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Was in der Zeitung steht… Zwischen Information und Fake News

Im Wortlaut: Vortrag des stellvertretenden GN-Chefredakteurs Steffen Burkert beim Ökumenischen Seminar in Bad Bentheim

Lesezeit: 30 Minuten

Was in der Zeitung steht… ist wichtig und richtig. So sollte es zumindest sein. Aber ist es auch so? Selbstverständlich haben wir Journalisten diesen Anspruch an unsere Arbeit. Wir wollen objektiv sein, ausgewogen und neutral. Wir wollen gründlich recherchieren, treffend formulieren, gewissenhaft gewichten. Und ich meine, dass wir diesem Anspruch auch – meistens – gerecht werden.

Aber das Vertrauen in Medien, in unsere Arbeit als Journalisten, ist in den vergangenen Jahren geschwunden. Medien stecken in einer Glaubwürdigkeitskrise. „Zwischen Information und Fake News“: So lautet daher nicht ohne Grund der Untertitel, den die Veranstalter meinem heutigen Vortrag gegeben haben.

Was in der Zeitung steht… ist wichtig und richtig. Aber was ist wichtig? Das wird jeder von Ihnen etwas unterschiedlich beurteilen. Und was ist richtig? Auch darüber besteht wohl nicht immer Einigkeit. Und das nicht erst seit Trump und seinen permanenten „Fake News“-Tiraden.

Wer Nachrichten konsumiert und sich ein eigenes, fundiertes Urteil darüber bilden möchte, was wirklich wichtig und richtig ist, der sollte daher wissen, wie das Nachrichtengeschäft funktioniert. Dazu im Folgenden sieben Thesen...

1. Was in der Zeitung steht… muss nicht auf Papier gedruckt sein

© Westdörp, Werner

Unter einer Zeitung verstehen wir gemeinhin eine regelmäßig erscheinende, auf Papier gedruckte Ansammlung von Artikeln über aktuelle Themen. Ursprünglich stand der Begriff Zeitung aber ganz allgemein für eine Nachricht – unabhängig davon, in welcher Form sie überbracht wurde. Und in diese Richtung haben wir uns – nach rund 140 Jahren Unternehmensgeschichte, die in der Tat ausschließlich auf Papier basierten – inzwischen wieder entwickelt. Die Grafschafter Nachrichten sind nach wie vor eine Zeitung – aber eine, die ihre Nachrichten nicht mehr ausschließlich druckt.

Grafschafter Nachrichten gibt es längst auch

  • als digitale Ausgabe in Smartphone- und Tablet-Apps
  • als Internetseite GN-Online
  • als Präsenz in digitalen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Youtube und Instagram
  • als Nachrichtenüberblick, den Ihnen „Alexa“ ganz nach Ihren persönlichen Wünschen vorliest
  • und auch als Kurznachrichten auf so genannten Mediaboxen – das sind Bildschirme, die zum Beispiel in Geschäften, Wartezimmern und Bahnhöfen hängen.

Wenn wir also darüber sprechen, „was in der Zeitung steht“, dann sind damit all diese Kanäle gemeint. Dann sprechen wir längst nicht mehr nur über Texte und einzelne Fotos, sondern auch über Bildergalerien, Videos, interaktive Grafiken und Multimedia-Artikel.

Der Kern aber bleibt derselbe: Zeitungen sind „Nach - richten“, also Neuigkeiten, „nach denen man sich richten kann“. Oder, um es in einer modernen Definition zu sagen: „Die Nachricht ist eine direkte, auf das Wesentliche konzentrierte und möglichst objektive Mitteilung über ein neues Ereignis, das für die Öffentlichkeit wichtig und/oder interessant ist.“ (Dietz Schwiesau und Josef Ohler)

2. Was in der Zeitung steht… ist immer nur ein Teil der Wirklichkeit

© Westdörp, Werner

Eine Zeitung oder eine Nachrichtensendung liefert nie ein komplettes Abbild der Wirklichkeit. Journalisten sind keine Protokollführer, sie müssen und können keineswegs „alles“ berichten, was geschieht. Das wäre ja auch gar nicht möglich. Journalisten wählen aus, lassen weg, ordnen ein, gewichten. Das ist ihre Aufgabe. Wie sie das tun, darüber wollen wir sprechen.

Journalisten beschreiben in der Regel nicht das Alltägliche, das Erwartbare, das Selbstverständliche. Sondern sie berichten vor allem über das, was eben nicht alltäglich und selbstverständlich ist, was nicht zu erwarten, sondern im Gegenteil überraschend war. Ein Beispiel, das jeder Journalist in seiner Ausbildung zu hören bekommt, lautet: „Hund beißt Mann“ ist keine Nachricht. „Mann beißt Hund“ ist hingegen sehr wohl eine Nachricht. Weil das eine eben gewöhnlich, das andere hingegen ganz und gar ungewöhnlich ist.

Zudem berichten Journalisten weniger über das, was gleich geblieben ist, und mehr über das, was sich verändert hat. Sie bilden also nicht in jeder Ausgabe, in jeder Sendung die gesamte Wirklichkeit ab, sondern lediglich die wichtigsten Veränderungen seit Erscheinen der vorherigen Ausgabe oder seit der Ausstrahlung der vorherigen Sendung.

Wer Zeitung liest, Fernsehen schaut oder durchs Internet surft, sollte sich über diese Nachrichtenauswahl bewusst sein. Nur, weil die Journalisten über so viele ungewöhnliche Dinge berichten, bedeutet dies nicht, dass nichts Gewöhnliches mehr passiert, dass die ganze Welt verrückt geworden ist. Aber das Normale ist eben normal und damit weniger interessant und berichtenswert als das Unnormale, Überraschende, Unerwartete.

Beispiele:

  • Wenn ein großes Unternehmen vor Ort entweder einen Großauftrag bekommt und deshalb Mitarbeiter sucht, oder aber mangels Aufträgen viele Mitarbeiter entlassen muss, dann hat das einen größeren Nachrichtenwert, als wenn in derselben Firma alles seinen gewohnten Gang nimmt.
  • Wenn ein prominenter Parteifreund auf Oppositionskurs zur eigenen Kanzlerin geht, dann ist das relevanter, als wenn auch die Opposition mal wieder die Kanzlerin kritisiert.
  • Wenn ein großes Bauprojekt den Finanz- und Zeitrahmen einhält, dann wird das in den Nachrichten weniger Aufmerksamkeit erfahren, als wenn sich die Fertigstellung verzögert oder sich die Baukosten zulasten der Steuerzahler verdoppeln.
  • Und ein Bombenanschlag in einer Stadt, in der es bislang friedlich zuging, wird einen viel größeren medialen Widerhall finden als ein Anschlag in einer Stadt, in der seit Jahren Krieg herrscht und täglich Menschen sterben – weil der gewaltsame Tod in der einen überraschend kam, während er in der anderen leider längst zum Alltag gehört.

Diese Art der Auswahl und Gewichtung von Nachrichten gilt übrigens nicht nur für den Journalismus, sondern ist ein ganz typisches menschliches Verhalten. Wenn Sie abends von der Arbeit kommen und ihre Familie fragen, was an diesem Tag denn so losgewesen sei, dann werden Sie vermutlich nicht zu hören bekommen,

  • dass die Kinder morgens wieder zur Schule gefahren sind,
  • dass alle Geräte im Haus reibungslos funktionieren
  • und dass die Nachbarn dieselben sind wie seit 20 Jahren.

