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03.04.2020, 15:29 Uhr / Lesedauer: ca. 4min

Polizei: 2019 mehr tödliche Verkehrsunfälle

Die Polizei hat die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2019 veröffentlicht. Die Bilanz fällt nicht positiv aus: Es gibt mehr Verkehrstote, mehr Unfälle unter Alkoholeinfluss und mehr Unfälle mit Pedelecs und E-Bikes.

9751 Unfälle hat die Polizei im Jahr 2019 aufgenommen. Symbolfoto: J. Lüken

9751 Unfälle hat die Polizei im Jahr 2019 aufgenommen. Symbolfoto: J. Lüken

Lingen/Nordhorn Im Jahr 2019 gab es auf Grafschafter und emsländischen Straßen mehr Unfälle, mehr Verkehrstote und mehr Unfälle unter Alkoholeinfluss und mit Pedelecs und E-Bikes. Das geht aus der Unfallstatistik hervor, die die Polizei nun veröffentlicht hat. Demnach gab es insgesamt 9751 Unfälle, das sind 467, also fünf Prozent, mehr als noch im Vorjahr. Besorgniserregend sei dabei insbesondere die hohe Zahl der tödlich verletzten Verkehrsteilnehmer. 2019 sind 29 Menschen bei Unfällen gestorben. 2018 waren es noch 18. „Insbesondere aufgrund dieser bedenklich hohen Zahlen müssen wir den Unfallursachen weiter auf den Grund gehen und diesen vehement entgegenwirken“, meint Inspektionsleiterin Nicola Simon. Entgegen der Unfälle mit tödlichem Ausgang sank die Zahl derer mit schwer verletzten Personen um 55 auf insgesamt 423 Unfälle.

Ablenkung häufig Unfallursache

Wie bereits in 2018 waren auch im vergangenen Jahr Unachtsamkeit und Ablenkung die häufigsten Ursachen der schweren Unfälle. „Diese auch nach wie vor unterschätzte Gefahr ist im Vergleich deutlich überrepräsentiert und stellt nach wie vor eine große Herausforderung dar. Nur ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, lässt den Bremsweg erheblich anwachsen. Ein Unfall ist dann kaum noch vermeidbar“, macht der Leiter des Einsatzbereiches, Polizeioberrat Robert Raaz, deutlich. Vorfahrtsverletzungen und das Fahren unter Alkohol-, Drogen-, oder Medikamenteneinfluss führten laut Polizei verhältnismäßig oft zu schweren Unfällen. Es gab 17 Prozent mehr Unfälle unter Alkoholeinfluss im Gebiet der Polizeiinspektion, ausgenommen ist hierbei die Autobahn. Waren es im Jahr 2018 noch 194 Unfälle, so haben im Folgejahr 227 Autofahrer einen Unfall unter dem Einfluss von Alkohol verursacht. Auch die unangepasste Geschwindigkeit sei noch immer eine der Hauptunfallursachen und spiele neben den anderen Ursachen eine wesentliche Rolle. „Sie erhöht bei jedem Verkehrsunfall die Schwere der Verletzungen“, teilt die Polizei mit.

Unfälle auf den Autobahnen

Die Gesamtanzahl der Unfälle auf der A30 und A31 hat leicht abgenommen. Auch die Anzahl der Unfälle mit schwer-sowie leicht verletzten Verkehrsteilnehmern sank weiter, wohingegen die LKW-Unfälle mit verletzten Personen nach einer Abnahme in 2018 wieder zunahmen. Auf den Autobahnen kamen im Jahr 2019 drei Menschen ums Leben. Um auch an dieser Stelle handlungsfähig zu sein, appelliert die Inspektionsleiterin an die Auto- und Lastwagenfahrer auf den Autobahnen unserer Region: „Es ist von existenzieller Bedeutung bei einem Verkehrsunfall auf den Autobahnen schnellstmöglich an die jeweiligen Unfallstellen zu gelangen. Eine gut funktionierende Rettungsgasse rettet Leben. Diese Problematik werden wir im Auge behalten und mit den dafür vorgesehenen Bußgeldern konsequent ahnden.“

