Grafschafter Nachrichten
06.08.2018

Mia Julia: „Ich bin stolz, ein Dorfkind zu sein“

Mia Julia: „Ich bin stolz, ein Dorfkind zu sein“

Mia Julia begeisterte ihre Fans am Freitag in Schüttorf „Index“. Foto: Rehbock

Party im Mallorcastyle: Das verspricht Sängerin Mia Julia ihren Fans – und das lieferte sie am Freitag im Schüttorfer „Index“ auch ab. Die „Mallorca-Queen“ stand nach dem Auftritt den GN noch Rede und Antwort.

Schüttorf Die Temperaturen haben sich am Freitag in Schüttorf ganz dem Motto „Feiern im Mallorcastyle“ angepasst. Während draußen angenehme 23 Grad herrschten, standen die jungen Menschen im „Index“ um kurz vor halb zwei nachts und bei knapp 30 Grad Innentemperatur dicht gedrängt im Tender. Denn niemand anderes als die „Mallorca-Queen“ selbst, Mia Julia, sprang in knappen Shorts, bauchfreiem Top und einer pinken Cap pünktlich um halb zwei auf die Bühne. Mit dem Song „Endlich wieder Malle“ begann die 31-jährige Sängerin, die sonst vier Mal in der Woche am Ballermann auftritt, ihre Bierkönig-Show.

Sympathisch und nah an den Fans

Schon zum dritten Mal stand Mia Julia Brückner, wie die Sängerin mit vollem Namen heißt, auf der Bühne im „Index“. Textsicher sangen die überwiegend jungen Fans Hits wie „Mallorca, da bin ich daheim“ oder „M.i.a. Meine Gang“ mit. Gute Stimmung herrschte auch beim nächsten Song: „Oh Baby“. „Und jetzt singen nur mal meine Mädels“, forderte die blonde Sängerin. Kein Problem für das Grafschafter Publikum, denn mindestens die Hälfte ihrer Fans ist weiblich. Nicht zuletzt wegen ihrer sympathischen Art.

Auch am Freitag in Schüttorf gab sich Mia Julia wieder sehr Fan-nah, nahm sich nach dem Auftritt Zeit für Fotos und erzählte zwischen den Liedern viel von ihrem Leben auf Mallorca oder zu den Hintergründen ihrer Songs. „Wer von euch ist denn auch ein Dorfkind?“, fragte die Sängerin und bekam ein euphorisches Jubeln des Publikums als Antwort. „Ich bin stolz darauf, ein Dorfkind zu sein“, sagte Brückner weiter und stimmte ihren Song „Dorfkind“ an.

Seit April bleiben die Klamotten an

Nur auf eins mussten die Grafschafter an diesem Abend verzichten: nackte Brüste. Lange war die 157 Zentimeter kleine Sängerin dafür bekannt, sich auf der Bühne auszuziehen. Seit April bleiben die Klamotten aber an. „Meine Fans haben mir immer öfter geschrieben und gesagt, dass ich das nicht mehr nötig habe“, erzählte Brückner gegenüber den GN. Knapp bekleidet zeigte die durchtrainierte Sängerin trotzdem viel Haut und wurde auch so von ihrem Publikum angehimmelt. Zum Dank gab es eine ausgiebige Zugabe.

Nach 50 Minuten Show und den Abschiedsworten „Ihr seid die Geilsten, wir sehen uns im Bierkönig, Leute“, ging die 31-Jährige wieder von der Bühne. Obwohl der Wecker der Sängerin rund vier Stunden später schon wieder klingelte, nahm sie sich noch Zeit für ein Interview mit den GN.

Mia, du bist jetzt schon zum dritten Mal im „Index“. Mal ganz ehrlich, macht dein Booker die Termine alleine oder sagst du selbst mal, dass du wieder hierhin möchtest?

