Grafschafter Nachrichten
30.04.2020

Corona treibt Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in die Höhe

Corona treibt Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in die Höhe

Die Agentur für Arbeit hat ihre neuesten Zahlen vorgelegt. Symbolbild: dpa

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden nun auch auf dem Arbeitsmarkt sichtbar. Gegenüber dem Vormonat ist die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk der Agentur für Arbeit Nordhorn deutlich angestiegen. In Niedersachsen klettert Kurzarbeit auf Höchstwerte.

Nordhorn/Hannover Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden nun auch auf dem Arbeitsmarkt sichtbar. Gegenüber dem Vormonat ist die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk der Agentur für Arbeit Nordhorn deutlich angestiegen. Insgesamt nahm die Arbeitslosigkeit um 1115 auf 7623 Personen zu, eine Steigerung um 17,1 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Arbeitslosigkeit an Ems und Vechte sogar um 29,8 Prozent. „Das ist der höchste Anstieg im Land Niedersachsen“, kommentiert Hans-Joachim Haming, Chef der Nordhorner Arbeitsagentur, die aktuellen Arbeitsmarktzahlen. „Der Arbeitsmarkt ist negativ in Bewegung. Leider müssen wir auch in den kommenden Monaten mit einer Steigerung der Arbeitslosenzahlen rechnen.“ Die Arbeitslosenquote lag im April bei 2,9 Prozent.

Anstieg der Arbeitslosenzahlen erwartet

Dass der Arbeitsmarkt unter Druck steht, wird auch an der Entwicklung der Zahlen zur Kurzarbeit deutlich. Im Berichtsmonat April wurden durch die Agentur für Arbeit Nordhorn 3643 Anzeigen auf Kurzarbeitergeld erfasst und geprüft, davon 2490 aus dem Emsland und 1153 aus der Grafschaft. Im Vormonat lag die Gesamtzahl bei 414.

„Die enorme Zunahme bei den Anzeigen auf Kurzarbeitergeld zeigt die Wucht der Pandemie für den Arbeitsmarkt“, so Haming. „Rund ein Drittel der Betriebe sind derzeit von Kurzarbeit betroffen. Wir haben massiv Personal aufgestockt, damit Anträge zügig bearbeitet und Kurzarbeitergeld schnell ausgezahlt werden kann.“

Haming weist daraufhin, dass vor allem die schnelle und unbürokratische Hilfe der vergangenen Wochen vielen Unternehmen geholfen habe. „So konnten Entlassungen und Insolvenzen vorerst vermieden werden. Wie es in den nächsten Wochen und Monaten weitergeht, hängt primär davon ab, wie schnell die Pandemie eingedämmt und die Wirtschaft wieder hochgefahren werden kann. Es ist aber davon auszugehen, dass es nicht jedem Unternehmen gelingen wird, das Personal zu halten, so dass wir auch mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenzahlen rechnen.“

Die in den Anzeigen enthaltene Anzahl der Beschäftigten liegt im Agenturbezirk bei 45.929. Im Landkreis Emsland betrifft es 32.108 und im Landkreis Grafschaft Bentheim 13.821 Beschäftigte. Ob und in welchem Umfang für diese Beschäftigten dann Kurzarbeit eintritt, lässt sich allerdings aktuell nicht prognostizieren. Besonders betroffen sind die Branchen Einzelhandel, das Gesundheitswesen und das Gastgewerbe.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Landkreisen

Im Emsland waren im Monat April insgesamt 5401 Personen arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosenquote liegt bei 2,9 Prozent. Verglichen mit dem Vormonat nahm die Zahl der Arbeitslosen um 792 Personen (+17,2 Prozent) zu.

In der Grafschaft Bentheim nahm die Zahl der Arbeitslosen ebenfalls zu. Hier gab es mit 2222 Arbeitslosen 323 Personen (+17,0 Prozent) mehr als im Monat März. Die Arbeitslosenquote beträgt 2,9 Prozent.

Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit)

Ergänzend zur Arbeitslosenstatistik werden auch Daten zur Unterbeschäftigung veröffentlicht. Dazu zählen die gesetzlich definierten Arbeitslosen sowie Personen, die nicht als arbeitslos gelten, aber ohne Beschäftigung sind, etwa in Maßnahmen beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten und Sonderregelungen für Arbeitslose. Die Unterbeschäftigung umfasste im Agenturbezirk nach vorläufigen Angaben im April 11.319 Personen.

Stellenmarkt

Im April zeigten Betriebe und Verwaltungen der Agentur für Arbeit Nordhorn 454 offene Stellen an. Das sind 583 oder 56,2 Prozent weniger als im Vormonat - einer der stärksten Rückgänge im Agenturbezirk überhaupt. Insgesamt gab es im April 4419 Stellen, über deren Besetzung noch nicht endgültig entschieden war.

Stellenzugänge kamen vor allem aus der Produktion und Fertigung, dem Gesundheits- und Sozialwesen und aus der Logistik.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Arbeitslosenversicherung (Sozialgesetzbuch III /Arbeitslosengeld I) und in der steuerfinanzierten Grundsicherung (Sozialgesetzbuch II / Arbeitslosengeld II) verlief im April im Vergleich zum Vormonat tendenziell gleich. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung nahm die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem

Vormonat um 764 oder 22,6 Prozent auf 4.151 Personen zu. Bei den für die steuerfinanzierte Grundsicherung verantwortlichen Jobcentern ist die Arbeitslosenzahl im April gegenüber dem Vormonat um 351 bzw. 11,2 Prozent auf 3.472 Personen gestiegen.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Mit 4314 arbeitslosen Männer waren 669 mehr im Bestand als noch im März. Bei den Frauen war eine Steigerung von 446 auf insgesamt 3309 Personen zu verzeichnen. Der Anteil der Frauen an allen Arbeitslosen betrug 43,4 Prozent, der der Männer lag bei 56,6 Prozent.

Von den Arbeitslosen waren 11,5 Prozent Jugendliche. Die Arbeitslosenzahl stieg auf 875 Personen (+194). Die Zahl der arbeitslosen Ausländer stieg auf 1.904 Personen. Das waren 297 oder 18,5 Prozent mehr als im Vormonat und 542 oder 39,8 Prozent mehr als im April 2019. Zu der Gruppe der Ausländer gehören sowohl Menschen, die schon länger im Emsland und in der Grafschaft Bentheim leben, als auch neu hinzugekommene Flüchtlinge1 und Zuwanderer.

Höchststand in Niedersachsen

Die Corona-Krise hat auch die Kurzarbeit in Niedersachsen auf einen neuen Höchststand getrieben. Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Hannover mitteilte, zeigten die Unternehmen im März und April für bis zu eine Million Beschäftigte eine Verringerung der regulären Arbeitszeit an - zehn Mal häufiger als in der Finanzkrise 2009/2010. Die Zahl der Arbeitslosen nahm zwischen März und April um rund zwölf Prozent auf fast 247 000 zu. Im Land Bremen gerieten bis zu 125 000 Menschen durch die Auswirkungen der Pandemie in Kurzarbeit, die Zahl der Arbeitslosen stieg um gut ein Zehntel. Landesweit hätten 69 000 Betriebe Kurzarbeit für Teile ihrer Belegschaften angemeldet. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,6 Punkte auf 5,7 Prozent. (Mit dpa/lni)

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