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15.03.2019, 14:45 Uhr

Grafschafter Carsharing soll 2020 rein elektrisch starten

Landkreis, Hochschule Osnabrück und BE wollen die umweltfreundliche Mobilität im ländlichen Raum voranbringen: Ab 2020 soll mindestens ein elektrisches Carsharing-Auto in jeder kreisangehörigen Kommune den Bürgern zur Verfügung gestellt werden können.

Grafschafter Carsharing soll 2020 rein elektrisch starten

Zukünftig sollen nicht mehr nur die Dienstwagen des Landkreises elektrisch angetrieben werden, sondern alle Grafschafter mittels Carsharing elektromobil unterwegs sein können. Dafür machen sich (von links) Kreisrat Dr. Michael Kiehl, Prof. Dr. Ingmar Ickerott (Hochschule Osnabrück) und Joachim Berends (Bentheimer Eisenbahn) stark Foto: Landkreis

Von Thomas Kriegisch

Nordhorn Carsharing boomt in den großen Städten, wo die Carsharing-Autos der verschiedenen Anbieter schon zum gewohnten Straßenbild gehören. Erfolgreiche Angebote in ländlichen Räumen sind noch die Ausnahme. Dies wollen der Landkreis Grafschaft Bentheim, die Hochschule Osnabrück und die Bentheimer Eisenbahn (BE) nun gemeinsam ändern.

Vor dem Hintergrund des sich auch im ländlichen Raum ändernden Mobilitätsverhaltens und der mit der Wiederaufnahme des Schienenverkehrs zwischen Bad Bentheim und Neuenhaus verbundenen Neuausrichtung des öffentlichen Personennahverkehrs in der Grafschaft beabsichtigen die drei Partner ein Konzept für ein kreisweites Grafschafter Carsharing-Angebot auf den Weg zu bringen – und dies weitgehend mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen.

„Wir hoffen, dass wir mit diesem gemeinsamen innovativen Ansatz, der die aktuellen Diskussionen um Feinstaubbelastungen und CO2-Emmissionen konventioneller Fahrzeuge aufgreift, Fördermittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (LEADER-Fördermittel) einwerben können“, sagt Kreisrat Dr. Michael Kiehl.

Sofern diese Mittel genehmigt werden, erwartet der Landkreis, dass zum anvisierten Start des Angebots im Jahr 2020 mindestens ein elektrisches Carsharing-Auto in jeder kreisangehörigen Kommune zur Verfügung gestellt werden kann. Damit würde für Grafschafter nicht nur ein weiteres Mobilitätsangebot geschaffen, das womöglich den eigenen (Zweit-)Wagen überflüssig macht, sondern auch eine ganz praxisnahe Möglichkeit gegeben, erste Erfahrungen mit klimafreundlichen Elektrofahrzeugen zu sammeln.

Neben Klimaschutz- und Kostenargumenten, die für eine verstärkte Nutzung alternativer Mobilitätsangebote sprechen, hält Prof. Dr. Ingmar Ickerott von der Fakultät Management, Kultur und Technik an der Hochschule Osnabrück die Etablierung eines Carsharing-Angebots auch für einen Standortvorteil des Landkreises im Ringen um Fachkräfte.

Gerade gut ausgebildete junge Menschen, die zum Beispiel an ihrem Studienort die Nutzung von Sharing-Angeboten gewohnt sind und kein Interesse am teuren Besitz eines eigenen Autos haben, spricht das unkomplizierte und kurzfristige Ausleihen von Autos mittels Carsharing an, meint der Professor für Betriebswirtschaftslehre und Logistikmanagement.

Aber auch für ältere Menschen, die kein Auto (mehr) fahren, könne ein Carsharing-Angebot vor Ort vorteilhaft sein, da sie im Carsharing-Fahrzeug von Ehrenamtlichen etwa zu Einkäufen und Arztbesuchen gebracht werden könnten. Mobilitätskonzepte, die den Bedarf nach Fahrdiensten für ältere Menschen abdecken, wurden im Forschungsprojekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ erarbeitet. Das Forschungsprojekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und setzt sich unter anderem aus Mitarbeitern der Hochschule Osnabrück und der BE zusammen.

Wichtig bei der weiteren Ausgestaltung des Projektansatzes ist den drei Projektbeteiligten, dass zukünftige Kunden des Grafschafter Carsharings nicht nur Zugriff auf die in der Grafschaft zum Einsatz kommenden Elektrofahrzeuge haben werden, sondern möglichst auch die Carsharing-Angebote in anderen Städten mitnutzen können.

Joachim Berends von der Bentheimer Eisenbahn denkt sogar noch einen Schritt weiter. Mittel- bis langfristig hält der BE-Vorstand die Einführung einer „Grafschafter Mobilitätskarte“, mit der „aus einer Hand“ Carsharing-Autos, Busse und Bahnen sowie weitere Mobilitätsangebote im Landkreis und darüber hinaus genutzt werden können, für erstrebenswert.

Wie jüngste Meldungen des Bundesverbandes „CarSharing“ verlauten ließen, waren Anfang 2019 bundesweit fast 2,5 Millionen Nutzer bei den verschiedenen Anbietern registriert, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um fast 17 Prozent.

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