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 ist in der Grafschaft auf dem Vormarsch

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Der Rotavirus unter dem Elektronen-Mikroskop. Die Erkrankung ist meldepflichtig, weil sie vor allem wegen des massiven Flüssigkeitsverlusts für Säuglinge und Kleinkinder lebensgefährlich sein kann. Foto: Bryon Skinner/dpa

Rotavirus ist in der Grafschaft auf dem Vormarsch

Infektionen mit dem für Kinder und Senioren gefährlichen Erreger nehmen zu

In Niedersachsen haben die Meldungen von Rotavirus-Infektionen an das Robert Koch-Institut (RKI) stark zugenommen. Auch im Landkreis Grafschaft Bentheim wurde der Vorjahreswert der Infektionen mit dem für Kinder und Senioren gefährlichen Krankheitserreger bereits überschritten. Das berichtet die „IKK classic“. Die Krankenkasse hat die aktuelle Statistik des Bundesinstituts für Infektionskrankheiten ausgewertet. Demnach wurden bis Ende der 25. Kalenderwoche (bis 23. Juni) landesweit fast 3000 Infektionen (2964) gezählt. Das sind mehr als doppelt so viele, wie im gesamten Jahr 2018 (1377).

„Im Landkreis Grafschaft Bentheim wurde die meldepflichtige Krankheit in diesem Jahr bisher bereits bei 30 Patienten diagnostiziert“ (bis zur Kalenderwoche 52), berichtet Uwe Kuhlmann, Regionalgeschäftsführer der „IKK classic“ in Hameln. „Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es nur 20.“ Im gesamten Jahr 2018 wurden im Landkreis 23 Infektionen gezählt.

Einen eindeutigen Grund für die Entwicklung konnte die Krankenkasse nicht nennen. Die Zunahme von Infektionen mit dem Rotavirus ist laut IKK in fast allen niedersächsischen Landkreisen und kreisfreien Städten zu beobachten. Einzige Ausnahmen seien die Städte Oldenburg und Osnabrück sowie der Landkreis Osterholz.

Außer in Sachsen und Thüringen hat die Infektionsrate in allen Bundesländern zugenommen. Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits über 30.000 Infektionen (30.476) beim RKI gemeldet, fast 7000 Meldungen mehr als 2018 mit insgesamt (23.602). „Die Zahlen schwanken zwar von Jahr zu Jahr stark“, sagt Kuhlmann: „Die Steigerung in diesem Jahr ist aber ungewöhnlich, vor allem in Niedersachsen.“ So dramatisch wie hier sei der Anstieg nur noch in Brandenburg und Berlin.

Rotaviren lösen starken Brechdurchfall aus. Harmlos ist eine Ansteckung aber nicht. Die Erkrankung ist meldepflichtig, weil sie vor allem wegen des massiven Flüssigkeitsverlusts für Säuglinge und Kleinkinder lebensgefährlich sein kann. Erbrechen und Durchfall setzen plötzlich und heftig ein, auch Bauchkrämpfe und Fieber können auftreten. Bei Erwachsenen verläuft die Erkrankung meistens milder und ist nur für chronisch Kranke und ältere Menschen riskant.

Die Übertragung der hoch ansteckenden Viren erfolgt hauptsächlich durch Schmierinfektion (fäkal-oral). Winzige Mengen reichen dafür aus. Nach ein bis drei Tagen setzen die Symptome ein. „Vor einer Ansteckung kann man sich kaum schützen“, sagt „IKK classic“-Regionalgeschäftsführer Uwe Kuhlmann: „Die wichtigste Vorsorge ist konsequente Hygiene.“ Deshalb rät die IKK, häufig die Hände gründlich zu waschen und den WC-Sitz vor Gebrauch zu desinfizieren – vor allem bei Gemeinschaftstoiletten.

Eine Impfung gegen Rotaviren gibt es seit einigen Jahren. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Schluckimpfung für alle Säuglinge unter sechs Monaten. Sie sollte möglichst bis zum Alter von zwölf Wochen begonnen werden. Je nach Impfstoff sind zwei oder drei Impfstoffdosen in einem Mindestabstand von vier Wochen notwendig.