Mein Booker macht zwar die meisten Termine, aber ich werde definitiv nicht gezwungen, irgendwo aufzutreten. Wenn ich ihm sage, dass ich irgendwo unbedingt wieder hin will, habe ich natürlich Mitspracherecht. Hier ist es so: Wenn das „Index“ anruft, muss mein Booker den Gig auf jeden Fall klar machen.

Ich habe mir mal deinen Terminkalender angeschaut: Am Mittwoch warst du im Oberbayern, am Donnerstag im Bierkönig, heute bist du hier in Schüttorf, morgen hast du zwei Open-Air-Auftritte, Sonntag bist du wieder im Bierkönig, Montag wieder in Deutschland bei einem Auftritt und erst Dienstag hast du einen Tag frei. Wie hält man das durch?

Böse Zungen würden vielleicht behaupten, dass ich irgendwelche Aufputschmittel nehme. Aber eigentlich bin ich nur hyperaktiv. Ich denke, deswegen packe ich das. Ich war schon früher immer ein Zappelphilipp. Seitdem ich auf der Bühne stehe und so viel unterwegs bin, fühle ich mich endlich ausgeglichen. Körperlich am Ende bin ich aber kaum. Meistens macht dann eher die Stimme nicht mehr mit. Nach dem dritten Gig am Tag bin ich aber wohl fertig.

Viele verbinden Ballermann mit Schlagern von Künstlern wie Bernhard Brink. Du nennst deinen Musikstil Mallorcastyle. Was unterscheidet ihn von den typischen Schlagern?

Ich würde sagen, dass mein Team und ich die Vorreiter vom „jungen Mallorca“ sind. Der Mallorcastyle ist kein Schlager, sondern Partymusik mit modernen Beats. Er soll das Gefühl vom Feiern vermitteln, und meine Fans sollen dabei den Alltag einfach mal ausschalten können.

Hörst du privat eigentlich auch Party-Schlager?

Klassische Schlager höre ich gar nicht. Party-Schlager gehen beim Feiern immer. Aber wenn ich wirklich mal chillen will, höre ich viel deutschen Hip-Hop oder Charts. Es kommt immer darauf an, wie ich drauf bin. Ich höre gerne Kontra K, Kool Savas, Trettmann oder auch ganz viel von Chakuza.

Wenn die Menschen den Namen „Mia Julia“ hören, sagen viele immer noch: „Ist das nicht die, die sich immer auf der Bühne auszieht?“ Wie gehst du mit solchen Kommentaren um?

Ich hab auf meinem Finger „Nackt ist geil“ tätowiert, also ich finde nackt sein wirklich gut. Ich fühle mich nackt auch echt wohl. Ich hab mich auf der Bühne nicht ausgezogen, weil ich es muss, sondern aus Überzeugung. Klar, es hat polarisiert. Aber wer meine „nackte Show“ gesehen hat weiß, dass ich immer versucht habe, es lustig zu machen. Deswegen sind mir solche Kommentare eher egal.

Bei unserem Interview Heiligabend 2016 hast du erzählt, dass „Mallorca, da bin ich daheim“ dein Lieblingssong ist. Wie sieht es heute aus?

„Endlich wieder Malle“ ist so ein Song, den die Leute wirklich krass feiern. Es hat sich tatsächlich herausgestellt, dass er jetzt mein Lieblingssong ist. Es ist einfach cool, wenn die Leute den Song an der Playa oder am Flughafen singen.

Ein Song von dir heißt „Dorfkind“. Du bist im bayerischen Moorenweis aufgewachsen, das mit rund 4000 Einwohnern auch noch als Dorf zählt. Was sind für dich die Vorteile in einem Dorf aufzuwachsen?

Auf dem Dorf gehen die Menschen anders miteinander um. Auf der Straße sagen sich alle Hallo. Es ist auch einfach eine ganz andere Atmosphäre. Natürlich ist eine Großstadt auch geil, aber auf dem Dorf verbringt man seine Jugend noch ganz anders. Ich bin, wie gesagt, stolz darauf, ein Dorfkind zu sein.

