Grafschafter Nachrichten
09.03.2018

Eisenbahnwerkstatt in Nordhorn ist Gewinnbringer

Eisenbahnwerkstatt in Nordhorn ist Gewinnbringer

In der Werkstatt der Bentheimer Eisenbahn werden auch Hauptuntersuchungen für Lokomotiven abgenommen. Foto: Westdörp

Die Bentheimer Eisenbahn unterhält seit Jahr und Tag eine eigene Eisenbahnwerkstatt. Vor sechs Jahren stellte sich die Frage, die unrentable Tochter stillzulegen oder aber das Angebot zu erweitern. Heute ist die Werkstatt ein Gewinnbringer.

Nordhorn. Die BE-Eisenbahnwerkstatt hat viele Jahre ein reines Nischendasein geführt. „Wir haben keine eigenen Waggons, und für unsere acht Lokomotiven und die Rangierloks allein hat sich der Aufwand nicht gelohnt“, berichtet BE-Vorstandsvorsitzender Joachim Berends. Offen sei vor sechs Jahren die Schließung diskutiert worden. Der Nachteil: Falls eine der eigenen Lokomotiven ausfällt, hätte man die Dienste eines anderen Instandsetzungsbetriebs in Anspruch nehmen müssen.

Teuer, aber lohnend

Da die Bentheimer Eisenbahn dort jedoch im Hinblick auf die Großen keine Vorzugsbehandlung genießen würde, müsste sie sich auf lange Wartezeiten einstellen. Es hätte Ersatz gemietet werden müssen. „Bei Lokomotiven ist Stillstand sehr kostspielig“, sagt Berends. Der andere Weg: Man müsste die Werkstatt als Dienstleister im Markt etablieren. Auch dieser Weg schien teuer, zumal das Personal qualifiziert werden muss und die Werkstatt auf Zertifikate angewiesen ist. Trotzdem entschied sich die Bentheimer Eisenbahn für diesen Weg.

„Es hat sich gelohnt“, sagt der Vorstandsvorsitzende heute: „Die Eisenbahnwerkstatt ist zu einem unserer profitabelsten Betriebe geworden.“ Dazu hat beigetragen, dass viele Anbieter, darunter die Deutsche Bahn, eigene Werkstätten geschlossen oder konzentriert haben. So wurde das Ausbesserungswerk in Lingen ebenfalls einer neuen Nutzung zugeführt. Inzwischen zählt die Emsländische Eisenbahn daher zu den festen Kunden der Eisenbahnwerkstatt der BE, ebenso wie DB Cargo, die Gütersparte der Deutschen Bahn oder auch Eisenbahnen aus den Niederlanden, wo es nur zwei Werkstätten überhaupt gibt.

Auch „unerwartete Kunden“ landen auf dem BE-Betriebshof in Nordhorn: Bevor Güterzüge die deutsch-niederländische Grenze überqueren, werden sie auch technisch überprüft. Wenn dann ein Defekt festgestellt wird, ist der schnellste Weg der in die Werkstatt nach Nordhorn. BE-Personal und Gastmonteure der Eigentümer sorgen dafür, dass die Waggons schnell wieder „auf Achse“ gehen können.

Gewaltige Bühnen

Das Spektrum der Arbeiten in einer Eisenbahnwerkstatt ist umfangreich, die Arbeitsbühnen sind gewaltig, denn auch eine Diesellok muss zum Radwechsel in die Höhe gehievt werden. So eine Lok wiegt locker ihre 60 Tonnen. In Nordhorn werden aber nicht nur Radreifen und komplette Achsen ausgetauscht oder Hauptuntersuchungen durchgeführt: Immer wieder wird auch der Einbau neuer „Flüsterbremsen“ angefordert.

Durch die Wiedereinführung des Schienenpersonennahverkehrs wird die Auslastung der Eisenbahnwerkstatt weiter vergrößert. Das Unternehmen wird die zweigleisige Werkstatt deshalb in voller Breite von 23 auf 53 Meter verlängern. Die Kosten betragen 3,8 Millionen Euro. Darin enthalten sind Investitionen in eine neue Waschstraße für die fünf Triebwagen, die im Laufe des Jahres angeschafft werden sowie Reinigungsplätze und eine neue Tankstelle.

Eisenbahnwerkstatt in Nordhorn ist Gewinnbringer

Ersatzachsen warten vor der Werkstatt der Bentheimer Eisenbahn auf ihren Einsatz. Bei Bedarf kann eine Achse ohne Wartezeit auf die Ersatzteile eingesetzt werden. Foto: Westdörp

Eisenbahnwerkstatt in Nordhorn ist Gewinnbringer

Ein Auflieger der Emsländischen Eisenbahn wird in der Eisenbahnwerkstatt der BE instand gesetzt. Foto: Westdörp

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