23.04.2020, 12:20 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Gedenkminute für verunglückte Arbeitnehmer am 28. April

8800 Bau-Unfälle im vergangenen Jahr in Niedersachsen sind für die Gewerkschaft IG BAU Anlass genug, an die verunglückten Arbeiter zu erinnern. Am 28. April, dem „Workers‘ Memorial Day“ sind alle Grafschafter Beschäftigten zum Mitmachen aufgerufen.

Ein Helm kann auf der Baustelle Leben retten. Doch oft kommt die Sicherheit im Job zu kurz, kritisiert die IG BAU.Foto: privat

Ein Helm kann auf der Baustelle Leben retten. Doch oft kommt die Sicherheit im Job zu kurz, kritisiert die IG BAU.Foto: privat

Osnabrück Sturz von der Leiter, Ausrutscher mit der Motorsäge, Hantieren mit Asbest: Wer im Landkreis Grafschaft Bentheim auf dem Bau oder in der Landwirtschaft arbeitet, hat ein besonders hohes Risiko, im Job einen Unfall zu haben oder krank zu werden. Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) zum „Internationalen Workers‘ Memorial Day“ am Dienstag, 28. April, hin und ruft Beschäftigte im Landkreis zu einer Gedenkminute auf. „Ob im Homeoffice oder auf der Baustelle: Um 12 Uhr sollte am Dienstag jeder kurz die Arbeit beiseitelegen und an die Menschen denken, die im Job tödlich verunglückt oder berufsunfähig geworden sind“, so der stellvertretende IG-BAU-Bezirksvorsitzende Herbert Hilberink.

Corona-Regeln gelten auch auf der Baustelle

Die IG BAU Osnabrück–Emsland–Grafschaft Bentheim fordert zugleich stärkere Anstrengungen beim Arbeitsschutz. „Jeder Unfall ist einer zu viel. Die Arbeitssicherheit ist keine lästige Pflicht, sondern ein Muss. Daran darf der Chef keinen Cent sparen“, sagt Hilberink. In Zeiten von Corona sei dies wichtiger denn je. In der Gebäudereinigung müssten Beschäftigte besonders vor Ansteckungen geschützt werden. Hier seien ausreichend Desinfektionsmittel und Zeit für das gründliche Reinigen nötig. „Auf dem Bau haben Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Der Mindestabstand von 1,5 Metern – besser gleich eine ganze Zollstocklänge von zwei Metern – ist entscheidend“, betont Hilberink. Außerdem müsse es genug Masken und Schutzhandschuhe geben, ebenso wie Toiletten mit Wasseranschluss zum Händewaschen.

Asbest immer noch Thema

Allerdings gehe auf vielen Baustellen Schnelligkeit allzu oft vor Sicherheit. Nach Angaben der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) wurden in der Branche im vergangenen Jahr rund 8800 Arbeitsunfälle in Niedersachsen gemeldet – sieben davon mit tödlichem Ende. Schwerpunkt des „Workers‘ Memorial Day“ ist in diesem Jahr Asbest. „Ob in der alten Fassade, im Nachtspeicherofen oder im Schuppendach – Asbest ist oft versteckt. Gerade bei Sanierungen alter Gebäude kommt der giftige Stoff dann zum Vorschein. Das ist eine unsichtbare Gefahr für Handwerker“, so Hilberink. Wie bei Corona sei auch beim Thema Asbest das Tragen einer Atemschutzmaske unabdingbar. Wer den Stoff heute einatme, könne viele Jahre später Lungenkrebs bekommen, warnt der Gewerkschafter. 393 Neuerkrankungen im Zusammenhang mit Asbest gab es in Niedersachsen allein im Jahr 2018. Das geht aus Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hervor. Innerhalb von zehn Jahren erkrankten im Bundesland rund 4300 Menschen durch den Gefahrstoff.

Der „Workers‘ Memorial Day“ fand erstmals 1984 in Kanada statt: Die Gewerkschaft für Angestellte im Öffentlichen Dienst rief damals dazu auf, der im Arbeitsleben verstorbenen Mitarbeiter zu gedenken. Seit 1989 wird der Gedenktag weltweit begangen. Die IG BAU hat einen Video-Appell zum „Workers‘ Memorial Day“ online gestellt. Auch die Politik ruft zu mehr Anstrengungen beim Arbeitsschutz auf.

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