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02.01.2019, 18:11 Uhr

Grafschafter Kühe steigerten im Jahr 2018 Milchleistung

„Die Milchbauern leben von der Reserve“, so lautet eine alte Erkenntnis. Will heißen: Wenn das Futter gut war, gibt es gute Milchleistungen. Folglich sind 2019 angesichts des gerade zu Ende gehenden Dürrejahres wieder magerere Ergebnisse zu erwarten.

Grafschafter Kühe steigerten im Jahr 2018 Milchleistung

Die Milchleistung der Grafschafter Kühe hat sich im vergangenen Jahr erhöht. Das kann im nächsten Jahr wegen der Trockenheit 2018 wieder anders aussehen Foto: S. Kahnert/dpa

Von Hermann Gerdes

Nordhorn 9834 Kilogramm Milch gaben die 83.800 Kühe in nur noch 992 Milchviehbetrieben (minus 47) in der Region Emsland/Südoldenburg im letzten Kontrolljahr (bis 30. September). Die Kühe liegen mit dieser Leistung weit über dem Weser-Ems-Ergebnis (9117 Kilogramm), auch über der niedersächsischen Milchleistung von 9304 Kilogramm, erst recht über dem deutschen Schnitt von 8843 Kilogramm Milch, sie erreichten das Top-Ergebnis der Osnabrücker Kühe mit 10.318 Kilogramm, das erstmals fünfstellig war, aber nicht.

„Die Milchbauern leben von der Reserve“, so lautet eine alte Erkenntnis. Will heißen: Wenn das Futter gut war, gibt es im nächsten Jahr gute Siloerträge und dann halt auch gute Milchleistungen. Folglich sind im nächsten Jahr angesichts des gerade zu Ende gehenden Dürrejahres wieder magerere Ergebnisse zu erwarten.

Die Empfehlung passt nicht zu den sich Jahr für Jahr wiederholenden Tatsachen: weniger Betriebe mit immer mehr Kühen. Doch Fachleute raten: Abstockung, leistungsschwache Kühe selektieren und die Besten geben bei größerem Platzangebot und besserer Gesundheit mehr Milch. Der Milchbauern hätten einen höheren Überschuss.

Unternehmensberater Bernd Lührmann von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat ausgerechnet, dass eine moderate Unterbelegung eine rentable Entwicklung ist, erst recht auch angesichts der Gülleproblematik bei knappen und damit teureren Flächen. Bei 36 Cent pro Kilogramm Milch bleibt nach seiner Rechnung einem Betrieb mit 100 Kühen 75,84 Euro pro Kuh, der Betrieb mit 95 Kühen hätte bei der angenommenen Leistungssteigerung um 2,5 Prozent 80,36 Euro im Jahr an einer Kuh verdient. Das ist zwar immer noch nicht einmal ein Cent pro Liter, aber diese fünfprozentige Unterbelegung lohnt sich offenbar.

Aber noch ist es nicht so. Überall gibt es größere Bestände, von Bayern (50 Kühe pro Betrieb) über Niedersachsen (109) bis nach Brandenburg (402). Genauso ist es mit dem Ranking bei der Leistung. In Bayern geben die noch über eine Million Kühe 8000 Kilogramm Milch, in Niedersachsen die 780.000 Kühe 9300 und in Brandenburg die 150.000 Kühe 9725 Kilogramm Milch.

Gesund, robust und langlebig sollte eine Kuh sein. Dank dieser guten Kombination sei sie dann auch rentabel. Eine neue Rangierung nimmt neben der Milchleistung, dem Eiweiß- und dem Fettgehalt auch die Zellzahl als Parameter der Eutergesundheit und die Leistung pro Lebenstag in den Blick. Und da steht der „kleine“ Milchbetrieb von Martin Papenbrock in Freren-Lohe erneut ganz oben in ganz Niedersachsen.

Spitze ist der Betrieb, wenn es wie üblich nach Fett- und Eiweiß-Kilogramm geht. Aber mit einer Zellzahl – als Parameter für die Eutergesundheit – von 103 und 18,4 Kilogramm Milch pro Lebenstag steht der Betrieb mit einer Leistung von 14.810 Kilogramm Milch ganz oben im Herden-Ranking.

Bei der nächstgrößeren Kategorie sind gleich mehrere Grafschafter Betriebe vorne mit dabei. So Gerrit Haandrikman aus Emlichheim-Volzel (11.481 Kilogramm im Schnitt der Herde) oder Hendrik Veltmann aus Getelo mit 11.466 Kilogramm Milch. Nachbar Kamerhuis GbR hat 11.398 Kilogramm Milch aufzuweisen und gehört zum Spitzenfeld bei der Kategorie zwischen 80 und 100 Kühe. In der nächstgrößeren Kategorie ist es die BeWo Agrar GmbH in Emlichheim.

Bei den höchsten Färsenlaktationen finden sich einige Grafschafter Jungtiere: „Estaban 74“, eine „Banesto“-Tochter im Stall von Große-Brookhuis in Wilsum, kam auf 14.602, eine „Aikmann“-Tochter aus dem Veltmann-Stall in Getelo auf 13.216 Kilogramm Milch.

Bei den höchsten Lebensleistungen finden sich jetzt für 2018 kaum Kühe der Region. Es ist ganz offensichtlich, dass die besten Betriebe, besonders die ertragreichen in der mit 10.300 Kilogramm Milch pro Kuh besten Herdbuch-Region Osnabrück, ihre Kühe früher abgeben oder schlachten.

Bei der dritten Laktation ist der Ertrag am höchsten, nach dem vierten Kalb geht die Leistung nach unten. Beste emsländische Lebensleistung weist jetzt „Flora 50“, eine Janssen-Tochter aus dem Stall von Thomas Johanning in Emsbüren-Elbergen auf. Sie schaffte 152.569 kg Milch in zehn Laktationen.

In Niedersachsen mit jetzt einem einheitlichen Kontrollverband geben die Schwarzbunten mit 9409 Kilogramm immer noch mehr Milch als die Rotbunten, die auf 8587 Kilogramm kommen. Und die Betriebe mit mehr als 200 Kühen liegen deutlich vor den kleinsten Betrieben: 9920 gegen 7700 Kilogramm.

Die durchschnittliche Kuhzahl pro Betrieb ist in Weser-Ems dennoch gegenüber anderen Regionen mit 3,3 auf 97,4 Kühen nur leicht gestiegen. Und in Osnabrück – „klein, aber fein“ sagen die Experten zu den Kuhbeständen – haben die Betriebe gar nur im Schnitt 77 Kühe, aber mehr als 52 Prozent der Herden kommen auf mehr als 10.000 Kilogramm Milch (im Schnitt gar Spitze mit 10.318 Kilogramm). Das schaffen in der Region Friesland nur 15 Prozent der Herden, in Oldenburg 20 Prozent und in Emsland/Südoldenburg doppelt so viele.

Die Kühe werden immer jünger; nur gut 30 Prozent werden älter als sieben Jahre; 60 Prozent werden vor dem sechsten Geburtstag gemerzt. 27,9 Monate beträgt die Nutzungsdauer im Schnitt.

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