Sondern die Familie wird Ihnen womöglich berichten,

  • dass die Tochter überraschend eine Zwei in Mathe geschrieben hat,
  • dass die Heizung ausgefallen ist
  • oder dass es aus heiterem Himmel Ärger mit dem Nachbarn gab.

Die Familie wird Ihnen also kaum erzählen, was selbstverständlich und alltäglich war, sondern was sich verändert hat und deshalb berichtenswert ist.

Und berichtenswert ist eben vor allem das, was einen Neuigkeitswert hat – und zudem einen Informationswert. Einen Neuigkeitswert hat im Prinzip alles, was Sie bislang nicht wussten. Das allein reicht aber nicht aus, um eine Nachricht für Sie zu sein. Es gibt vieles, was Sie nicht wissen – und was Sie auch gar nicht wissen müssen und gar nicht wissen wollen. Auch eine Neuigkeit hat erst dann für Sie einen Nachrichtenwert, wenn sie zusätzlich für Sie relevant ist.

Besonders relevant ist eine Nachricht, die Sie direkt betrifft. Beispiel: „Bundestag erhöht Mehrwertsteuer“. Relevant ist aber auch eine Nachricht, die Sie betreffen könnte. Ein Terroranschlag in einer nahen Hauptstadt oder in einem Urlaubort, der bei vielen Deutschen beliebt ist, in dem Sie selbst oder Bekannte vielleicht sogar schon mal gewesen sind, betrifft uns stärker und macht uns daher auch betroffener als ein Anschlag in einer uns unbekannten Stadt irgendwo in Afghanistan. Denn der erste hätte uns oder unser persönliches Umfeld möglicherweise auch betreffen können, der zweite hingegen eher nicht.

Das ist manchmal schwer zu akzeptieren, ja es ist zynisch. Denn bei beiden Anschlägen sind Menschen ums Leben gekommen, ist unsägliches Leid entstanden. Aber es liegt eben in der Natur des Menschen, dass uns Dinge, die uns fern sind, nicht so nahegehen. Und daran orientieren sich auch die Medien.

Umgekehrt gilt dies genauso: So genannte Blaulicht-Meldungen, Berichte über Brände, Unfälle und Verbrechen in der Grafschaft, sind häufig die meistgelesenen Artikel auf GN-Online. Uns Journalisten wird manchmal vorgeworfen, wir seien sensationsgierig und voyeuristisch, wenn wir über solche Ereignisse berichten, womöglich sogar mit Foto und Video. Aber das sind die Themen, die unsere Leser besonders interessieren, weil sie ihnen nahe sind und nahegehen, weil sie sie betreffen und betroffen machen.

Für uns Journalisten bedeuten solche Berichte oft eine Gratwanderung. Es ist unsere Aufgabe, zu berichten. Unsere Leser erwarten das zu Recht von uns. Wir würden unserer Funktion nicht gerecht und würden auf wenig Verständnis bei vielen Lesern stoßen, wenn wir solche Ereignisse verschwiegen. Andererseits leben häufig auch die Betroffenen, Opfer und Angehörige bei uns in der Region, lesen vermutlich dieselbe Zeitung, werden von anderen Lesern erkannt und angesprochen. Eben weil es hier im Lokalen eine so große Nähe gibt, müssen wir selbstverständlich auch deren Interessen stärker berücksichtigen und schützen als bei vergleichbaren Ereignissen in größerer Entfernung. Deshalb sind wir viel zurückhaltender, berichten wir sachlicher und zeigen wir weniger als manche überregionale Zeitung und manche TV-Sendung. Aber wir berichten, weil es eben berichtenswert ist.

Was ist das Wichtigste vom Tage? Das hängt von der Nachrichtenlage ab.

Wie Ihre Familie am Abendbrottisch, so liefert auch eine Zeitung oder eine Nachrichtensendung nicht alles, sie liefert „das Wichtigste vom Tage“. Das ist der Anspruch der Nachrichtenmedien, und das erwarten die Leser und Zuschauer von ihnen. Aber was ist „das Wichtigste vom Tage“? Das ist relativ, das hängt davon ab, was und wieviel an diesem Tag passiert ist. Auch das ist, um bei meinem Beispiel zu bleiben, am Abendbrottisch einer Familie nicht viel anders als in einer Redaktionskonferenz.

Wenn Ihre Tochter in Mathe eine Zwei schreibt, dann ist das für sie die Nachricht des Tages – es sei denn, sie hat am selben Tag in Englisch sogar eine Eins. Dann verliert die Zwei in Mathe womöglich an Bedeutung. Wenn ein Politiker eine Forderung erhebt oder der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, dann kann auch diese Nachricht an einem Tag sehr prominent auf den Titelseiten und gleich am Anfang einer Fernsehsendung stehen – während exakt dasselbe Ereignis an einem anderen Tag viel kleiner und viel weiter hinten auftaucht oder womöglich gar keine Erwähnung findet. Weil es nämlich ereignisreiche und ereignisarme Tage gibt und damit auch nachrichtenreiche und nachrichtenarme.

Es ist eben nicht so, dass an jedem Tag exakt so viel passiert, wie in eine Zeitung passt. Der Platz auf einer Zeitungsseite – und übrigens auch ganz oben im sichtbarsten Bereich einer Internetseite – ist ebenso begrenzt wie Sendezeiten im Fernsehen und im Radio. Nachrichten – und damit auch deren Protagonisten – konkurrieren um diesen Platz und um diese Zeit.

Das ist wie im Sport: Manchmal ist die Konkurrenz stärker, manchmal schwächer. An einem Tag kann ein Läufer mit seiner Zeit Gold gewinnen, an einem anderen schafft er es mit exakt derselben Zeit nicht einmal ins Finale. Das ist nicht unfair, das ist Wettbewerb.

Und genauso läuft es auch in Redaktionen ab. Es ist durchaus Alltag, dass ein Artikel tagsüber während des Produktionsprozesses stundenlang groß auf unserer geplanten Titelseite steht. Dass er also quasi im Wettrennen um die wichtigste Nachricht des Tages die Nase vorn hat. Und dann, spät abends, kurz vor der Ziellinie, bei Zeitungen also: kurz vor dem Andruck, wird er doch noch überrundet, wird stark gekürzt, auf eine der hinteren Seiten durchgereicht, oder fliegt sogar komplett aus der Ausgabe, weil er durch ein anderes, aktuelleres, wichtigeres Thema verdrängt wird.

Deshalb können wir Redakteure auf die Frage, die uns bei Presseterminen häufig gestellt wird, wann, wie groß und auf welcher Seite ein Artikel denn in der Zeitung erscheinen werde, meistens nicht verbindlich antworten. Weil wir Journalisten selbst nämlich auch nicht im Voraus wissen, was wann das Wichtigste vom Tage sein wird. Und deshalb fallen unsere Berichte über vergleichbare Ereignisse auch nicht immer vergleichbar aus. Weil sie nämlich – im Vergleich zu den anderen Nachrichten des jeweiligen Tages – mal einen höheren und mal einen niedrigeren Nachrichtenwert haben.

