Tourismuspreis geht ans Vechtekind – „Mutpreis“ für Sylvia van Aans

Tourismuspreis geht ans Vechtekind – „Mutpreis“ für Sylvia van Aans

Auszeichnung

Der erste Grafschafter Tourismuspreis geht an Anja Glöckner aus Nordhorn. Die 37-Jährige hat sich als „Vechtekind“ einen Namen gemacht. Unter diesem Titel veröffentlicht sie seit 2019 Ausflugstipps für Familien. Die Jury vergab zudem einen „Sonderpreis für besonderen Mut während der Corona-Pandemie“. Dieser geht an Sylvia van Aans, Betreiberin des Cafés am Mühlenteich in Wilsum und des Hotel-Restaurants Haus Brünemann in Neuenhaus.

Der Grafschafter Tourismuspreis wird in diesem Jahr erstmals vergeben, die Jury konnte aus 13 Vorschlägen auswählen. Landrat Uwe Fietzek zeichnete die Gewinnerinnen am Dienstagvormittag im Nino-Hochbau in Nordhorn mit einer Urkunde und einem Marketingpaket aus. Den Rahmen bildete die Mitgliederversammlung des Vereins Grafschaft Bentheim Tourismus, der den Preis ausgelobt hatte.

Anja Glöckner

Anja Glöckner unterwegs als „Vechtekind“. Foto: privat

Anja Glöckner unterwegs als „Vechtekind“. Foto: privat

Anja Glöckner ist eine waschechte Nordhornerin. Sie ist verheiratet und Mutter einer sechs- und einer elfjährigen Tochter. Warum sie 2019 den bereits in kleinerem Rahmen bestehenden Blog „Vechtekind“ ehrenamtlich übernahm und ausbaute, erklärt sie so: „Ich hatte immer schon vor, etwas für Familien zu machen, weil ich es total schade finde, dass es das in der Grafschaft nirgends gebündelt gibt. Es hat mich einfach gestört, dass man sich die Infos aktiv suchen muss.“ Also nahm sie es selbst in die Hand, erkundet seitdem gemeinsam mit ihrer Familie interessante Ziele in der Grafschaft und Umgebung und berichtet darüber. Ihr Motto: „Schuhe an, los geht’s!“

Und das mit großem Erfolg: Auf Instagram folgen ihr bereits knapp 4000 Personen, auf Facebook sind es rund 2800. „Das Vechtekind ist voll der Corona-Gewinner“, sagt die 37-Jährige rückblickend. Sie selbst hatte in Phasen der Kurzarbeit mehr Zeit für ihr ehrenamtliches Engagement, und der Bedarf an Freizeitmöglichkeiten im Freien war groß. Insbesondere junge Familien waren, als viele Einrichtungen geschlossen bleiben mussten, auf der Suche nach Abwechslung für ihre Jüngsten.

„Mein Ziel war und ist es, den Kindern schöne Erinnerungen zu verschaffen“, bringt Anja Glöckner ihre Motivation auf den Punkt. Das müsse nicht teuer sein, und dafür müsse man auch nicht weit reisen, ist die zweifache Mutter überzeugt. „Viele wissen gar nicht, was es hier in der Grafschaft Tolles direkt vor der Haustür gibt“, schwärmt sie für ihre Heimat.

Anja Glöckner aus Nordhorn gibt in ihrem Blog "Vechtekind" Ausflugstipps für Familien. Dafür wird sie mit dem ersten Grafschafter Tourismuspreis ausgezeichnet. In diesem Video stellt sie sich vor.

Viele wissen gar nicht, was es hier in der Grafschaft Tolles direkt vor der Haustür gibt.
Anja Glöckner

Beruflich arbeitet Anja Glöckner als Mediaberaterin bei den Grafschafter Nachrichten. Ihren Blog „Vechtekind“ betreibt sie jedoch privat in ihrer Freizeit. Gleichwohl veröffentlicht die GN-Redaktion seit Herbst 2021 einmal wöchentlich einen ihrer Ausflugstipps sowohl in der gedruckten Zeitung als auch auf GN-Online. Rund 30 Beiträge sind hier seitdem erschienen.

„Dieses außergewöhnliche Engagement unserer Preisträgerin, die ihren Blog unentgeltlich betreibt, hat die Jury vollends überzeugt“, lobte Landrat Uwe Fietzek bei der Preisverleihung am Dienstag. Anja Glöckner war unabhängig voneinander gleich dreimal für die Auszeichnung vorgeschlagen worden – und die Jury kürte sie ohne Gegenstimme zur Siegerin.

