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17.03.2019, 15:37 Uhr

Grafschafter Gastronomie: Fachkräfte arbeiten „am Limit“

Rund 3000 Beschäftigte der Grafschafter Gastronomie und Hotellerie haben mit für eine „starke Bilanz“ im Tourismusjahr 2018 gesorgt. Doch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt: Die Fachkräfte im Landkreis arbeiten „längst am Limit“.

Grafschafter Gastronomie: Fachkräfte arbeiten „am Limit“

Die Steigerungen in der gesamten Tourismus-Region Grafschaft Bentheim-Emsland-Osnabrücker Land sind nur mit dem starken Engagement der Beschäftigten überhaupt möglich, meint die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Foto: dpa

Nordhorn Touristen zieht es in heimische Betten: Die gesamte Tourismus-Region Grafschaft Bentheim-Emsland-Osnabrücker Land verzeichnete im vergangenen Jahr 5,28 Millionen Übernachtungen von Gästen aus dem In- und Ausland. Das sind 2,6 Prozent mehr als 2020 – und 33 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Die NGG Osnabrück beruft sich dabei auf Angaben des Statistischen Bundesamtes, das die Beherbergungszahlen der deutschen Reisegebiete ausgewertet hat. NGG-Geschäftsführer Uwe Hildebrand spricht von einer „starken Bilanz – die jedoch nur mit dem starken Engagement der Beschäftigten überhaupt möglich ist“.

Allein im Landkreis Grafschaft Bentheim beschäftigt das Gastgewerbe nach Angaben der Arbeitsagentur rund 3000 Menschen. „Allerdings fehlen hier zunehmend Fachkräfte – auch, weil die Branche ein waschechtes Image-Problem hat“, ist Hildebrand überzeugt. Ein Hauptgrund: immer extremere Arbeitszeiten. Zwar gehöre das Arbeiten am Abend oder am Sonntag für Hotelfachleute und Kellner fest zum Job. „Aber in den vergangenen Jahren sind die Schichten deutlich länger und die Erholungszeiten kürzer geworden. Das macht nicht jeder ewig mit“, so der Geschäftsführer der NGG-Region Osnabrück.

Hildebrand kritisiert insbesondere die Forderungen von Unternehmern, das Arbeitszeitgesetz zu lockern. „Geht es nach dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), dann sollen 13-Stunden-Arbeitstage bald zum Normalfall werden. Aber hier steht die Gesundheit der Beschäftigten auf dem Spiel. Nicht umsonst gibt es gesetzliche Grenzen“, meint Hildebrand. Das Arbeitszeitgesetz schreibt eine Regelarbeitszeit von acht Stunden täglich vor. In Ausnahmefällen kann sie auf zehn Stunden ausgedehnt werden.

Nach einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin steigt das Unfallrisiko nach der achten Arbeitsstunde exponentiell an. Und wer oft im Schichtdienst arbeitet, der habe ein erhöhtes Risiko, am Herzen oder an Diabetes zu erkranken. „Die guten Übernachtungszahlen und steigende Umsätze zeigen, wie groß der Einsatz der Beschäftigten in der Gastronomie und Hotellerie ist“, sagt Hildebrand. Im Kreis Grafschaft Bentheim arbeiteten gerade gelernte Fachkräfte „längst am Limit“. Die dürfe man nicht mit „Horror-Arbeitszeiten“ verprellen. Schon jetzt falle es der Branche schwer genug, Schulabgänger für eine Ausbildung zu gewinnen.

Die Gewerkschaft NGG warnt davor, das Gastgewerbe zum „Vorreiter für ausufernde Arbeitszeiten“ zu machen. Bei einer aktuellen Branchenumfrage der Gewerkschaft gaben 81 Prozent der Befragten an, ihre Arbeitsbelastung habe in den letzten Jahren zugenommen. Fast jeder Zweite muss demnach in der Freizeit für den Betrieb einspringen.

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