Das ist ärgerlich für Menschen, denen es wichtig ist, wie groß und wie prominent sie in der Zeitung stehen. Für die Kandidaten zum Beispiel, die in wenigen Wochen Grafschafter Landrat oder Bürgermeister in Nordhorn oder Uelsen werden wollen. Da stoßen wir Redakteure manchmal auf wenig Verständnis, wenn der Bericht über den einen kleiner ausfällt als der über den anderen. Und glauben Sie mir: Manche Betroffene zählen jede Zeile. Sie vermuten hinter selbst kleinen Abweichungen dann womöglich Absicht, Parteilichkeit, gar Böswilligkeit. Dabei hatte der eine vielleicht einfach Glück und der andere Pech mit der Nachrichtenkonkurrenz am jeweiligen Tag.

Politprofis wissen das übrigens und platzieren Nachrichten durchaus geschickt genau dann, wenn die Nachrichtenlage eher dürftig ist. Achten Sie mal darauf: Ihnen völlig unbekannte Namen von Hinterbänklern im Bundestag hören Sie in den Nachrichten am ehesten an Wochenenden und Feiertagen. Sie äußern sich nämlich bevorzugt genau dann, wenn sich die wirklich wichtigen Politiker ausnahmsweise mal weniger zu Wort melden.

Und die wirklich wichtigen Politiker teilen unangenehme Wahrheiten gerne zu einem Zeitpunkt mit, an dem sich das Nachrichtenkarussell gerade besonders schnell dreht und sie hoffen dürfen, dass ihre unerfreuliche Botschaft wenig Beachtung finden wird, weil sie von anderen aktuellen Nachrichten überlagert wird. Es ist also kein Zufall, wenn weitreichende politische Entscheidungen manchmal ausgerechnet in der entscheidenden Phase einer Fußball-Weltmeisterschaft gefällt werden. Sie werden uns dann im wahrsten Sinne des Wortes „untergejubelt“.

3. Was in der Zeitung steht… ist nie objektiv

© Westdörp, Werner

Wären alle Medien und alle Medienmacher absolut objektiv und gäbe es eine exakte Wissenschaft der Nachrichtenauswahl, -aufbereitung und -gewichtung, dann müssten alle Nachrichten über dasselbe Ereignis in allen Zeitungen und allen Sendungen exakt gleich ausfallen. Das ist natürlich nicht der Fall. Denn es gibt zwar Regeln, nach denen professionelle Journalisten Nachrichten auswählen, aufbereiten und gewichten. Aber diese Regeln sind gar nicht so leicht zu fassen. Ich könnte sie hier nicht in wenigen, allgemein gültigen Sätzen zusammenfassen.

Das mag überraschend klingen, ist aber gar nicht so ungewöhnlich. Was macht zum Beispiel einen guten Lehrer aus, können Sie mir allgemein gültige, exakte Regeln für guten Unterricht nennen? Es gibt Lehrer, die unterrichten sehr unterschiedlich – und dennoch jeder auf seine Weise gut. Was zeichnet eine gute Pastorin, einen guten Polizisten oder einen guten Friseur aus? Für all diese Berufe gibt es Ausbildungen und so etwas wie Standesregeln, die als allgemein verbindlich anerkannt sind. Aber letztlich gibt es immer auch einen gewissen Spielraum, wie eine Pastorin ihre Predigt aufbaut, wie ein Polizist mit einem Verkehrssünder spricht, wie ein Friseur seine Kunden berät.

Genauso ist es im Journalismus: Persönliche Charakterzüge und Grundüberzeugungen, Bildung und Erziehung, Berufs- und Lebenserfahrung, vermeintliche oder tatsächliche Erwartungen der Leser und natürlich auch Versuche politischer Einflussnahme und wirtschaftliche Interessen des Arbeitgebers wirken sich mal stärker, mal schwächer aus.

Ein guter, ein professioneller Journalist ist sich dessen bewusst und bemüht sich darum, sich von diesen Faktoren nicht allzu sehr beeinflussen zu lassen. Ganz ausschalten kann er sie nie. Aber meine persönliche Einschätzung und Erfahrung ist, dass dies den meisten Journalisten ziemlich gut gelingt.

Selbstverständlich kommt es vor, dass Politiker den Chefredakteur anrufen und Einfluss auf die Berichterstattung nehmen wollen. Selbstverständlich versuchen Anzeigenkunden, mit wirtschaftlichem Druck unliebsame Berichterstattung zu unterdrücken oder Werbebotschaften in redaktionellen Texten zu platzieren. Und es gibt auch Verleger und Verlage, die eine politische Agenda verfolgen und von ihren Journalisten eine bestimmte Haltung einfordern.

Journalisten, die ihrer gesellschaftlichen Bedeutung gerecht werden wollen, müssen sich dem so gut wie möglich widersetzen oder diese Einflüsse zumindest transparent kenntlich machen. Sie werden aber gelegentlich auch Kompromisse eingehen – weil sie ihren Arbeitsplatz nicht verlieren wollen, weil sie Konflikten aus dem Wege gehen oder andere persönliche Interessen verfolgen.

Ohnehin sind die Versuche der Einflussnahme selten so offensichtlich, wie mancher vielleicht meinen mag. Die Vorstellung, das Bundeskanzleramt – oder wahlweise das Büro des Landrates oder des Bürgermeisters – gebe täglich Direktiven heraus, was die Medien wie zu berichten hätten, ist ziemlich naiv. In autoritären Staaten ist das häufig leider so. Und wir alle wissen, dass es auch in Deutschland Zeiten gab, in denen das so war. Aber heute, in unserer föderalen Demokratie, ist das zum Glück nicht der Fall. Bei der Vielzahl an Medien auf der einen und politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren auf der anderen Seite wäre das auch gar nicht möglich. Wer meint, es gäbe das eine „System“, das alles steuert, darunter auch die „Systempresse“, der konstruiert sich ein sehr simples Weltbild, das mit der Realität nichts gemein hat.

Das bedeutet aber nicht, dass es keine Versuche gäbe, auf die Medien Einfluss auszuüben. Ich habe ja gerade Beispiele genannt. Und es gibt durchaus Druckmittel, die eingesetzt werden.

  • Der Vereinsvorsitzende droht vielleicht damit, auf der nächsten Mitgliederversammlung dazu aufzurufen, kollektiv die Abos zu kündigen.
  • Der Bürgermeister weigert sich womöglich, einen unliebsamen Journalisten zu Hintergrundgesprächen einzuladen und gibt wesentliche Informationen ganz bewusst zuerst an diejenigen Reporter weiter, von denen er meint, sie seien ihm eher gewogen.
  • Und das große Unternehmen weist im Falle allzu kritischer Nachfragen von Journalisten womöglich darauf hin, dass es sein Werbebudget nicht zwingend in Zeitungsanzeigen investieren müsse.

All das kommt gelegentlich vor. Aber, so ist zumindest meine Erfahrung hier in der Grafschaft Bentheim, äußerst selten. Und wenn, dann ist es selten von Erfolg gekrönt, denn die Verlage sitzen in der Regel keineswegs am kürzeren Hebel, verfügen ihrerseits ja auch über Druckmittel. Der Vereinsvorsitzende braucht die Berichterstattung der Lokaljournalisten, weil seine Vereinsmitglieder stolz sind auf Zeitungsberichte über ihre Erfolge und weil seine Sponsoren ihre Werbebanden auf den Zeitungsfotos sehen wollen. Das Unternehmen, das mit einem Werbestopp droht, schaltet Anzeigen letztlich nicht dem Verlag zuliebe, sondern weil sich der Werbeerfolg für ihn auszahlt. Darauf kann und wird er schon aus wirtschaftlichen Gründen auf Dauer nicht verzichten. Und der Bürgermeister, der einzelne Journalisten ausschließt, will irgendwann wiedergewählt werden und muss spätestens im nächsten Wahlkampf die Leser aller Zeitungen erreichen – wenngleich er, zugegebenermaßen, dank digitaler Netzwerke wie Facebook und Twitter durchaus unabhängiger geworden ist und – Beispiel Trump – weniger auf die traditionellen Medien angewiesen ist, um die Bevölkerung zu erreichen.

