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02.06.2020, 14:58 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Corona-Zwischenfazit des Jobcenters: Antragsflut blieb aus

Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen sind auch beim Jobcenter bereits spürbar. Die befürchtete Antragsflut blieb aus. Das teilt der Landkreis Grafschaft Bentheim mit.

Beim Jobcenter gab es keine langen Wartezeiten. Foto: dpa

Beim Jobcenter gab es keine langen Wartezeiten. Foto: dpa

Nordhorn „Wir hatten vor allem zu Beginn des Lockdowns mit stark steigenden Antragszahlen gerechnet“, berichtet Valentin Drechsler, Leiter des Grafschafter Jobcenters. „Gerade aufgrund der vielen kleinen und mittelständigen Unternehmen, einem hohen Anteil an Geringverdienern und Arbeitsnehmerüberlassung, haben wir uns darauf vorbereitet.“ Tatsächlich wurden von Mitte März bis Ende Mai 556 Anträge auf Grundsicherung für Arbeitssuchende gestellt – das sind zwar 86 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum – jedoch ausgehend von dem regional relativ geringen Niveau. Die zusätzlichen Anträge kamen vor allem aus den Bereichen Frisör/Kosmetik, Gastronomie, Schaustellergewerbe, Partyservice, Therapie sowie von Honorarkräften. „Die große Antragsflut blieb aber glücklicherweise aus und der Trend ist im SGB II seit den ersten Lockerungen rückläufig“, so Drechsler.

Die mediale Kommunikation des Sozialschutzpaketes hatte allerdings bei einigen Antragstellern eine falsche Erwartungshaltung über den Zugang zu den Leistungen geweckt. „Verwundert und gar in Teilen verärgert waren einige darüber, dass doch ‚so viele‘ Unterlagen eingereicht werden müssen“, führt Heidrun Vana, Bereichsleiterin für die Leistungsgewährung aus. „Andere wiederum waren enttäuscht darüber, keinen Anspruch zu haben, weil der Partner oder die Partnerin über Einkommen verfügte. Aber viele waren in diesen Zeiten großer Verunsicherung für unsere Beratung und die schnelle Bearbeitung sehr dankbar.“

Gleichzeitig brachte Corona den Bereich der Arbeitsvermittlung quasi über Nacht zum Erliegen. „Arbeitgeber hatten und haben zurzeit viele Sorgen, aber in den vergangenen zwei Monaten ausnahmsweise nicht die der Personalgewinnung“, erläutert Mareen Schubert, Bereichsleiterin für die Arbeitsvermittlung. Genug zu tun gab es trotzdem. „Die Qualifizierungs- und Vermittlungsmaßnahmen für Arbeitssuchende haben ihren Betrieb in Hochgeschwindigkeit auf digitale Formate umgestellt. Wir haben die Neuantragsteller telefonisch kontaktiert und über die nächsten beruflichen Schritte beraten und Arbeitsvermittler wie Fallmanager haben nach Kräften unser stark gefordertes Gesundheitsamt unterstützt“, berichtet Schubert weiter. „Nun wollen wir wieder stärker in die persönliche Beratung einsteigen – das ist schließlich das wichtigste und wirksamste Instrument der Arbeitsvermittlung.“ Unter Beachtung strenger Hygiene- und Gesundheitsschutzstandards hält damit die ‚neue Normalität‘ auch im Jobcenter Einzug.

Etwas sorgenvoll betrachten Mareen Schubert und Valentin Drechsler das aktuelle Ausbildungsjahr. Aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten werden wohl einige Betriebe dieses Jahr mit der Ausbildung aussetzen. „Durch die Pandemie ist aber der Fachkräftemangel nicht plötzlich verschwunden“, erläutert Drechsler. „Das wird uns besonders eindringlich in den pflegerischen Berufen bewusst, aber es gibt natürlich weiterhin viele betroffene Branchen.“ Der Verzicht einiger Ausbildungsbetriebe stellt für andere zugleich eine einmalige Chance dar. „Ich empfehle gerade Betrieben, denen die Besetzung von Ausbildungsplätzen in den letzten Jahren schwer gefallen ist, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und in diesem Jahr die Bemühungen um die wertvollen Auszubildenden zu intensivieren“, rät Schubert abschließend.

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