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23.11.2018, 14:09 Uhr

Inhalte zum Judentum werden bei Reformierten verbindlich

Die positive Entwicklung der Konjunktur trägt bei der Evangelisch-reformierten Kirche dazu bei, dass die Steuereinnahmen trotz sinkender Mitgliederzahlen steigen. Doch mittelfristig wird sich das ändern. Neuerungen gibt es bei der Pastoren-Ausbildung.

Inhalte zum Judentum werden bei Reformierten verbindlich

Kirchenpräsident Martin Heimbucher (rechts) und Vizepräsident Helge Johr. Foto: Ulf Preuß

epd Emden Künftige Pfarrer der Evangelisch-reformierten Kirche sollen sich schon während ihrer Ausbildung verbindlich intensiv mit dem Judentum beschäftigen. Das haben am Freitag die Delegierten der reformierten Synode bei ihrer Herbstsitzung in der Johannes-a-Lasco-Bibliothek in Emden beschlossen. Die Ausbildungsordnung der Kirche wurde entsprechend ergänzt.

Das sei unter den evangelischen Landeskirchen „noch die Ausnahme“, sagte Kirchenpräsident Martin Heimbucher. Die Kirchenparlamentarier setzten mit ihrem Votum bereits in der Kirchenverfassung formulierte Ansprüche um. Dort heißt es in den Grundsätzen, dass es „zum Wesen und Auftrag der Kirche gehört, Begegnung und Versöhnung mit dem Volk Israel zu suchen“. Die Rabbinerin Ulrike Offenberg aus Hameln hatte sich am Reformationstag im Kloster Frenswegen zu dem Themenfeld geäußert. Sie sagte, trotz einer großen gemeinsamen Basis zwischen Judentum und Christentum erlebe sie unter Christen eine große Unkenntnis über das Judentum und fügte hinzu: „Unser großer gemeinsamer Reichtum muss noch entdeckt werden.“

Reformierte geben mehr Geld aus

Steigende Kirchensteuereinnahmen ermöglichen der Evangelisch-reformierten Kirche 2019 mehr Ausgaben als im laufenden Jahr. Entsprechend hat die Herbstsynode für das kommende Jahr einstimmig einen Haushalt verabschiedet, der im Volumen 46,5 Millionen Euro erreicht. Das seien 2,2 Prozent mehr als 2018, sagte Vizepräsident Helge Johr. Perspektivisch allerdings würden die Kirchensteuereinnahmen zurückgehen, auch aufgrund demografischer Entwicklungen. Mehr investieren wollen die Reformierten beispielsweise in die Jugendarbeit, in die Kirchenmusik und infrastrukturell mit einem Plus von alleine 1,1 Millionen Euro bei Sanierung und Neubau von Pfarrhäusern. Erstmals soll es im Sommer im Weserbergland ein Konfirmandencamp mit Hunderten Teilnehmenden geben. „Ziel ist es, den Jugendlichen ein gemeinsames spirituelles Erlebnis zu ermöglichen, dass die Bindung zur Kirche und zur Kirchengemeinde stärkt“, erläuterte Johr.

Damit will die Kirche auch auf demografische Veränderungen reagieren, denn zukünftig steigt das Durchschnittsalter der Mitglieder in den reformierten Gemeinden. Schon jetzt sei der größte Teil der Menschen, die der Kirche angehörten, zwischen 40 und 65 Jahre alt, sagte Johr. „Wir sehen am Altersbaum unserer Kirche, dass die Anzahl der jüngeren Personen wesentlich geringer ist“, erläuterte der leitende Jurist. Das habe mittelfristig auch finanzielle Auswirkungen.

Die Altersgruppe, die den wesentlichen Anteil der Kirchensteuer bezahle, werde in künftigen Jahren kleiner werden, führte Johr aus. Das seien Mitglieder im Alter zwischen 25 und 65 Jahren. Ihre Zahl werde noch einige Jahre etwa gleich bleiben und dann deutlich abnehmen, „zumal die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass besonders viele Kirchenmitglieder zwischen 25 und 35 Jahren austreten“.

Jährlich bis zu 1500 Austritte

Wie in anderen Landeskirchen auch sind die Austrittszahlen bei den Reformierten relativ zur Mitgliederzahl hoch und liegen eigenen Angaben zufolge jährlich zwischen 1.000 und 1.500, was etwa einer Kirchengemeinde entspricht. Johr: „Diese Austritte können bei weitem nicht durch Übertritte und Aufnahmen ausgeglichen werden.“ Er schätzt, dass trotzdem bis 2028 die Kirchensteuereinnahmen etwa gleich bleiben oder sogar noch leicht steigen. Dann aber werde sich die deutlich sinkende Zahl der Kirchenmitglieder in der Altersgruppe zwischen 25 und 65 Jahren auch bei der Kirchensteuer bemerkbar machen. Darauf müsse die Kirche dann auch in der Planung ihrer Ausgaben reagieren.

Zur Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer gehören zwischen Ostfriesland und dem Allgäu derzeit knapp 171.000 Mitglieder in 145 Gemeinden. Am weitesten verbreitet ist sie in der Grafschaft Bentheim. Vor zehn Jahren seien es landesweit noch rund 185.000 Mitglieder gewesen. Dabei sei den Reformierten zugute gekommen, dass 2012 zuvor selbstständige Kirchengemeinden in Braunschweig, Göttingen und Hamburg hinzugekommen seien, sagte Johr: „Ansonsten läge die Gemeindegliederzahl bereits unter 165.000.“

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