Also: Die Beeinflussung von Medien und Medienmachern erfolgt in der Regel subtiler, als es Begriffe wie „Systempresse“ oder „Hofberichterstatter“ behaupten.

Sie erfolgt, zum Beispiel, über die Sprache. Eine Methode, die in unserer Branche viel diskutiert wird, nennt sich „Framing“. Diesen Begriff haben Sie in den vergangenen Tagen vielleicht gelegentlich gehört oder gelesen. Er ging durch die Presse, weil sich ausgerechnet die ARD, also eine Anstalt, die doch kritischen Journalismus verkörpern soll, für viel Geld eine Anleitung für „Framing“ in eigener Sache hat schreiben lassen. „Framing“ bedeutet: Akteure versuchen, Ereignissen oder Themen einen Rahmen zu geben und in ein Deutungsraster zu zwängen, bevor die Medien sich damit befassen. Sie wollen die Richtung vorgeben, den Ton setzen, in dem Journalisten berichten.

Dafür gibt es prominente Beispiele. Spricht ein Politiker von „Asyltourismus“, dann will er damit Bilder im Kopf seiner Zuhörer erzeugen. Bilder, die uns an Sommer, Sonne, Strand und Meer denken lassen und keinesfalls an ausgebombte Familien und traumatisierte Waisen. „Altparteien“, „Staatsversagen“ sind ebenfalls solche Begriffe, die Journalisten hellhörig werden lassen sollten, und die sicherlich nicht, ohne sie zu hinterfragen und einzuordnen, in die Berichterstattung einfließen dürfen. Ein „Ankerzentrum“ für Flüchtlinge klingt nach einem sicheren Hafen – und nicht nach „1. Ankunft, 2. Entscheidung, 3. Rückführung“. Diese drei Begriffe sind es aber, die zu der Abkürzung „Anker“ beschönigt werden.

Ziemlich dreist, aber auch clever finde ich das „Gute-Kita-Gesetz“, das „Starke-Familien-Gesetz“ oder auch die „Respekt-Rente“. Klar, die Begriffe sind viel griffiger und einprägsamer als die offiziellen Wortungetüme. Die lauten nämlich „Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung“. Oder sogar, zählen Sie mit: „Gesetz zur zielgenauen Stärkung von Familien und ihren Kindern durch die Neugestaltung des Kinderzuschlags und die Verbesserung der Leistungen für Bildung und Teilhabe.“ 23 Wörter! Da erreichen Sie als Politiker Ihre Wähler eher mit dem Begriff „Starke-Familien-Gesetz“. Und Politiker sollen ihre Politik ja erklären, sollen volksnah sein, sollen die Sprache des Volkes sprechen. Also ist es doch gut, dass sie ihren Gesetzen neuerdings so knackige Namen geben. Oder?

Nun ja. Der Begriff „Gute-Kita-Gesetz“, den das Bundesfamilienministerium ganz bewusst verwendet und prägt, stellt eben auch den Versuch dar, einem Gesetz schon vor seiner Verabschiedung eine klare Deutung mitzugeben. Niemand hat etwas einzuwenden gegen gute Kitas. Deshalb sollte es auch niemand wagen, ein „Gute-Kitas-Gesetz“ kritisch zu hinterfragen. Genau das aber sollten Journalisten tun. Nur weil ein Gesetz „Gute-Kitas-Gesetz“ heißt, sorgt es nicht automatisch für gute Kitas. Aber diese drei Wörter passen eben wunderbar in eine kurze Schlagzeile. Statt auf der Hut zu sein und solche wertenden Begriffe tunlichst zu meiden, haben leider allzu viele Medien die schönfärberischen Wortschöpfungen der Politiker übernommen und sich damit vor deren Karren spannen lassen. Ich finde, das sollte man nicht den Politikern vorwerfen, sondern den Journalisten.

Journalisten sind also nicht objektiv. Es gibt vielfältige Versuche, sie zu beeinflussen, und es gelingt ihnen keineswegs immer, sich diesen Einflüssen zu widersetzen. Dennoch gibt es starke Argumente dafür, dass Medien in ihrer Gesamtheit durchaus vertrauenswürdig sind. Vor allem der Vorwurf, dass Medien parteipolitisch einseitig berichten, ist häufig selbst parteipolitisch einseitig. Es sind vor allem die Parteipolitiker selbst, die sich nicht vorstellen können, dass Journalisten politisch interessiert und trotzdem ungebunden sind.

Sind Politiker unterschiedlicher Couleur mit einem Journalisten gleichermaßen unzufrieden, macht dieser vermutlich vieles richtig.

Die Folge ist, dass sich mancher Journalist aus so ziemlich jedem politischen Lager vorwerfen lassen muss, auf der jeweils anderen Seite zu stehen. Ich finde, das ist der stärkste Beweis für seine Unabhängigkeit. Wäre ein Politiker mit einem Journalisten vollauf zufrieden, sollten bei diesem alle Alarmglocken schrillen. Sind hingegen Politiker unterschiedlicher Couleur mit ihm gleichermaßen unzufrieden, macht er vermutlich vieles richtig. Und das hören wir erfreulich oft. Denn nicht diejenigen sollen mit unserer Arbeit zufrieden sein, über die wir berichten, sondern diejenigen, für die wir berichten.

Und das nicht zuletzt aus ganz handfesten wirtschaftlichen Gründen. Verleger sind Unternehmer, sie wollen und müssen Geld verdienen. Das aber wird immer schwieriger. Die Anzeigenerlöse gehen zurück, auch die verkaufte Auflage schrumpft. Zugleich wächst die digitale Reichweite, mit der sich aber weniger Geld verdienen lässt. Wollen Verlage auch künftig wirtschaftlich gut dastehen, sind sie darauf angewiesen, dass ausreichend viele Menschen bereit sind, für Journalismus Geld zu bezahlen. Das werden sie nur tun, wenn ihnen die Arbeit der Journalisten das Geld wert ist. Und das wiederum setzt voraus, dass sie den Medien und ihren Journalisten vertrauen.

Für einen Verlag wäre es betriebswirtschaftlich unsinnig, durch allzu offensichtliche Parteinahme einen Teil seiner Leser zu verärgern oder gar einen Teil des Marktes zu verprellen. Das gilt erstrecht dann, wenn eine Lokalzeitung die einzige in ihrem Verbreitungsgebiet ist. Warum sollte sie, zumal in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten, ganz bewusst nur einen Teil ihrer potenziellen Leserschaft ansprechen? Das wäre nur dann erfolgversprechend, wenn es direkte Konkurrenz gibt, von der sich ein Verlag unterscheiden möchte.

Deshalb gibt es, stark vereinfacht ausgedrückt, in Frankfurt die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Frankfurter Rundschau. Sie zielen ganz klar auf unterschiedliche Gruppen, sind ganz offensichtlich nicht gänzlich objektiv – in ihrer Gesamtheit bilden die Medien dann aber doch wieder ein breites Spektrum ab. Auf dem freien Markt entscheidet jeder Leser selbst, für welches Blatt er sein Geld ausgibt.

