02.04.2020, 09:08 Uhr

Landvolk fordert Überprüfung des Nitrat-Messnetzes

Nach Darstellung des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Grafschaft Bentheim ist fast jede zweite Messstelle des Nitrat-Messnetzes in Niedersachsen mit gravierenden Mängeln behaftet. Zu diesem Thema wurde ein Gutachten vorgelegt.

An einer Messstelle wird eine Grundwasserprobe entnommen, die in einem Labor auf Nitrat überprüft wird. Foto: dpa

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An einer Messstelle wird eine Grundwasserprobe entnommen, die in einem Labor auf Nitrat überprüft wird. Foto: dpa

Neuenhaus Der Landwirtschaftliche Kreisverein Grafschaft Bentheim sieht sich in seiner Kritik an dem Messstellennetz zur Beurteilung der Grundwasserqualität bestärkt. Fast jede zweite Messstelle in Niedersachsen weise gravierende Mängel auf. Dieses Ergebnis habe ein Fachgutachten des Büros Hydor Consult mit Sitz in Berlin ergeben. „Die Ergebnisse sind aus unserer Sicht erschreckend und bestärken uns in unserer Kritik an dem bisherigen System“, fasst Vorsitzender Hermann Heilker zusammen. Die Ergebnisse auf Landesebene spiegelten auch die Ergebnisse aus dem Gebiet der Grafschaft Bentheim wieder.

In der Pressemitteilung des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Grafschaft Bentheim heißt es weiter: „Das Gutachten belegt Mängel an den bautechnischen Zuständen zahlreicher Messstellen, deren gesamtes Netz wird als wenig repräsentativ eingestuft und eignet sich somit nicht zur Festlegung der sogenannten „Roten Gebiete“. „Das Landvolk fordert eine grundlegende Überprüfung der Messstellen sowie einen Neuzuschnitt des gesamten Messnetzes und daraus resultierend eine fundierte Überarbeitung der Gebietsausweisung“, erklärt Heilker die aus dem Gutachten resultierenden Forderungen des Landvolkes. Er weist darauf hin, dass „die Ergebnisse des Fachgutachtes gute Argumente für die Klage gegen die erneute Änderung der Düngeverordnung liefern.“

Das Gutachten hat 41 Grundwasserkörper in Niedersachsen hinsichtlich ihres Zuschnittes mit den zugehörigen Typflächen/Teilräumen analysiert. Die Grundwasserkörper im Landkreis Grafschaft Bentheim sind dabei komplett enthalten. Es kommt zu dem Ergebnis, dass die geringe Dichte der Messstellen in den Grundwasserkörpern nicht repräsentativ ist. Die ausgewiesenen Messstellen bilden nicht die reale Landnutzung ab. Das unterirdische Fließverhalten des Grundwassers wird zudem bei der Abgrenzung der Grundwasserkörper nicht ausreichend beachtet. 648 Messstellen wurden konkret auf ihre Qualität überprüft, parallel dazu auch die auf Grundlage dieser Messstellen beruhende Zustandsbeschreibung der Grundwasserkörper nach EU-Recht. 190 der 648 überprüften Messstellen weisen gravierende Mängel auf, beispielsweise in den bautechnischen Anforderungen. An weiteren 194 Messstellen belegt das Gutachten geringe Mängel. In 264 Fällen ist die Dokumentation der Ausbaupläne der Messstellen für eine Bewertung unzureichend, deshalb sind belastbare Aussagen zur Nitratbelastung dieser Messstellen nicht möglich. Hydor hat dazu eine Vielzahl von Parametern entlang der Messstellen abgeprüft. Schließlich sieht das Fachgutachten nach einem Vergleich der Messstellennetze europäischer Nachbarländer und der Schweiz mit dem in Deutschland eine nachteilige Behandlung der deutschen Landwirte gegenüber den europäischen Kollegen.

Das von der Hydor in der Verantwortung von Dr. Stephan Hannappel erarbeitete Gutachten ist auf Initiative des Emsländischen Landvolkes in Verbund mit dem Kreislandvolkverband Cloppenburg in Auftrag gegeben worden. Insgesamt haben sich anschließend 23 Kreisverbände im Landvolk Niedersachsen sowie der Landesverband Niedersachsen selbst angeschlossen. Es trägt den Titel „Evaluierung der Einstufung von 41 Grundwasserkörpern in den schlechten chemischen Zustand wegen Nitrat für den zweiten Bewirtschaftungsplan nach EG-WRRL in 2015 durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)“. Die Ergebnisse wurden Umweltminister Olaf Lies und Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast bereits vorab übermittelt. Im direkten Gespräch will das Landvolk seine Kritik gegenüber den beiden Ministern, sowie dem NLWKN als zuständiger Fachbehörde gern erläutern. „Wir Landwirte stehen zu unserer Verantwortung für den Gewässerschutz“, sagt Heilker. Dazu müssten gesicherte, glaubhafte und präzise Daten vorliegen. Gerade vor der großen Bedeutung, die dem Ergebnis jeder einzelnen Messtelle bei der Festlegung der Düngeauflagen in den so genannten „roten Gebieten“ zukomme, müsse deren Aussagekraft absolut unangreifbar sein. „Die Landwirte müssen sich darauf verlassen können, dass schlechte Messstellenwerte auch valide sind“, betont der Vorsitzende. Dem Messnetz komme eine Schlüsselfunktion im Rahmen des Wasserschutzes zu, die daraus abgeleiteten Maßnahmen zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Flächen müssen daher sehr sorgfältig begründet sein.“