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02.04.2018, 16:45 Uhr

Zu wenig Krippenplätze: Eltern organisieren sich selbst

Viele Eltern möchten es nicht hinnehmen, dass in Nordhorn rund 300 Krippenplätze fehlen. Deshalb hat sich eine Elterninitiative formiert. Die Eltern wollen die Betreuung ihrer Kinder gemeinsam mit Erziehern selbst in die Hand nehmen.

Zu wenig Krippenplätze: Eltern organisieren sich selbst

Pläne zur Gründung einer „Kita-Light“ stellten die Initiatoren Verena und Andre Potgeter in Nordhorn interessierten Eltern vor. Foto: Hamel

Von Sebastian Hamel

Nordhorn. Eines stellen Verena und Andre Potgeter gleich zu Beginn des Treffens in den Räumen des Kinderschutzbundes klar: „Wir sind keine Wutbürger.“ Vielmehr gehe es darum, zusammen mit Stadt und Landkreis konstruktiv an einer Lösung zu arbeiten. Auf Initiative der beiden Nordhorner war innerhalb von zwei Wochen eine „WhatsApp“-Gruppe mit mehr als 80 Mitgliedern entstanden, die allesamt vor dem Dilemma stehen, keinen geeigneten Betreuungsplatz für ihre Kinder zu finden. Rund 60 der Betroffenen kamen nun zusammen, um das weitere Vorgehen zu eruieren.

Die beiden Initiatoren, selbst Eltern zweier Söhne, zeigten sich beeindruckt von der Resonanz und berichteten von ihren eigenen Erfahrungen: Wie sie nach der Anmeldung für den Krippenplatz keine Post erhielten, wie sie alle Kitas einzeln abfuhren und von den Leitungen zu hören bekamen, dass ihnen die Hände gebunden seien, wie sie in der Bürgermeistersprechstunde auch keine zufriedenstellenden Antworten erhielten – und wie sie sich letztlich sagten: „Dann müssen wir selbst aktiv werden.“

Auf der Suche nach einer Lösung haben Verena und Andre Potgeter sich viele Informationen angelesen und verschiedene Möglichkeiten geprüft – bis hin zur Gründung einer eigenen Kita. Letzteres schied aber vor allem aus zeitlichen Gründen aus: Schließlich sollen ja möglichst bis zum August die Betreuungsplätze geschaffen werden. Nach Abwägung verschiedener Varianten stand schließlich der Begriff „Kita-Light“ im Raum.

Das Prinzip beruht auf dem Format eines Tagesmütter-Verbunds. Das von Verena und Andre Potgeter präsentierte Modell sieht allerdings vor, dass jeweils eine ausgebildete Tagesmutter und eine Erzieherin gemeinsam eine Gruppe von bis zu zehn Kindern betreuen. Idealerweise könnten dann mehrere Gruppen in einem Gebäude – zum Beispiel in früheren Büro- oder Praxisräumen, die dann hergerichtet werden – eine Unterkunft finden. Dabei könnten nicht nur Krippen-, sondern auch jahrgangsübergreifende Gruppen entstehen.

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Stadt und Landkreis hätten schon Gesprächsbereitschaft signalisiert, und auch in der Politik gebe es Fürsprecher. Zudem habe man schon potenzielle Mitarbeiter und mögliche Räumlichkeiten im Blick – die Suche geht allerdings weiter. Benötigt würden auch Sponsoren und Förderer. „Unsere Kinder sollen gut betreut sein“, so das Ziel der Initiative.

Für das weitere Vorgehen sollen nun drei Arbeitsgruppen gegründet werden, die sich mit den Themen Personal, Räumlichkeiten und Finanzen befassen. Die Fäden sollen in einem zentralen Koordinationsteam zusammenlaufen, welches dann auch als Sprachrohr dient im Dialog mit Stadt und Landkreis. „Es wird harte Arbeit sein, aber gemeinsam können wir etwas erreichen“, ist Verena Potgeter überzeugt.

Kräftigen Beifall ernteten sie und ihr Mann am Ende der Präsentation, mehrere Eltern sagten spontan ihre Unterstützung zu. Zudem trugen sich alle Anwesenden in eine Liste ein, in der sie ihren Bedarf an Betreuungsplätzen vermerkten. Die Liste soll zur Nordhorner Ratssitzung am 19. April den Verantwortlichen überreicht werden.

Am Ende ergriff spontan Harald Krebs, SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat, das Wort. Die Initiative sei „erstklassig“, sagt er und verspricht seine Unterstützung: „Sie werden bei der Ratssitzung offene Türen einlaufen.“

Mehrfach betonen Verena und Andre Potgeter im Laufe des Abends, dass es bei der Initiative nicht darum gehe, einfach zu meckern. Stattdessen wollen sie mit einem konkreten Lösungsansatz mit den Zuständigen ins Gespräch treten. Rechtliche Mittel ziehen sie nur als letzte Möglichkeit in Erwägung. Zunächst soll nun die gebündelte Kraft weiter nach vorne gebracht werden. Verena Potgeter zeigt sich optimistisch: „Ich weiß nicht, wo wir im August stehen. Aber Scheitern ist keine Option.“

Auch weiterhin können sich betroffene Eltern mit den Initiatoren in Verbindung setzen. Die E-Mail-Adresse lautet verena@potgeter.de.

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