Medienmacher sind Menschen, und Menschen sind subjektiv. Das ist keineswegs negativ, sondern im Gegenteil sogar vorteilhaft für den Journalismus – zumindest dann, wenn es – wie in Deutschland – so viele unabhängige Zeitungsverlage gibt. Die Individualität und nie ganz auszuschaltende Subjektivität der vielen Journalisten verhindert gerade, dass es lauter gleichgeschaltete Mainstream-Medien geben kann.

Es stimmt zwar, dass immer wieder das Phänomen des „Rudel-Journalismus“ zu beobachten ist: Alle Journalisten scheinen sich in ein und dasselbe Thema zu verbeißen und verlieren den Blick dafür, was links und rechts sonst noch an Berichtenswertem geschieht. Aber diese Rudel lösen sich auch wieder auf. Irgendwann schert garantiert jemand aus, entdeckt andere lohnende Ziele und lockt damit wiederum einen Teil der Meute auf seine Spur.

Vielfalt schafft in ihrer Gesamtheit Objektivität. Ob es diese Vielfalt auf Dauer weiter geben wird, liegt letztlich auch an Ihnen, den Lesern und Käufern. Ohne die Bereitschaft, für hochwertigen Journalismus angemessen zu bezahlen, wird Ihnen diese Vielfalt und damit letztlich auch die Qualität und Objektivität der deutschen Medien nicht erhalten bleiben.

4. Was in der Zeitung steht… können Leser stärker als je zuvor beeinflussen

© Westdörp, Werner

Die Regeln, nach denen Nachrichten in einer Redaktion ausgewählt, aufbereitet und gewichtet werden, habe ich vorhin in Ansätzen erläutert. Vor allem habe ich darauf hingewiesen, dass sich diese Regeln kaum in wenigen Sätzen allgemeinverbindlich benennen lassen, dass letztlich immer auch subjektive Entscheidungen der Redakteure einfließen.

Man könnte auch sagen: Redakteure haben Zeitung lange überwiegend „nach Bauchgefühl“ gemacht. Das bedeutet nicht, dass sie willkürlich agieren. Das Bauchgefühl beruht auf Ausbildung, Erfahrung, gesundem Menschenverstand. Aber ob wir tatsächlich die Bedürfnisse und Interessen unserer Leser bedienen, ist für uns bei reinen Print-Produkten schwer in Erfahrung zu bringen.

Redakteure von Boulevardzeitungen wissen dies noch am ehesten, denn sie haben Tag für Tag die aktuellen Verkaufszahlen genau im Blick. Ob eine Titelseite, eine Schlagzeile, ein Aufmacherbild das Interesse der Leser trifft, entscheidet sich täglich neu am Kiosk und schärft so die Sinne der Boulevardjournalisten für den Geschmack des Publikums.

Redakteure von Abonnementzeitungen haben diese regelmäßige Rückmeldung nicht. Ihre treuen Abonnenten entscheiden nicht Tag für Tag mit Blick auf die Schlagzeilen, ob sie die Zeitung kaufen oder nicht, sondern sie haben sich langfristig dafür entschieden. Sie holen ihr Exemplar auch nicht am Kiosk, sondern bekommen es frei Haus geliefert. Sie müssen nicht jeden Morgen aufs Neue zum Kauf animiert werden, sondern sollen dauerhaft zufriedengestellt und an die Zeitung gebunden werden. Deshalb titeln und berichten Abo-Zeitungen in der Regel auch sachlicher, weniger reißerisch als Boulevardblätter. Verkaufszahlen geben den Redakteuren von Abonnementzeitungen also nur sehr langfristig eine Rückmeldung, wie zufrieden die Abonnenten mit ihrer Zeitung sind.

Und egal, ob Abo oder Einzelverkauf: Wer welchen Artikel wie intensiv liest, welcher Leser was von welchem Inhalt hält – das bleibt den Journalisten bei gedruckten Zeitungen weitgehend verborgen. Ehe jemand anruft, einen Leserbrief schreibt oder gar das Abo kündigt, muss meist viel passieren. Und dann sind die wenigen Rückmeldungen, die der Redakteur von den Abonnenten der gedruckten Zeitung bekommt, zunächst einmal Einzelmeinungen. Mit einer Zeitung für rund 75.000 Leser werden wir es nie allen recht machen können.

Um wirklich ein repräsentatives Bild zu ermitteln, ist eine umfassende Marktanalyse erforderlich, wie sie die GN in den vergangenen zwei Jahren durchgeführt haben. Wir haben daraus viel gelernt. Aber solche repräsentativen Studien kosten viel Zeit und viel Geld und müssten zudem regelmäßig wiederholt werden, um tatsächlich nachhaltigen Einfluss auf die tägliche Arbeit der Journalisten nehmen zu können.

Kurzum: Über viele Jahrzehnte haben Redakteure die Zeitung weitgehend so gemacht, wie sie es für richtig hielten – und ihre Leser haben das Endprodukt weitgehend so hingenommen, wie es eben war.

Das ist heute völlig anders. Welches Thema wen zu welcher Zeit in welcher Aufmachung wie stark interessiert, wissen wir in den Zeiten des Online-Journalismus ständig und in Echtzeit. Entsprechende Statistiken laufen bei uns am Newsdesk, in der Nachrichtenzentrale permanent über die Monitore. Erfreulich oft merken wir, dass unser Bauchgefühl passt: Die Themen, die wir Redakteure als besonders interessant für unsere Leser einstufen, werden auch tatsächlich am häufigsten angeklickt, am intensivsten gelesen. Aber wir werden auch immer wieder überrascht, weil Themen, die wir selbst als nicht sonderlich stark eingestuft haben, auf unerwartet großes Interesse stoßen – oder aber, weil ein vermeintliches Topthema kaum Leser findet. Die Gewichtung der Themen auf der Startseite, der Titelseite von GN-Online orientiert sich daher nicht nur an der Steuerung durch uns Redakteure, sondern automatisiert auch an den Interessen und am Verhalten unserer Leser. Und das wird in Zukunft noch viel stärker der Fall sein.

Wir Journalisten schauen uns das Verhalten unserer Leser auf den digitalen Kanälen sehr genau an. Und die Erkenntnisse, die wir daraus ziehen, fließen direkt in unsere Arbeit ein. Aus Marktanalysen wissen wir: Ein Thema, das im Webportal sehr häufig geklickt wird, findet auch in der gedruckten Tageszeitung viel Beachtung. Und deshalb wird es in der Regel auch dort einen entsprechend prominenten Platz finden.

Daten ergänzen also mehr und mehr das Bauchgefühl der Journalisten – ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist und Zeitungen stärker verändern wird, als manchem heutzutage vielleicht bewusst ist. Was zählt, ist nicht mehr allein die persönliche Entscheidung eines Redakteurs oder einer Redaktionskonferenz. Es zählt auch das Verhalten der „Crowd“, des „Schwarms“, also der Vielzahl unserer Leser.

Leser können heutzutage viel leichter Kontakt zur Redaktion aufnehmen – und nutzen diese Möglichkeit auch.

Und es zählt auch das Verhalten, die Vorlieben und Interessen jedes Einzelnen, der, wenn er möchte, dank kluger Algorithmen seine ganz persönliche, auf ihn allein zugeschnittene Homepage bekommen kann. „Meine GN“ – diesen Bereich gibt es auf GN-Online bereits, und er wird sich weiter entwickeln.

