22.04.2020, 09:05 Uhr / Lesedauer: ca. 2min

Polizei rechnet mit mehr Gewalt an Kindern in Corona-Krise

Polizei und Kommunen bitten um aufmerksames Handeln bei Verdachtsfällen von Gewalt an Kindern. Die Polizei geht davon aus, dass mit dem Anstieg häuslicher Gewalt auch die Misshandlung von Kindern steigt.

Die Polizei geht von mehr Fällen von Gewalt an Kindern aufgrund der Corona-Maßnahmen aus. Symbolfoto: Britta Pedersen/dpa

Die Polizei geht von mehr Fällen von Gewalt an Kindern aufgrund der Corona-Maßnahmen aus. Symbolfoto: Britta Pedersen/dpa

Nordhorn/Lingen „Es ist eine außergewöhnliche Zeit. Mehrere Wochen mit erheblichen Einschränkungen liegen aufgrund der Corona-Pandemie hinter uns“, teilt die Polizei mit. Das öffentliche Leben kehre „in bedachten und langsamen Schritten zurück“. In der vergangenen Zeit sei der Familie eine besondere Bedeutung zugekommen und stelle die Betroffenen zum Teil vor große Herausforderungen. Schulen und Kindergärten sind teils komplett geschlossen. Eltern betreuen ihre Kinder zu Hause. „Dies teilweise auf engem Raum, gepaart mit finanziellen Ängsten und der Sorge diese Ausnahmesituation möglichst unbeschadet zu überstehen, lässt Betroffene an ihre Grenzen stoßen“, heißt es in der Mitteilung.

Häusliche Gewalt gestiegen?

Dieses Konglomerat könne laut Polizei unter Umständen zu einer Überforderung führen, welche sich in einzelnen Fällen in der Ausübung von Gewalt in ihren unterschiedlichsten Formen äußert.

Die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim hat bereits einen geringen Anstieg der häuslichen Gewalt festgestellt. Obwohl der Missbrauch und die Misshandlung von Kindern zwar keinen offiziell messbaren Anstieg zeigen, gehen Polizei und die zuständigen Ämter daher von einer zunehmenden Dunkelziffer aus.

Zeugen sollen aufmerksam sein

Ein sensibles Thema, welches laut Polizei ein gesamtgesellschaftliches Phänomen darstellt und die Zivilcourage eines jeden fordert. Mit den Lockerungen der Beschränkungen sei denkbar, dass sich sowohl Erwachsene als auch Kinder außerfamiliäre Vertrauenspersonen suchen, sich ihnen anvertrauen und von Gewalt berichten.

Die Polizei bittet insbesondere Zeugen aufmerksam zu sein. Betroffene zeigen oftmals Signale von Missbrauch und Gewalt. „Den Aussagen von Kindern sollte Vertrauen geschenkt werden, selten erfinden sie eine an ihnen begangene Straftat“, so die Einschätzung der Polizei. Betroffene, insbesondere Kinder, bräuchten Unterstützung und Hilfe von geeigneten Institutionen und ihren geschulten Mitarbeitern.

Welche Beratungsstellen gibt es?

Hilfe und Rat bieten dabei unter anderem die Beratungsstellen Logo des Deutschen Kinderschutzbundes für den Lingener Bereich sowie speziell im Bereich sexuelle Gewalt die Beratungsstelle Hobbit des Eylarduswerk in Nordhorn. Darüber hinaus stehen die Jugendämter, die Beratungs-und Interventionsstellen in Lingen, Meppen, Esterwegen und Nordhorn sowie die Opferhilfeeinrichtungen und die Polizei als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung.

  • Drucken
  • Kommentare 0
  • rating rating rating rating rating
Copyright © Grafschafter Nachrichten - Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.
Corona-Virus