Grafschafter Nachrichten
10.08.2018

Studie: Abschluss soll Rentenalter in Holland bestimmen

Studie: Abschluss soll Rentenalter in Holland bestimmen

Seniorinnen sitzen auf einer Parkbank. Das Rentenalter wird in den Niederlanden bis zum Jahr 2021 auf 67 Jahre angehoben werden. Symbolfoto: Uli Deck/dpa

Laut des Nederlands Interdisciplinair Demografisch Instituut wäre es sinnig, das Rentenalter nach Bildungsabschluss zu bestimmen. Als Grund gibt die Einrichtung an, dass Menschen mit höheren Abschluss meistens keine körperlich schwere Arbeit verrichten.

Den Haag Den Niederländern steht eine Erhöhung des Renteneinstiegsalters auf 67 Jahre im Jahr 2021 bevor. Laut einer Studie des Nederlands Interdisciplinair Demografisch Instituut (NIDI) ist das jetzige Rentensystem der Niederlande ungerecht. Deshalb stellt es ein gerechteres, gestuftes Rentensystem vor. Menschen, die körperliche Arbeit verrichten, könnten davon profitieren.

Der Schlüssel hierzu sei ein gestuftes Rentensystem, in dem Berufsgruppen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Rente gehen. Je höher der Bildungsstand einer Person ist, desto länger soll sie arbeiten. Gut ausgebildete Personen sollen unter die geplante Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre im Jahr 2021 fallen. Der Anstieg des Rentenalters für Menschen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss soll sich aber verzögern.

Laut den Demografen des NIDI sei das eine „ehrlichere Lösung“ als das jetzige Rentensystem, in dem jeder Arbeiter gleich behandelt wird, obwohl die Anforderungen an verschiedene Berufe extrem unterschiedlich sind. Personen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss beginnen eher zu arbeiten, leisten oft körperlich schwerere Arbeit und haben dementsprechend eine kürzere Lebenserwartung.

Die Regierung will an der Anpassung des Rentensystems jedoch am liebsten nichts ändern, da eine potenzielle Anpassung des Systems schnell Milliarden Euro kosten würde. Der Druck vonseiten der Gewerkschaften nimmt jedoch zu. Joop de Beer, Forscher des NIDI, hält ein niedrigeres Renteneinstiegsalter, das für alle Niederländer gilt, jedoch für unnötig, da eine Erhöhung des Einstiegsalters für Personen mit einem hohen Bildungsabschluss nicht problematisch sei. In der Forschung des NIDI steht das Bildungsniveau zentral, da es objektiv und einfach festzustellen sei.

Berechnungen des NIDI haben ergeben, dass Personen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss deutlich eher in Rente gehen müssten, um dasselbe Verhältnis von Arbeits- und Rentenjahren zu haben wie Menschen mit einem hohen Bildungsabschluss. Sie müssten 2021 schon mit 62,3 Jahren in Rente gehen, anstatt wie geplant mit 67 Jahren. Das erscheint jedoch den Forschern selber nicht realistisch, da sich hieraus zwei Probleme ergeben: Erstens würde eine sofortige Anpassung des Rentenalters sehr teuer sein, da die Menge der ausgezahlten Beiträge plötzlich enorm steigen würde. Zweitens würde es für eine kurze Zeit zu Ungerechtigkeit zwischen den Generationen führen, da bis jetzt jeder bis zu seinem 66. Lebensjahr arbeiten muss.

Allerdings würde eine kontinuierliche Verschiebung des Systems diese beiden Probleme lösen. Für Personen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss müsste das jetzige Renteneinstiegsalter von 66 Jahren zunächst beibehalten und dann langsam angepasst werden.

Das führt zu einer allmählichen Anpassung des Systems und zu einem Anstieg der Kosten. Allerdings wäre auch diese Lösung des Renteneinstiegsalters nicht vollständig gerecht. Personen, die zwar einen hohen Bildungsabschluss haben, aber körperliche Arbeit verrichten, würden durch das vom NIDI vorgeschlagene System benachteiligt. Allerdings hätten sie die Möglichkeit, mehr und besser für eine verfrühte Rente zu sparen, ist die Meinung des Instituts mit Sitz in Den Haag.

Quelle: NiederlandeNet

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