Aber die Leser beeinflussen unsere Arbeit nicht nur passiv aufgrund ihres Nutzungsverhaltens, sondern auch aktiv. Sie können viel leichter und schneller persönlich Kontakt zu einem Redakteur aufnehmen, als noch vor wenigen Jahren. Zum Telefon zu greifen oder einen Brief zu schreiben, bedeutet eine recht hohe Hürde. Auf dem Smartphone einen schnellen Kommentar zu diktieren, auf Facebook „Gefällt mir“ zu klicken oder eine formlose E-Mail zu senden geht viel einfacher, unkomplizierter, schneller.

Und diese Möglichkeiten nutzen unsere Leser. Eine wesentliche Aufgabe unseres Newsdesks, der Nachrichtenzentrale in der Redaktion, ist daher längst die direkte Kommunikation mit unseren Lesern. Deren Anregungen, Kritik, Korrekturen fließen sofort in unsere Arbeit ein. Denn viele dieser Rückmeldungen kommen ja, bevor die Zeitung von morgen gedruckt ist. So können Reaktionen, die uns auf einen Online-Artikel oder einen Facebook-Post erreichen, nicht nur in eine aktualisierte Fassung im Web eingebaut werden, sondern auch noch in den Bericht für die Zeitung von morgen. Unsere Leser tragen also auf vielfältige Weise dazu bei, dass wir und unsere Arbeit besser werden.

Für uns Tageszeitungsredakteure war das anfangs ungewohnt. Wenn wir früher einen Artikel geschrieben haben, dann haben ihn vielleicht ein Kollege und der Chefredakteur gelesen, ehe er gedruckt und dann am nächsten Morgen von Tausenden Grafschaftern gelesen wurde. Heute hingegen wird ein Artikel meist schon während der Arbeitszeit des Autors, ja manchmal, wenn wir bei aktuellen Ereignissen häufig aktualisieren, sogar noch während des Entstehungsprozesses von Hunderten gelesen, bewertet, kommentiert, ergänzt, verrissen – und der Autor erfährt dies ganz unmittelbar, kann darauf reagieren, muss sich vielleicht rechtfertigen, kann ergänzen und aktualisieren.

Sie als Leser müssen die Zeitung also längst nicht mehr so hinnehmen, wie sie ist. Sie können Einfluss nehmen auf die Arbeit der Journalisten – indirekt durch Ihr Leseverhalten in den digitalen Kanälen, aber auch ganz direkt durch Kommentare, Bewertungen, Nachrichten an die Redaktion.

Nutzen Sie diese neuen Möglichkeiten! Der Journalismus kann dadurch nur besser werden.

5. Was in der Zeitung steht… bildet eher die düstere als die helle Seite der Welt ab

© Westdörp, Werner

Warum schreiben wir Journalisten eigentlich immer so viel Negatives? Wenn man die Zeitung liest, könnte man meinen, die Welt bestehe nur aus Mord und Totschlag, aus Korruption und unfähigen Politikern, aus raffgierigen Managern, Pleiten, Pech und Pannen. „Bad news is good news“, lautet eine alte Weisheit unseres Berufsstandes. Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten – weil sie sich gut verkaufen.

Es stimmt: Die Medien berichten vor allem über das, was nicht so läuft wie es laufen sollte. Und das hat auf dem Boulevard und im Wettrennen um Klicks im Internet tatsächlich auch knallharte wirtschaftliche Gründe. Aber eben nicht nur. Der Blick auf die Schattenseiten ist eine Kernaufgabe der Presse in unserer Demokratie, deswegen wird sie häufig auch als „Vierte Gewalt“ bezeichnet, als konstituierende Institution im Rahmen der Gewaltenteilung neben Legislative, Exekutive und Judikative. Die Pressefreiheit ist als Grundrecht in der Verfassung garantiert, weil Presseorgane eben mehr sind als reine Wirtschaftsunternehmen. Sie haben in einer demokratischen Gesellschaft einen wesentlichen Einfluss auf die öffentliche Meinung und auf politische Entscheidungen. Und sie nehmen eine zentrale Kontrollfunktion wahr.

Wenn wir Journalisten diese Aufgabe ernst nehmen, dann führt dies zwangsläufig dazu, dass wir mehr Negatives als Positives schreiben, dass wir mehr kritisieren als loben. Das wird, das muss auch in Zukunft so bleiben.

Gerade in jüngster Zeit haben Journalisten auf beeindruckende Weise gezeigt, wie wichtig es ist, genau hinzuschauen. Die vertraulichen Unterlagen, die als „Panama Papers“ und als „Paradise Papers“ bekannt wurden, haben zum Beispiel weltweit Debatten ausgelöst über Briefkastenfirmen, über Steuerschlupflöcher, Steueroasen, Steuerdelikte und Steuermoral. Das ist der Arbeit hunderter Journalisten weltweit zu verdanken, die unvorstellbar große Datenmengen ausgewertet haben. Die „Implant Files“, die weltweit Lücken in der Kontrolle von Medizinprodukten aufdeckten, sind ein weiteres Beispiel dafür, zu welchen Leistungen Journalisten heute fähig sind – und wie bedeutend ihre Arbeit für die Allgemeinheit ist. Gerade weil viele Dinge in unserer digitalisierten, globalisierten Welt so undurchschaubar geworden sind, braucht es Profis, die genau hinschauen.

Probleme zu benennen reicht nicht aus. Leser erwarten konstruktive Kritik.

Aber: Missstände aufzudecken reicht nicht aus. Unsere Leser erwarten von uns verstärkt, dass wir nicht nur Probleme benennen, sondern auch Lösungswege aufzeigen. „Konstruktiver Journalismus“, nennt sich dieser Trend der – wie so manche Innovationen in unserer Branche – in Skandinavien entstanden ist. Der konstruktive Journalismus will verstärkt über positive Entwicklungen berichten, damit bei Lesern und Zuschauern eben kein einseitig negatives Weltbild entsteht, das wiederum Populisten mit ihren vermeintlich einfachen Lösungen den Weg bereiten könnte.

Konstruktiver Journalismus bedeutet nicht, dass diese Journalisten Probleme verharmlosen oder ignorieren und die Welt schönfärben. Aber sie gehen einen wichtigen Schritt weiter, indem sie auch aufzeigen, wie diese Probleme gelöst werden könnten. Sie gehen diese Probleme also konstruktiv an und initiieren im Idealfall Diskussionen darüber, wie es positiv weitergehen kann.

Dieser Ansatz ist sicherlich gut und richtig – aber auch schwierig. Es wäre von Journalisten zu viel verlangt, zu jedem Problem auch gleich eine Lösung parat zu haben. Journalisten sind ja nicht die besseren Politiker, Manager oder Funktionäre, auch wenn – zugegeben – manche von uns das zu glauben scheinen. Wenn konstruktiver Journalismus aber bedeutet, dass Reporter nicht nur Probleme benennen, sondern noch tiefer bohren und auch aktiv auf die Suche nach Lösungen gehen, wenn sie konstruktive Vorschläge unterbreiten und auf diese Weise fundierte, ergebnisoffene Debatten anstoßen und in ihren Foren ermöglichen, dann steigert das zweifellos den Wert und die Qualität von Journalismus.

