deshalb auch weiterhin Mühe geben mit unserem Leserforum, in dem wir eine große Meinungsbreite zulassen, die manchem übrigens zu weit geht, wenn sie dem eigenen Weltbild zuwiderläuft.

Das kann man doch nicht mehr lesen!

Ich erinnere mich gerne zurück an eine Begegnung vor dem Kloster Frenswegen, die mich in dieser Haltung bestärkt. Da kamen drei Herrschaften nach einer gewichtigen Veranstaltung auf mich zu, um zu fragen, warum wir immer noch bestimmte Leserbriefe brächten und nannten die Namen der Verfasser. Das könne man doch nun wirklich nicht mehr lesen! Wie sich zeigte, hatten sie die Beiträge sehr wohl gelesen, und zwar von der ersten bis zur letzten Zeile.

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