Sylvia van Aans

Sylvia van Aans betreibt unter anderem das Haus Brünemann in Neuenhaus. Foto: Burkert

Sylvia van Aans betreibt unter anderem das Haus Brünemann in Neuenhaus. Foto: Burkert

Sylvia van Aans beeindruckte die Jury allerdings ebenfalls sehr. Die erfahrene Gastronomin hatte im März 2020 das Café am Mühlenteich wieder für Gäste in ihrer Heimat Wilsum zugänglich gemacht. „Ich bin überrannt worden mit Reservierungen“, denkt die 49-Jährige an diese Zeit zurück. Doch auf kostenintensive Renovierungsarbeiten folgten nur zwei Wochen nach der Eröffnung bereits massive Einschränkungen und letztlich die komplette Schließung – wegen der Corona-Pandemie. Eine harte Zeit, denn: „Ich hatte investiert, und als Gründerin bekam ich im ersten Jahr keinerlei finanzielle Unterstützung.“

Wichtige Mitarbeiter, auf die sie gesetzt hatte, suchten sich notgedrungen andere Arbeit. Um zumindest ein Kern-Team halten zu können, entschloss sich Sylvia van Aans in dieser Situation zu einem mutigen Schritt: Sie übernahm mit dem Haus Brünemann in Neuenhaus einen zweiten gastronomischen Betrieb. „Das war der Mut der Verzweiflung“, gibt sie zu, „damit wir perspektivisch mal wieder Geld verdienen können.“ Denn während im Café am Mühlenteich keinerlei Veranstaltungen als zentrale Einnahmequelle mehr möglich waren, bot ihr das Haus am Mühlenkolk dank größerer Küche und klarer Ausrichtung als À-la-carte-Restaurant die Hoffnung, hier im Frühjahr 2021 wieder durchstarten zu können – was sich aber aufgrund der Pandemie dann doch hinauszögerte.

Haus Brünemann auch noch zu übernehmen, war der Mut der Verzweiflung.
Sylvia van Aans

Immerhin: Das Restaurant startete im Dezember 2020 mit Essen zum Mitnehmen an den Wochenenden und Menüs „to go“ für die Weihnachtstage und Silvester. Im April 2021 wurde nach Renovierungsarbeiten das Hotel und im Juli 2021 schließlich das Restaurant mit dem Konzept einer Kombination von hochwertiger Küche und ebenso hochwertigen Weinen eröffnet. Und das Wilsumer Café fungiert seit April 2022 mit neuem Konzept als „Veranstaltungshaus“.

Weil Sylvia van Aans „nie aufgegeben und trotz Lockdowns, Planungsunsicherheiten und Kurzarbeit neue Ideen entwickelt“ habe, bedachte die Jury sie mit einem Sonderpreis, der diesen außergewöhnlichen Mut würdigen soll.


Der Preis

„Die Grafschafter Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe haben insbesondere während der Pandemie nicht aufgegeben und mit kreativen Ideen versucht, ihre Kunden zu binden und zufrieden zu stellen“, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Kiehl am Dienstag während der Mitgliederversammlung des Grafschaft Bentheim Tourismus e.V. Um die besonderen Leistungen von Tourismusakteuren in der Pandemie zu würdigen, lobte der Verein auf Vorschlag des Nordhorner Bürgermeisters Thomas Berling in diesem Jahr erstmalig einen Tourismuspreis aus.

„Mit dem Preis sollen Personen oder Einrichtungen geehrt werden, die während der Corona-Pandemie durch ihr Engagement den Tourismus in der Grafschaft vorangebracht und eine Vorbildfunktion für andere im Grafschafter Tourismus Tätige haben“, erläuterte Kiehl. „Der Preis ist kein Innovationspreis und keine Auszeichnung für touristische Angebote oder Lebenswerke, sondern soll der erfolgreichen Arbeit einzelner Akteure oder Institutionen für den Tourismus in der Grafschaft während der Corona-Pandemie Rechnung tragen.“

Die Jury

Zur Jury zählten neben dem Vorstandsvorsitzenden des Grafschaft Bentheim Tourismus e.V., Dr. Michael Kiehl, und Geschäftsführerin Ruth Jansen-Diekel auch der Nordhorner Bürgermeister Thomas Berling, die Geschäftsführerin der Tourismusgesellschaft Osnabrücker Land, Petra Rosenbach, sowie Steffen Burkert, Chefredakteur Digital der Grafschafter Nachrichten.