Unfälle mit Pedelec und E-Bike

Die Anzahl der Unfälle bei denen ein Fahrrad, ein Pedelec oder ein E-Bike involviert war, ist weiter angestiegen. „Hier ist ein Plus von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, von 812 auf 857 Unfällen, zu verzeichnen. Besonders beunruhigend ist hier die seit vielen Jahren kontinuierlich ansteigende Anzahl der schweren Pedelec-Unfälle“, berichtet die Polizei. Diese ist zum Vorjahr um 26,2 Prozent gestiegen. Bei Unfällen mit dem Pedelec waren bei 44 Prozent Senioren über 65 Jahren beteiligt. „Die Geschwindigkeit der Pedelecs und E-Bikes wird in vielen Fällen einfach unterschätzt. Hier ist eine erhöhte Sichtbarkeit und der eigene Schutz durch einen entsprechenden Helm unabdingbar“, betonte die Polizeichefin. Zudem unterstützen Trainings die sichere Teilnahme im Straßenverkehr. Im Rahmen des Programms „Fit mit dem Pedelec“ werden die meist älteren Teilnehmer durch einen Parcours geführt und auf ihre Reaktionsfähigkeit in brenzligen Situationen geschult. „In unserer Inspektion werden auch wir im laufenden Jahr einen landesweiten Schwerpunkt setzen und die Kontrollen bei Rad fahrenden Verkehrsteilnehmern verstärken“, so Robert Raaz weiter.

Risikogruppen auch weiter im Fokus

Nach wie vor stünden junge Fahranfänger und Senioren im Fokus der polizeilichen Verkehrsunfallprävention. „Nicht zuletzt gelten beide Altersgruppen als Hauptverursacher schwerer und tödlicher Verkehrsunfälle“, berichtet die Polizei. Im vergangenen Jahr wurden 158 schwere Unfälle von Senioren über 65 Jahren verursacht, ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Fahranfängern verzeichnete die Inspektion eine Zunahme von fünf Prozent. 187 schwere Unfälle wurden von Verkehrsteilnehmern zwischen 18-24 Jahren verursacht. Daher wurden in den vergangenen Jahren unterschiedliche Präventionsprojekte für sämtliche Altersgruppen entwickelt. Neben dem Projekt „Abgefahren!Wie krass ist das denn“, welches die jungen Fahranfänger anspricht, war die Resonanz unter den Senioren abermals sehr groß, als sie auch im vergangenen Jahr unter dem Motto „Fit im Auto“ ein Fahrtraining absolvieren konnten. „Diese Projekte sind sehr wertvoll. Der große Zuspruch gibt uns recht. Auch hier dürfen wir uns nicht ausruhen und müssen weiter die Zeichen der Zeit erkennen, uns weiterentwickeln und immer für dieBürger ansprechbar bleiben“, so die Leitende Polizeidirektorin weiter. Außerdem gab es 2019 auch neue Projekte: das Rote-Ritter-Mobil. „Gemeinsam mit den Berufsbildenden Schulen und der finanziellen Unterstützung der „Aktion Kinderunfallhilfe e.V.“ sowie „TEILEn e.V.“ konnte dies realisiert werden. Durch das Engagement der Erzieher und dem nun vorhandenen Lehrmaterial wird ein wertvoller Beitrag zur Verkehrserziehung in den Kindergärten geleistet“, lobt die Polizei.

Auch die proaktive Verkehrsunfallopferberatung habe großen Anklang gefunden. Es spricht alle direkt und indirekt Betroffene bei tödlichen Unfällen an. Dazu gehören Verursacher, Hinterbliebene aber auch Zeugen und Ersthelfer. Im vergangenen Jahr wurden 51 persönliche Beratungsgespräche durch die Unfallopferberaterin Polizeikommissarin Heike Berding geführt, ein Bedarf von 80 Prozent.

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