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02.01.2019, 17:49 Uhr

„Rücken“ bleibt Hauptproblem bei den Grafschaftern

Der Krankenstand in der Grafschaft ist im vergangenen Jahr gesunken. Die Ausfalltage nahmen um 0,3 Prozentpunkte ab. Mit 4,0 Prozent gab es in der Region einen niedrigeren Krankenstand als im Landesdurchschnitt.

„Rücken“ bleibt Hauptproblem bei den Grafschaftern

Volkskrankheit mit Folgen: Die Grafik zeigt die Auswirkungen von Rückenschmerzen. Foto: dpa

Nordhorn Die aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit für die Region Grafschaft Bentheim zeigt die wichtigsten Veränderungen bei der Zahl und Dauer der Krankschreibungen: Die Fehltage bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen, zu denen Rückenschmerzen zählen, sanken um drei Prozent. Die Ausfallzeiten liegen leicht unter dem Landesdurchschnitt. Der Anteil am gesamten Krankenstand beträgt mittlerweile fast ein Viertel. Damit führt die Diagnose die Liste der Krankheitsursachen in der Region an. Die Fehltage aufgrund von Verletzungen nahmen um 24 Prozent ab und landeten auf dem zweiten Platz im Ranking der wichtigsten Krankheitsursachen.

Weniger Depression und Angstzustände

Bei den Ausfalltagen wegen psychischer Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen war ein Rückgang von 18 Prozent zu verzeichnen. Sie kamen auf den dritten Platz und liegen weit unter dem Landesdurchschnitt. An vierter Stelle folgten Fehltage aufgrund von Atemwegserkrankungen wie Bronchitis und Sinusitis. Die Ausfalltage stiegen um mehr als ein Drittel.

Trotz Prävention keine Verbesserung

Die DAK-Gesundheit in Nordhorn untersucht in ihrem aktuellen Gesundheitsreport mit dem Schwerpunkt „Rätsel Rücken – warum leiden so viele Niedersachsen unter Schmerzen?“ auch, wie verbreitet Rückenleiden bei den Arbeitnehmern im Norden sind. Die Kasse wirft dabei einen Blick auf Ursachen und Risikofaktoren. Für das Schwerpunkthema wertete das IGES-Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Niedersachsen aus. Es wurden zudem bundesweit mehr als 5000 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt und zahlreiche Experten eingebunden.

Das Fazit: Trotz Prävention und zahlreicher Gesundheitskurse leiden in Niedersachsen rund 2,9 Millionen Erwerbstätige unter Rückenschmerzen. Nach Ergebnissen der Umfrage hatten 75 Prozent aller Beschäftigten im vergangenen Jahr „Rücken“. Fast jeder Dritte hat aktuell Beschwerden. Auf 100 Erwerbstätige in Niedersachsen entfielen 90 Fehltage wegen Rückenschmerzen.

Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt sind es mit rund 87 Tagen etwas weniger. In der Grafschaft Bentheim war die Zahl der Ausfalltage mit rund 91 etwas höher als im Landesschnitt. Die durchschnittliche Dauer je Krankschreibung lag mit 12,4 Tagen minimal über dem Landesdurchschnitt (12,2 Tage). „Leider zeigt sich auch bei uns in der Region, dass es trotz eines verstärkten Engagements im Betrieblichen Gesundheitsmanagement noch keine signifikante Verbesserung gibt“, so Heinz-Gerd Evers. „Deshalb müssen wir gemeinsam mit Unternehmen das individuelle Arbeitsumfeld noch rückenfreundlicher gestalten.“

Haupt-Risikofaktoren: Druck und Körperhaltung

Die große Mehrheit in Niedersachsen meldet sich mit Rückenschmerzen allerdings nicht krank. 84 Prozent gehen mit Schmerzen zur Arbeit. Die Wahrscheinlichkeit, sich wegen der Rückenschmerzen krank zu melden, steigt jedoch mit der Stärke der empfundenen Schmerzen und dem Chronifizierungsgrad. Entscheidend ist auch, ob Beschäftigte häufig in unbequemer Körperhaltung arbeiten müssen, einem hohen Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt sind oder ihren Job mit wenig Freude erledigen. All diese Faktoren machen eine Krankmeldung wahrscheinlicher.

Der DAK-Report zeigt, unter welchen Beschwerden Betroffene in Niedersachsen konkret leiden: So schmerzt bei 78 Prozent die Lendenwirbelsäule.
30 Prozent haben Probleme mit dem Nacken. Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) gibt Schmerzen an mehreren Bereichen der Wirbelsäule an. Zehn Prozent der Rückenschmerz-Geplagten hat dabei starke bis sehr starke Schmerzen.

Mehrheit geht nicht zum Arzt

Die große Mehrheit der Niedersachsen versucht, zunächst allein mit den Schmerzen zurechtzukommen. Nur etwa jeder dritte Betroffene (34 Prozent) war laut eigenen Angaben im vergangenen Jahr wegen seiner Rückenbeschwerden beim Arzt. Von diesen suchten rund 78 Prozent bei einem einzigen Mediziner Hilfe. 17 Prozent konsultierten zwei, vier Prozent drei Ärzte wegen ihrer Beschwerden. Gefragt nach der konkreten Rückenschmerz-Behandlung gaben 45 Prozent der Betroffenen an, eine Physiotherapie bekommen zu haben. Weit mehr als jeder Dritte (40 Prozent) erhielt Schmerzmittel, 39 Prozent bekamen eine Krankschreibung. Bei 36 Prozent der Befragten wurden ein CT oder ein MRT des Rückens gemacht. Der Zusammenhang von Stress und Rückenschmerzen wurde in den Praxen kaum thematisiert. „Da sich Stress und psychische Belastungen stark auf die Rückengesundheit auswirken können, sollte dieser Aspekt stärker bei Diagnose und Behandlung berücksichtigt werden“, fordert Evers.

Internet:
www.dak.de/ruecken

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