6. Was in der Zeitung steht… ist leider nicht immer richtig

© Westdörp, Werner

Journalisten sind Menschen, und Menschen machen Fehler. Wenn Journalisten Fehler machen, steht das am nächsten Tag in der Zeitung – oder schon in der nächsten Minute im Internet. Es ist Kern und Sinn unseres Berufs, dass unsere Arbeit oder zumindest die Ergebnisse unserer Arbeit öffentlich sind. Dadurch stehen wir auch im Fokus der Öffentlichkeit, sind wir Kritik besonders stark ausgesetzt. Darüber dürfen wir uns nicht beschweren, im Gegenteil. Das Schlimmste, was uns passieren könnte, wäre ja, wenn unsere Arbeit nicht wahrgenommen würde und es den Lesern egal wäre, ob das, was ist der Zeitung steht, überhaupt richtig ist.

Journalisten unterlaufen manchmal haarsträubende Fehler. Sie als Leser sollten uns Journalisten daher niemals alles glauben. Die wichtigste Regel beim Konsumieren von Nachrichten lautet: Lassen Sie ihren eigenen gesunden Menschenverstand eingeschaltet – und benutzen Sie ihn bitte auch!

Ein Beispiel: Manche Journalisten tun sich schwer mit Zahlen. Das fängt bei der korrekten Umrechnung von Maßeinheiten an: Wieviel Kilogramm hat eigentlich ein Zentner? Wie groß ist noch mal ein Hektar? Wenn Ihnen Werte in der Zeitung viel zu groß oder zu klein vorkommen, rechnen Sie ruhig mal nach… Das gilt erst recht, wenn Journalisten Statistiken interpretieren, die sich ja häufig in ganz unterschiedliche Richtungen deuten lassen. Auch hier gilt: Nichts blind glauben, immer mitdenken.

Und wenn Ihnen Fehler auffallen: Weisen Sie den Journalisten bitte darauf hin! Wie leicht das heutzutage geht, habe ich ja vorhin beschrieben. Wenn Sie das dann sogar noch freundlich und ohne allzu oberlehrerhaften Ton tun, wird er Ihnen dafür dankbar sein und seinen Fehler schnellstmöglich korrigieren. Idealerweise korrigiert er ihn sogar so transparent, dass die Korrektur anschließend für jeden weiteren Leser als solche erkennbar ist.

Vorsicht ist auch immer dann geboten, wenn Journalisten mit einer Sensation oder einem Skandal aufwarten. Journalisten neigen zu Übertreibungen, insbesondere dann, wenn sie nicht in erster Linie für langjährige Abonnenten schreiben, sondern ihre Story auf dem Boulevard oder im Internet zu Markte getragen wird. Natürlich: Es gibt Skandale und es gibt Sensationen, und Journalisten dürfen und sollen sie auch als solche benennen. Aber nicht jeder Skandal ist so skandalös, und nicht jede Sensation ist so sensationell, wie einzelne Medien sie darstellen.

Deshalb: Vergleichen Sie, bedienen Sie sich möglichst mehrerer unterschiedlicher Medien. Dann entwickeln Sie bald ein Gespür dafür, wem sie erfahrungsgemäß vertrauen können und bei wem Sie eher skeptisch sein sollten; wer seriös einordnet und wer für eine knackige Schlagzeile auf dem Titel gerne mal übers Ziel hinausschießt.

Ein solcher Vergleich ist, zugegeben, bei den vielen großen, überregionalen Medien einfacher als bei der Lokalzeitung, von der es in vielen Regionen nur eine einzige gibt.

Allerdings sind die lokalen Medien per se weniger anfällig für Übertreibungen, Dramatisierungen oder Verharmlosungen als die überregionalen. Das zeigt beispielhaft der „Fall Relotius“, von dem viele von Ihnen in den vergangenen Wochen sicherlich gehört haben. Claas-Hendrik Relotius ist ein junger Journalist, der für seine Reportagen in den vergangenen Jahren vielfach ausgezeichnet wurde. Er schrieb für die renommiertesten deutschen Zeitungen und Magazine und galt als einer der besten deutschsprachigen Reporter. Bis sein Arbeitgeber, „Der Spiegel“, im Dezember 2018 öffentlich machte, dass Relotius vor allem eines war: ein Betrüger. Seine preisgekrönten Reportagen waren über weite Strecken verfälscht, übertrieben, inszeniert oder gar schlichtweg erfunden.

In Lokalredaktionen wirkt die korrigierende Kraft der Nähe.

Ich behaupte: In einer Lokalredaktion kann das ebenfalls passieren, aber nicht in diesem Ausmaß und über einen so langen Zeitraum. Denn die Leser einer Lokalzeitung sind viel näher dran an den Themen und an den Protagonisten, über die berichtet wird. Wenn ein Journalist wie Claas Relotius oder der ebenfalls als Fälscher bekannt gewordene Tom Kummer ein Interview ganz oder in Teilen erfindet, dann fällt dies vielleicht niemandem auf, wenn der Interviewte irgendwo in Übersee lebt, während das Interview ausschließlich im deutschsprachigen Raum gelesen wird. Lebt und arbeitet der Interviewte jedoch in derselben Region wie die Leser, dann werden handwerkliche Fehler oder gar betrügerisches Vorgehen eines Journalisten viel eher bemerkt. Ich bin mir sicher: Legte ein Grafschafter Journalist einem Grafschafter Politiker ein erfundenes Zitat in den Mund, dann erführe die Redaktion das sehr schnell.

Das bedeutet nicht, dass Sie die Arbeit eines Lokalredakteurs nicht genauso kritisch hinterfragen sollten wie die aller anderen Journalisten. Aber es bedeutet, dass Sie bei Lokalzeitungen stärker auf die korrigierende Kraft der Nähe vertrauen können, die zwischen dem Berichterstatter, seinen Themen und seinen Lesern besteht.

Glaubwürdigkeit ist für Medien ein ganz wichtiges Gut. Glaubwürdigkeit unterscheidet sie von vielen anderen Akteuren vor allem in digitalen Netzwerken, die dort Allerlei völlig ungeprüft als angebliche Fakten veröffentlichen. Deshalb sind Fehler ärgerlich und Betrügereien existenzgefährdend für einen Journalismus, der letztlich darauf angewiesen ist, dass Menschen ihm vertrauen.

7. Was in der Zeitung steht… sind keine „Fake News“

© Westdörp, Werner

Die Medien verstehen sich als „Vierte Gewalt“, und einige bereits genannte Beispiele wie die „Panama Papers“ und die „Paradise Papers“ zeigen, dass Journalisten dieser Rolle durchaus gerecht werden – und dass sie gerade in Zeiten immer komplexer werdender Netzwerke und weltweit agierender Konzerne dringend als Anwälte der Bevölkerung, als Hüter der Demokratie gebraucht werden.

Aber: So werden Journalisten nicht von allen wahrgenommen. Im Gegenteil: Sie gelten ausgerechnet in dieser Zeit manchen als Vertreter des „Systems“, als „Systempresse“, als „Lügenpresse“, als manipuliert und manipulierend.

Ausgerechnet diejenigen, die aus Eigeninteresse ganz unverhohlen die Unwahrheit sagen, werfen den Medien, die diese Unwahrheiten aufdecken, vor, sie würden „Fake News“ verbreiten – und stellen dem ihre eigenen sogenannten „alternativen Fakten“ entgegen, die oft nichts anderes sind als die nächsten dreisten Lügen.

Plötzlich glauben viele nicht mehr den Medien, die Politiker oder Wirtschaftsbosse kontrollieren und öffentlich kritisieren. Sondern sie stimmen im Gegenteil ein in eine teilweise hasserfüllte Medienschelte, für die Politiker vom US-amerikanischen Präsidenten bis zu AfD-Kreisvorsitzenden offene Ohren finden. Diejenigen, die Macht haben oder nach Macht streben, haben es sehr erfolgreich geschafft, diejenigen zu diskreditieren, die Macht kontrollieren und beschränken.

