Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
30.09.2017, 05:01 Uhr

Tausende verfolgen Elisas Schicksal

Elisa Buscher aus Nordhorn erhielt vor einem Jahr die niederschmetternde Diagnose Krebs. Wenige Monate später fängt sie an, im Internet über ihre Krankheit zu berichten. Im GN-Interview erzählt sie, was sie dazu motiviert.

Tausende verfolgen Elisas Schicksal

Viel Lebenskraft strahlt Elisa Buscher trotz ihrer Erkrankung aus. Die 19-Jährige kämpft gegen einen Blutkrebs. Foto: Westdörp

Von Oliver Wunder

Nordhorn. Kurz nach ihrem 18. Geburtstag musste Elisa Buscher aus Nordhorn plötzlich ins Krankenhaus. Die Ärzte fanden einen zehn Zentimeter großen Tumor unterhalb ihres Brustbeins und mehrere befallene Lymphknoten. Nach einer Knochenmarkspunktion stellten die Ärzte die Diagnose: Lymphatische Leukämie. Das war vor etwa einem Jahr. Inzwischen hat die 19-Jährige einen eigenen Weg gefunden, mit ihrer Krebs-Erkrankung umzugehen. Sie berichtet darüber im Internet in einer Art Fototagebuch auf Instagram und neuerdings in einem Blog. Mehr als 19.000 Menschen folgen ihr in dem sozialen Netzwerk.

Elisa, du gehst sehr offen mit deiner Krebs-Erkrankung um, du berichtest fast täglich mit neuen Fotos und kurzen Videos darüber, seit kurzer Zeit schreibst du auch ein ausführliches Internettagebuch. Wieso?

Warum soll ich mich verstellen? Das tut mir gut und hilft mir, mit der Krankheit umzugehen. Ich habe viel positives Feedback bekommen. Es hat sich mit der Zeit entwickelt und kommt gut an, dass ich so offen damit umgehe.

Das erste Bild zeigt mich mit Mütze, da wurde ich gerade aus dem Krankenhaus entlassen und hatte erstmals wieder Zeit für mich. Es geht mir dabei nicht um Abonnenten, sondern darum, dass das Leben weiter geht – auch trotz schwerer Krankheit.

Wie schwierig ist es, etwas zu veröffentlichen, wenn es dir mal nicht so gut geht?

In den vergangenen Tagen ist es etwas ruhiger geworden, weil ich mein Abi 2018 nachholen will, denn wegen der Krankheit konnte ich ein Jahr nicht zur Schule gehen. Das Thema Abitur beschäftigt mich sehr. Es fällt mir schon schwer in schwierigen Zeiten, etwas zu posten. Ich finde es wichtiger, Fotos zu veröffentlichen, wenn diese traurigen Phasen überwunden sind, Bilder die zeigen, dass es Licht am Ende des Tunnels gibt.

Ich gehe aber offen mit Tiefs um und versuche, mich wieder rauszuziehen. Der starke Rückhalt in der Familie hilft mir, damit umzugehen. Den Krebs muss ich alleine besiegen, aber das Drumherum ist sehr bedeutend.

Hat dich jemand inspiriert?

Zum Bloggen haben mich andere Krebspatienten gebracht. Mit einer habe ich sehr guten Kontakt und werde sie bald das erste Mal auf einer Charity-Aktion treffen. Die Leute fragen unter den Bildern oft, was ich denn genau habe, zur Erklärung ist jetzt der Blog da. Das Texten dafür macht mir viel Spaß und hilft mir beim Ziel Abi 2018.

Wie haben deine Familie und deine Freunde auf diese Offenheit reagiert?

Es finden alle gut, dass ich mich nicht verkrieche. Aber auch wenn ich viel poste, behalte ich weiterhin meine Privatsphäre und gebe nicht alles preis. Viele Dinge bespreche ich nur mit meinen engsten Vertrauten. Vor allem kann ich froh sein, eine so tolle Familie zu haben.

Was bekommst du für Rückmeldungen deiner Abonnenten?

Ich bekomme überwiegend positive Reaktionen. Es melden sich viele Jugendliche bei mir, denen es ähnlich geht, die gerade die Krebs-Diagnose bekommen haben oder am Anfang einer Therapie stehen. Wir tauschen uns dann aus, wie man es am besten durchsteht. Es kommen aber auch viele, die den Krebs überwunden haben und mir schreiben, dass sie Respekt für meinen offenen Umgang damit haben.

Ein paar blöde Kommentare gibt es manchmal, auf die ich aber nicht reagiere. Ich finde es respektlos, wenn andere etwas Negatives schreiben, denn es gibt genug Negatives mit der Krankheit. Aber das sind höchstens zwei von 19.000 Abonnenten.

Du nennst deine Tumore Voldemort. Warum?

Als die Tumore noch da waren, hat mir jemand bei Instagram erzählt, dass er seinen Tumoren einen Namen gegeben hat. Das hat mir gefallen. Es sollte kein schöner Name sein, denn es ist ja etwas Böses. Ich bin großer Harry-Potter-Fan und so kam ich auf die Idee, sie Voldemort zu nennen. Er ist in der Geschichte das Böse. Und Harry Potter hat ihn am Ende besiegt.

Wie hat sich der Krebs auf dein Leben ausgewirkt?

Die Diagnose hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Erst im Januar oder Februar habe ich richtig realisiert, dass ich schwer erkrankt bin. Irgendwann konnte ich es nicht mehr leugnen. Vorher war ich mega der Sportfan, habe Fußball gespielt und wollte Sport-Abi machen. Aus der Schule bin ich für ein Jahr raus und muss alles komplett wiederholen. Aber meine Familie und meine Freunde stehen hinter mir und unterstützen mich bei allem.

Welche Botschaft hast du für die GN-Leser?

Informiert euch über die DKMS-Typisierung! Und bitte geht Blutspenden! Beides kann über Leben und Tod entscheiden.

Ich habe selber Transfusionen bekommen, bin aber bisher nicht auf eine Stammzellenspende angewiesen. Aber weil viele andere Patienten auf meiner Station das gebraucht haben und teilweise gestorben sind, weiß ich, wie wichtig es ist.

Krebs ist kein Tabuthema. Nur weil man die Diagnose bekommt, heißt es nicht, dass das Leben vorbei sein muss. Ein offener Umgang damit kann helfen. Jedoch muss jeder selber wissen, wie er damit umgeht.

Auf Instagram und in ihrem Blog erzählt Elisa Buscher von ihrem Kampf gegen den Krebs: www.instagram.com/elisabu6 und ichundvoldemort.weebly.com.

Lesermeinung
Bitte melden Sie sich an, um Kommentare lesen und schreiben zu können.
Jugendportal

GN-Szene.de ist das Portal von Jugendlichen aus der Grafschaft für Jugendliche aus der Grafschaft. Hast du Ideen oder Anregungen, möchtest du vielleicht selbst für GN-Szene.de schreiben, fotografieren oder filmen? Dann melde dich gerne unter szene@gn-online.de.

Ausbildung

Deine Leidenschaft, deine Zukunft, dein Job.

Ausbildungsplätze, Praktika, Ferienjobs ...