19.05.2020, 15:12 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Polizei: Weniger Straftaten aber mehr Sexualdelikte

Die Zahl der Straftaten im Bereich des Polizeikommissariats Nordhorn ist 2019 weiter gesunken. Mit 7381 Fällen gab es sogar die wenigsten Fälle seit dem Jahr 1991. Laut Polizei erschreckend: der enorme Anstieg um 75 Prozent bei den Sexualstraftaten.

Ein Kriminialbeamter, ein sogenannter „Cyber-Cop“, sitzt in seinem Büro vor seinen Bildschirmen, auf denen fast nackte minderjährige Mädchen zu sehen sind. Das Polizeikomissariat Nordhorn hat mehr Fälle zur Verbreitung von pornografischen Schriften aufgenommen. Symbolfoto: Peter Kneffel/dpa

Ein Kriminialbeamter, ein sogenannter „Cyber-Cop“, sitzt in seinem Büro vor seinen Bildschirmen, auf denen fast nackte minderjährige Mädchen zu sehen sind. Das Polizeikomissariat Nordhorn hat mehr Fälle zur Verbreitung von pornografischen Schriften aufgenommen. Symbolfoto: Peter Kneffel/dpa

Nordhorn 7381 Straftaten hat es nach Angaben des Polizeikommissariats Nordhorn im vergangenen Jahr in der Grafschaft Bentheim gegeben. Das ist der niedrigste Wert seit 1991. Ein Erfolg sei auch die Aufklärungsquote von 64,52 Prozent, die den zweithöchsten Wert seit mehr als 20 Jahren darstelle und somit den landesweiten Durchschnitt überschreite, heißt es. Erschreckend hoch ist allerdings der Anstieg um 75 Prozent bei den Sexualstraftaten. 154 Taten sind der Polizei aus 2019 bekannt. Kommissariatsleiterin Dr. Hannah Timmer berichtet am Dienstag in einer Pressemitteilung über eine Zunahme der sexuellen Belästigungen sowie der vermehrten Verbreitung pornografischer Schriften.

Gewalt gegenüber Polizisten nimmt zu

Leicht zurückgegangen ist hingegen die Zahl der sogenannten Rohheitsdelikte in der Grafschaft, hierzu zählen zum Beispiel Raub und Körperverletzung. Insgesamt zählt das Nordhorner Polizeikommissariat 990 solcher Fälle, 2018 waren es noch 30 Taten mehr. Den größten Anteil bildeten die Körperverletzungen mit 745 Fällen. 90 Prozent dieser Taten habe die Polizei aufklären können. „Von den 815 ermittelten Tatverdächtigen waren 84 Prozent männlich, 25 Prozent der Personen waren alkoholisiert. 14 Prozent der Tatverdächtigen waren minderjährig“, berichtet die Polizei in der Pressemitteilung. Sorge bereite, dass immer mehr Polizeibeamte Opfer von Gewalt werden: „Waren es im Zuständigkeitsbereich Nordhorn im Jahr 2018 38 Taten, so stiegen die Fälle im vergangenen Jahr um 12 Taten an.“

Fälle von häuslicher Gewalt

Die bekannt gewordenen Fälle häuslicher Gewalt sind im vergangenen Jahr leicht gesunken. Den Beamten in Nordhorn wurden 234 Straftaten bekannt, 50 weniger als im Vorjahr. „Mir liegt das Thema häusliche Gewalt sehr am Herzen. Ich weiß, dass die Hemmschwelle, sich der Polizei anzuvertrauen, oftmals sehr hoch ist. Dennoch möchte ich ganz ausdrücklich dazu ermutigen. Die Polizei Nordhorn ist Teil eines starken Netzwerkes in der Grafschaft Bentheim. Die beteiligten Institutionen klären dabei umfassend auf und bieten den Opfern intensive Hilfestellungen“, macht Timmer deutlich.

Weniger Diebstähle und Einbrüche

Erfreulicherweise werde auch weniger gestohlen. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete die Polizei einen Rückgang um 7,4 Prozent. Neben den Diebstählen zählen Einbrüche ebenso dazu. Waren es 2018 noch 125 Einbrüche, wurden 2019 104 Taten registriert. „In 40 Prozent der Fälle blieb es bei einem Versuch“, sagt Timmer: „An dieser Stelle sollte jedoch noch keine Entwarnung gegeben werden. Bereits kleine und kostengünstige Maßnahmen reichen aus, um seine eigenen vier Wände vor Einbrechern effektiv zu schützen.“ Auch im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität sei im Vergleich zum Vorjahr ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Fälle von Sachbeschädigungen, Beleidigungen und Hausfriedenbrüche stiegen hingegen an.

405 Täter standen unter Alkoholeinfluss

Bei den angezeigten Straftaten wurden im vergangenen Jahr insgesamt 3705 Tatverdächtige ermittelt. Unter ihnen 128 Kinder, 340 Jugendliche und 419 Heranwachsende. 2993 Tatverdächtige waren männlich. 405 der Täter standen unter Alkoholeinfluss. „Wir leben in der Grafschaft Bentheim vergleichsweise sicher“, findet Timmer. Einen Rat gibt sie den Grafschaftern dennoch an die Hand: „Bewahren Sie sich eine gesunde Portion Misstrauen gegenüber Menschen, die Sie nicht kennen. Sei es am Telefon oder an der Haustür. So können wir viele Taten weiter eindämmen“. lf

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