14.10.2019, 15:53 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

„Nutria-Bejagung zum Schutz der Dämme nötig“

Die Grafschafter Jägerschaft hat sich dafür ausgesprochen, Nutrias verstärkt zu bejagen. Das hat vor allem in den digitalen Netzwerken für Diskussionen gesorgt. Die GN haben nach der Meinung der Naturschützer nachgefragt.

An nahezu allen Gewässern der Grafschaft leben Nutrias, wie hier, am Altarm der Vechte im Tierpark.Foto: Jürges

An nahezu allen Gewässern der Grafschaft leben Nutrias, wie hier, am Altarm der Vechte im Tierpark.Foto: Jürges

Von Carl Hesebeck

Nordhorn Jagd ist immer wieder ein heikles Thema. Das hat sich auch vor einigen Tagen bei der Berichterstattung der Grafschafter Nachrichten über die Bejagung der Nutria durch die Grafschafter Jägerschaft herausgestellt. Der Vechteverband schafft für 20.000 Euro moderne Fallen mit einem Meldesystem an, die den Jägerinnen und Jägern im Kreis für die Jagd auf den ursprünglich nicht in Europa heimischen Sumpfbiber zur Verfügung gestellt werden. Ein Teil des Geldes soll auch in die Ausbildung fließen, etwa um den Fallenjagdschein zu erlangen oder Wissen aufzufrischen.

Vor allem im sozialen Netzwerk Facebook ist das eifrig diskutiert und vielfach auch kritisiert worden. „Nicht die Tiere machen Probleme, sondern die Menschen!“, schreibt etwa ein Nutzer. Sowohl der Vechteverband als auch die Kreisjägerschaft hatten im Gespräch mit den GN auf die Schäden aufmerksam gemacht, die durch die Nutria verursacht werden können.

Dazu zählt nicht nur der Fraß auf landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere die rege Wühltätigkeit der Tiere stellt ein Risiko für Böschungen und Dämme dar, Letzteres greift auch in den Hochwasserschutz ein und kann damit zur Gefahr für den Menschen werden. Das gilt auch für Pflegearbeiten in solchen Bereichen. Mit der Jagd auf den südamerikanischen Sumpfbiber sollen diese Risiken so gut es geht eingedämmt werden.

„Töten ist eure einzige Lösung. Traurig, echt traurig!“, heißt es dazu von einer weiteren Facebook-Nutzerin in den Kommentaren. Wie ist die Bejagung der Nutria nun zu beurteilen? Dafür haben die GN auch mit Vertretern der Kreisverbände von NABU und BUND, den beiden großen Naturschutzverbänden, gesprochen. „Technische Bauwerke wie Dämme müssen unbedingt erhalten bleiben, um den Hochwasserschutz zu gewährleisten. Deshalb ist eine Bejagung dort unbedingt erforderlich“, sagt Gerhard Busmann, Vorsitzender der NABU-Kreisgruppe.

Ganz ähnlich sieht das auch der Vorsitzende der Kreisgruppe des BUND, Walter Oppel: „Nutria finden sich mittlerweile an fast allen Gewässern in der Grafschaft. Nur harte Winter können den Tieren ernsthaft zu schaffen machen. Zum Schutz von Dämmen und Böschungen ist deshalb eine Bejagung erforderlich.“ Einig sind sich Busmann und Oppel auch, was die Aufhebung des Muttertierschutzes bei den südamerikanischen Nagern angeht.

Dieses Vorgehen sei aus ethischen Gründen nicht vertretbar, die Bejagung in dieser Form fraglich. „Es ist äußerst kritisch zu beurteilen, wenn das Muttertier geschossen wird und die Jungen im Bau sitzen“, sagt Walter Oppel. Seit dem 25. April 2018 ist die Schonzeit für den Sumpfbiber aufgehoben, eine ganzjährige Bejagung unabhängig von Alter und Geschlecht der Tiere möglich. Dafür war zuvor eine Änderung der Durchführungsverordnung zum Niedersächsischen Jagdgesetz erforderlich.

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