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Deshalb konnten am Sonnabend nur 5000 GN gedruckt werden

An diesem Bauteil lag es: GN-Betriebsleiter Maik Hofsink mit dem defekten Antriebsregler.

© Burkert, Steffen


„Frühstücken ohne euch ist doof. Brötchen doof. Kaffee doof. Morgen doof.“ So wie dieser Nordhornerin, die sich sehr freundlich über Facebook an die Redaktion gewandt hatte, erging es am Sonnabend leider vielen GN-Lesern: Die Zeitung steckte nicht wie gewohnt im Briefkasten und konnte erst am Montag nachgeliefert werden. Grund war ein Ausfall der Druckmaschine, der sich trotz stundenlanger fieberhafter Arbeit in der Nacht nicht beheben ließ.

Normalerweise läuft die Zeitungsproduktion in der GN-eigenen Druckerei am Coesfelder Hof in rasender Geschwindigkeit ab. Spätestens um 23.30 Uhr müssen die Redakteure ihr letztes Wort geschrieben und die Seiten freigegeben haben – spät genug, um auch über Fußballballspiele mit Verlängerung und Elfmeterschießen oder über spannende Wahlabende aktuell berichten zu können. Nur 20 Minuten später landen bereits die ersten Pakete mit frischgedruckten Zeitungen über Förderbänder direkt auf den Ladeflächen der Transporter, die sie auf schnellstem Wege zu den wartenden Zustellern überall in der Grafschaft bringen.

So begann auch die Produktion in der Nacht zu Sonnabend. Keine halbe Stunde nach Druckbeginn jedoch, als die ersten 2000 Zeitungen schon auf dem Weg zum Pressegroßhandel waren, der sie gemeinsam mit vielen anderen Zeitungen an rund 150 Verkaufsstellen im Landkreis weiterverteilt, da stand die Druckmaschine plötzlich still. „Das kann wohl mal vorkommen“, sagt GN-Betriebsleiter Maik Hofsink: „In der Regel lässt sich der Fehler dann in wenigen Minuten beheben.“

Dass wir den Druck schließlich abbrechen mussten, war ein ganz bitterer Moment für uns. Das ist in meinem ganzen Berufsleben noch nie vorgekommen.
GN-Betriebsleiter Maik Hofsink

Diesmal jedoch nicht. Auch ein Bereitschaftsdienst des Maschinenherstellers „manroland“, der in der Nacht extra telefonisch aus Australien zugeschaltet wurde, war nach stundenlanger Fehlersuche ratlos. „Dass wir den Druck schließlich abbrechen mussten, war ein ganz bitterer Moment für uns. Das ist in meinem ganzen Berufsleben noch nie vorgekommen“, bekennt Hofsink, der seit fast 25 Jahren bei den GN arbeitet.

So eine Druckmaschine hat die Ausmaße eines Wohnhauses, ist 12 Meter hoch und 15 Meter lang. 200 Tonnen Stahl sind verarbeitet. Der Koloss steht auf einem zehn Meter dicken Fundament aus Beton, damit er absolut vibrationsfrei läuft. Das ist auch erforderlich, denn in einer solchen Rotationsdruckmaschine rotieren ganz viele Bauteile gleichzeitig in rasendem Tempo. „Der Druckmaschinenbau ist nach dem Flugzeugbau der anspruchsvollste Maschinenbau“, weiß Maik Hofsink. Rund 40 Rechner sorgen dafür, dass die mehr als 1000 Antriebe und Stellmotoren in exakt aufeinander abgestimmten Geschwindigkeiten laufen.

Und genau da lag in der Nacht zu Sonnabend das Problem: Die hochmoderne Steuerungstechnik, in die die Grafschafter Nachrichten zuletzt erneut eine Million Euro investiert hatten, meldete fehlende Werte bei der Geschwindigkeitsmessung und hatte deshalb den Betrieb aus Sicherheitsgründen komplett eingestellt.

„Oh je, das ist wohl das Schlimmste, was einer Zeitung passieren kann. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr es bis zum nächsten Lauf reparieren könnt“, schrieb eine Leserin in den vielen Zuschriften, die am Sonnabend bei den GN eingingen. Bis zum nächsten „Lauf“, also bis zur Nacht von Sonntag auf Montag, gelang die Reparatur tatsächlich. Am Samstagmittag stand endlich fest: Ein zentraler elektronischer Antriebsregler hatte einen Defekt. „Das Problem war, den Fehler zu finden, nicht, ihn zu beheben“, erläutert Betriebsleiter Maik Hofsink: „Das Ersatzteil hatten wir auf Lager.“ Ein Ersatzteil übrigens, das seinen Preis hat: Rund 10.000 Euro kostet allein dieses komplexe Bauteil.

Am Sonntag lief alles wieder rund: Blick auf den Leitstand der Rotationsdruckmaschine. Fotos: Steffen Burkert

© Burkert, Steffen

Am Sonntag lief alles wieder rund: Blick auf den Leitstand der Rotationsdruckmaschine. Fotos: Steffen Burkert

In der Nacht zu Sonnabend hatte die vergebliche Fehlersuche weitreichende Folgen: Fünf Mitarbeiter im Versand, acht Fahrer und 170 Zusteller warteten stundenlang vergeblich auf die druckfrischen Zeitungen. 2600 Abonnenten konnten immerhin noch mit Exemplaren beliefert werden, die vor dem Stillstand aus der Maschine gekommen waren. In diesen Zustellbezirken waren die Boten bis in den Morgen unterwegs. „Die hatten eine ganz lange Nacht“, berichtet Jens Bugiel, Leiter der GN-Verlagslogistik. Alle anderen Abonnenten aber gingen leer aus.

Die Folge: Es wollten so viele Leser gleichzeitig bei den GN nachfragen, wo ihre Zeitung blieb, dass die Telefonanlage den Ansturm nicht bewältigen konnte. Allein auf dem Anrufbeantworter sammelten sich in kürzester Zeit 700 Anfragen. Über Bandansagen sowie Hinweise auf GN-Online und Facebook informierte der Verlag seine Leser und bat um Verständnis. Wer die Zeitung zumindest in digitaler Form statt auf Papier lesen wollte, profitierte von einem kostenfreien Zugang, den die GN frühmorgens auf die Schnelle einrichteten. Das kam bei den Lesern gut an, konnte aber nicht über die fehlende Zeitung hinwegtrösten: „Hoffe, dass bald alles wieder in Ordnung ist“, bekannte eine GN-Leserin: „Dann schmeckt der Frühstückskaffee besser.“