18.07.2021, 17:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Hochwasser-Katastrophe: Grafschafterinnen sammeln Spenden

Wollen den Betroffenen in Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz helfen (von links): Marie Fermé, Maike Martins Goncalves, Ina Göcke, Sabrina Ehses, Clarissa Voigt und Shari Alferink. Fotos: Schulte-Sutrum

Wollen den Betroffenen in Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz helfen (von links): Marie Fermé, Maike Martins Goncalves, Ina Göcke, Sabrina Ehses, Clarissa Voigt und Shari Alferink. Fotos: Schulte-Sutrum

Von Frauke Schulte-Sutrum

Die Ausmaße der verheerenden Hochwasserkatastrophe in Nordrein-Westfalen und Rheinland-Pfalz werden zwar sichtbar – aber nicht begreifbar. Welche Ängste, Sorgen und Nöte die Einwohner der vielen betroffenen Städte und Gemeinden erleiden, sind für Außenstehende kaum vorstellbar. Unzählige Menschen haben ihre Wohnung oder ihr Haus verloren und somit auch alles, was sie zum täglichen Leben brauchen.

Sechs Freundinnen aus der Grafschaft wollen den Betroffenen helfen. Marie Fermé schlug ihren Freundinnen spontan vor, Spenden zu sammeln, als sie die furchtbaren Bilder der Überflutungen und die Not der Menschen sah. Für Sabrina Ehses, Ina Göcke, Shari Alferink, Clarissa Voigt und Maike Martins Goncalves stand sofort fest: „Das machen wir!“ Vor einigen Tagen riefen sie in verschiedenen Grafschafter Facebook-Gruppen dazu auf, Kleidung, Hygieneartikel und Weiteres zu spenden. „Die Anteilnahme ist überwältigend“, sagen die sechs Frauen zwischen 26 und 33 Jahren. Teilweise stapeln sich in ihren Wohnzimmern, Küchen und Fluren Kartons, Taschen, Säcke und Kisten. Aber auch bei Getränke Bitter in Gildehaus, im Jungen Laden in Neuenhaus, in der Teststation am Hotel Rammelkamp in Klausheide und in privaten Haushalten in Bad Bentheim haben zahlreiche Grafschafter Spenden abgegeben. Zudem schicken etliche Menschen Pakete, nachdem Shari Alferink in sogenannten Couponing-Gruppen bei Facebook zu Spenden für die Aktion aufgerufen hatte. „Sie haben mithilfe von Rabattcoupons beispielsweise zig Flaschen Spülmittel, Getränke oder Hygieneartikel gekauft und möchten diese nun spenden.“

Auch vor der Haustür von Familie Ehses stapeln sich Säcke.

Auch vor der Haustür von Familie Ehses stapeln sich Säcke.

Freunde oder Verwandte haben die sechs Freundinnen in den betroffenen Gebieten nicht. Ina Göcke und Marie Fermé haben über Facebook zwei Kontaktpersonen aus Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz gefunden, die selbst ihre Häuser durch die Wasserfluten verloren haben und dringend auf Spenden angewiesen sind. Eine dieser beiden Betroffenen hat sogar ihre Kinder zu Verwandten in die Niedergrafschaft in Sicherheit bringen müssen, erzählt Marie Fermé. Über die beiden Kontaktpersonen läuft dann vor Ort die Vermittlung der vielen Spenden aus der Grafschaft. „Unsere Kontaktpersonen sind überwältigt von unserer Hilfe“, sagt Marie Fermé. Clarissa Voigt fügt hinzu: „Diese Sammelaktion ist für uns ein Fulltime-Job – neben Familie und Beruf. Die Handys klingeln permanent, auch nachts. Die Hilfsbereitschaft ist einfach unglaublich groß.“

Kisten voller Spenden sammeln sich im Wohnzimmer von Familie Ehses in Nordhorn.

Kisten voller Spenden sammeln sich im Wohnzimmer von Familie Ehses in Nordhorn.

Bis Mittwoch nehmen die Freundinnen um Sabrina Ehses noch Spenden an. Am kommenden Samstag, 24. Juli, fahren dann vier von ihnen nach Rheinland-Pfalz. Hilfe bekommen sie von der Firma Model aus Bad Bentheim, die einen Lastwagenfahrer und einen 40-Tonner stellt. Des Weiteren haben zahlreiche Grafschafter Unternehmen und Firmen ihre Hilfe angeboten und stellen unter anderem Sprinter bereit, mit denen ebenfalls Spenden transportiert werden können.

Da bislang bereits zahlreiche Spenden abgegeben wurden, bitten die Organisatorinnen nur noch folgende Dinge abzugeben:

  • Hygieneartikel wie Zahnbürsten, Waschmittel, Shampoo, Duschgel, Rasierer, Bürsten, Wattestäbchen, Binden, Tampons oder Toiletten Papier
  • Dinge, die zum Aufräumen benötigt werden: Besen, Müllsäcke, Gummistiefel, Putzmittel
  • Decken, Bettwäsche, Schlafsäcke, Luftmatratzen, Isomatten und Kissen
  • Babynahrung wie Gläschen und Kinderwagen
  • Getränke
  • Gaskocher

„Sehr wichtig sind mittlerweile auch unbedingt Stromgeneratoren oder Power Banks – kurz: Alles das, was Strom erzeugt, damit die Leute zum Beispiel ihre Handys aufladen und sich wieder verständigen können“, sagt Shari Alferink.

Die Organisatorinnen bitten außerdem dringend darum, die Spenden zu sortieren und Kartons oder Säcke zu beschriften und ab sofort nur noch an folgenden Sammelstellen abzugeben:

  • Teststation am Hotel Rammelkamp in Klausheide, Öffnungszeiten: täglich 8 bis 11 Uhr und 15 bis 18 Uhr und nach Absprache
  • Getränke Bitter, Gildehaus, Öffnungszeiten: 9 bis 18.30 Uhr.

„Es ist schön, dass so viele Leute helfen wollen. Da wir die Hilfe allerdings in einer Pandemie leisten, müssen unbedingt die Corona-Hygienevorschriften eingehalten werden. Bitte also Maske und eventuell auch Einmalhandschuhe tragen, Abstand halten und Hände desinfizieren“, sagen Shari Alferink und ihre Mitstreiterinnen.

„Wir werden solange in Bad Neuenahr-Ahrweiler helfen, wie wir gebraucht werden und bestimmt einige Male dorthin fahren“, sagen die Grafschafter Freundinnen.

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