Wie konnte das geschehen? Ein wesentlicher Grund für den Vertrauensverlust ist zweifellos, dass Populisten gezielt „Medien-Bashing“ betreiben – und dank neuer, digitaler Kanäle damit viel mehr Menschen ungefiltert erreichen, als ihnen dies noch vor wenigen Jahren möglich gewesen wäre. Sie tun dies, um eigene Ziele zu befördern und zugleich Kritik am eigenen Verhalten zu unterbinden. Putin mit seinen russischen Troll-Fabriken und Trump mit unverhohlenen Lügen auf Twitter machen es vor, Pegida, AfD und andere eifern ihnen in Deutschland nach. Das sorgt für Verunsicherung, für Misstrauen, Spaltung und Hass.

Aber es wäre falsch und viel zu einfach, den Grund für den Vertrauensverlust der Medien allein bei Trump, Putin & Co. zu suchen. Auch wir selbst, wir Journalisten haben ihnen den Boden bereitet, haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sie ein bereits latent vorhandenes Misstrauen so erfolgreich für ihre populistischen Kampagnen nutzen konnten. Viele von uns hatten es sich tatsächlich zu bequem gemacht, haben sich zu stark der „Obrigkeit“ angenähert, haben viel zu wenig die Perspektive der Bürger eingenommen, deren Anwalt wir doch sein sollen und wollen.

In Leserbefragungen wird uns „Verlautbarungsjournalismus“ und „Hofberichterstattung“ vorgeworfen. Einen Journalisten trifft solch ein Vorwurf mitten in der Berufsehre. Der erste Reflex ist daher häufig, ihn empört von sich zu weisen. Es hat etwas gedauert, bis bei uns die Erkenntnis reifte, dass unsere Leser Recht haben. Die Vorwürfe mögen zugespitzt, überzogen und dadurch vielfach ungerecht sein. Aber im Kern sind sie treffend. Wir haben zu viel mit Bürgermeistern, Fraktionsvorsitzenden, Behördenleitern und Geschäftsführern, kurz: mit Entscheidern gesprochen. Und zu wenig mit den Menschen, die deren Entscheidungen betreffen. Wir, die Medien insgesamt, waren tatsächlich mehr und mehr zu einem Teil des „Systems“ geworden, statt uns als kritische Beobachter und Kontrolleure desselben zu positionieren.

Was können wir dagegen tun? Als Profis in den Redaktionen müssen wir weiterhin gründlich und gewissenhaft arbeiten, müssen unsere Arbeit aber auch auf den Prüfstand stellen, dürfen Kritik nicht vorschnell als unberechtigt abtun, müssen aus Fehlern – die zweifellos passieren – lernen. Vor allem aber müssen wir Kurs halten und auch unter Druck unsere Unabhängigkeit wahren.

Stimmt das überhaupt? Faktenchecks stärken das Vertrauen in die Medien.

Ein Beispiel dafür, wie sich die Arbeit von Journalisten durch den Druck, ihre Glaubwürdigkeit stärker untermauern zu müssen, verändert hat, sind „Faktenchecks“, wie wir sie seit einigen Monaten auch in den GN und auf GN-Online veröffentlichen. Ist Krebs wirklich in zehn bis 20 Jahren besiegbar, wie der Bundesgesundheitsminister voraussagt? Sind deutsche Autobahnen tatsächlich die sichersten Straßen, wie der Bundesverkehrsminister behauptet? Und was ist dran an der Beschwichtigung, dass die Klimawirkung von CO2 gar nicht bewiesen sei? Solchen Behauptungen, die öffentlich verbreitet werden, gehen Journalisten vermehrt nach.

Ihre Faktenchecks sind also streng genommen Behauptungs-Checks: „Stimmt das?“ oder „Ist das wirklich so?“ Mit diesen grundlegenden Fragen überprüfen Journalisten aktuelle, gesellschaftlich relevante Behauptungen. Wichtig ist dabei, dass sie diese nicht nur überprüfen, indem sie Fakten zusammentragen und bewerten. Sondern sie legen ganz bewusst und dezidiert auch ihre Recherchen offen, nennen und verlinken zum Beispiel alle Quellen.

Die Deutsche Presseagentur (dpa) hat zum Beispiel eine solche Rubrik eingerichtet. Sie begründet das so: „Die Faktenchecks sollen es […] den Leserinnen und Lesern ermöglichen, sich auch bei komplexen Themen eine eigene, auf Fakten gestützte Meinung zu bilden. Im Idealfall können die Leser damit unbegründete Vorurteile oder in die Irre führende Manipulationen hinterfragen und letztlich widerlegen. Es ist zudem ein Ziel der dpa, durch Faktenchecks die Leserinnen und Leser mit Recherche-Techniken im digitalen Zeitalter vertraut zu machen.“ Mündige Leser sollen also verstehen, wie Journalisten arbeiten, und so Vertrauen in deren Arbeit gewinnen.

Ich hoffe, dass auch mein heutiger Vortrag – und gerne eine nun anschließende Diskussion – dazu beitragen: dass Sie verstehen, wie wir Journalisten arbeiten, und so Vertrauen in unsere Arbeit gewinnen.

Hintergrund

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bad Bentheim soll nach eigener Darstellung „den in ihr vertretenen Gemeinden und Gemeinschaften zu einem besseren gegenseitigen Verstehen und zu einer tiefen und sichtbaren Einheit verhelfen“. Ihr gehören folgende Gemeinden an: evangelisch-altreformierte Kirchengemeinde Bad Bentheim, evangelisch-lutherische Kirchengemeinde, evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Bentheim, evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Gildehaus und katholische Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer in Bad Bentheim.

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen „regt das gemeinsame theologische Nachdenken an und gestaltet insbesondere ökumenische Gottesdienste. Sie fördert u.a. Gespräch und Aktionen zu gesellschaftspolitischen und sozialethischen Fragen z.B. durch das jährlich stattfindende Ökumenische Seminar.“

„Mensch, wie redest du mit mir - vom Geschrei zum Dialog“ lautet das Oberthema des Ökumenischen Seminars 2019. Die Teilnehmer sollen am Beispiel von Kommunikationsmodellen Missverständnisse, Störungen und Kommunikationsprobleme verstehen und analysieren können. Sie sollen daran unterschiedliches Sprachverhalten verstehen lernen.

Im Zentrum steht dabei die Fähigkeit, Menschen in einer empathischen Grundhaltung zu begegnen, um selbst in herausfordernden Situationen konstruktiv im Gespräch zu bleiben, sowie einen achtsamen Umgang mit sich und anderen zu pflegen.

  • 7. Februar: „Wahrhaftigkeit als christliche Lebensform. Wahrheit und Lüge“. Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Beintker.
  • 14. Februar: „Flüstern, reden, rufen, brüllen. Kommunikation zwischen Empathie und Gewalt.“ Vortrag von Pastor Rolf C. Wangemann.
  • 21. Februar: Konzert „2Flügel: Kopfkino - Lichterspiele für die Seele“ mit Christina Brudereck und Ben Seipel.
  • 28. Februar: „Was in der Zeitung steht... Zwischen Information und Fake News“. Vortrag des stellv. GN-Chefredakteurs Steffen Burkert.

Fotos: Werner Westdörp