Ende vergangenen Jahres warst du auf deiner ersten eigenen Konzert-Tour unterwegs. Kannst du in drei Worten beschreiben, wie das für dich war?

Oh Gott, drei Wörter reichen gar nicht. Ich würde sagen: Atemberaubend, wunderschön und extrem laut.

Die Tour geht dieses Jahr ja quasi noch weiter. Was dürfen wir denn im Dezember beim großen „Geile-Zeit-Tour-Finale“ erwarten?

Alles kann ich natürlich nicht verraten. Aber wir haben wieder musikalische Gäste am Start. Meine Kumpels, die Atzen, sind dabei – darauf freue ich mich extrem. Oli.P, mit ihm habe ich ja auch den Song „Sag nur“ zusammen, Sabbotage ist dabei und der deutsche Rapper Kool Savas, von dem ich ein großer Fan bin.

Was reizt dich mehr? Eine 45-minütige Club-Show, wie heute im „Index“, oder ein zweistündiges Konzert mit Live-Rockband?

Da kann ich mich echt nicht entscheiden. Mein Herz schlägt für den Bierkönig und im Oberbayern hatte ich meinen allerersten Auftritt auf Mallorca. Aber die großen Konzerte sind auch geil. Dadurch bewegt man auch etwas in der Branche. Viele haben letztes Jahr gesagt, dass man mit Party-Schlagern keine großen Konzerte geben kann. Und mein Team und ich haben gezeigt, dass es doch geht. Ich mag die Mischung aus beidem – Clubs und Konzerte.

Auf Instagram hast du mehr als 211.000 Abonnenten. In deinen Storys sprichst du sehr offen über dein Sexleben. Wieso?

Ich habe von der Fake-Welt die Schnauze voll. Ich zeige mich bei Instagram, auch wenn ich nicht perfekt geschminkt bin. Oder ich mache Videos während der Shows, auf denen ich voll verschwitzt bin. Ich bin für mehr Echtheit und mehr Real-Talk. Ich möchte meinen Fans echte Tipps geben, die ihnen helfen.

Hättest du vor fünf Jahren gedacht, dass du 2018 die Mallorca-Queen sein wirst?

Im Leben nicht. Also, mein Team und ich haben alles dafür gegeben, etwas zu wuppen. Aber dass es so steil geht und so eskaliert, hätte niemand auf der Insel erwartet. Selbst die Chefs vom Bierkönig fragen mich immer wieder, was ich mit den Leuten mache, die immer zu meinen Auftritten kommen. Da kommen wir alle nicht drauf klar und ich am Allerwenigsten.

Ab September sollen ja voraussichtlich die neuen Benimmregeln am Ballermann in Kraft treten. Zum Beispiel müssen dann Bußgelder bezahlt werden, wenn es Saufgelage mit mehr als zehn Personen gibt. Was hältst du von den Regeln?

Ich wohne sehr im Geschehen am Ballermann. Und ich weiß, dass die Leute an der Playa trotz der Regeln draußen sitzen und feiern, Musik hören und Alkohol trinken. Wenn alles im Rahmen ist, lässt die Polizei die Leute in Ruhe. Glasflaschen sind ja zum Beispiel auch schon verboten, aber das finde ich persönlich sehr gut. Besonders wenn es um den Müll geht, finde ich, dass die Leute da sowieso ordentlicher werden sollten.

Seit April gibt es ja schon das Auszieh-Verbot im Bierkönig. Was war dein erster Gedanke, als du von dem Verbot gehört hast?

Es war eigentlich kein direktes Verbot. Der Bierkönig hatte ein paar Sachen geändert und mich dann gefragt, wie es bei mir mit dem Ausziehen weitergehen soll. Zu diesem Zeitpunkt wurden auch die Stimmen meiner Fans lauter, dass ich mich nicht mehr ausziehen muss. Die Frage vom Bierkönig war dann im Endeffekt der Auslöser, der dazu führte, dass ich mich nicht mehr auf der Bühne ausziehe. Auch wenn ich gerne nackt geblieben wäre. (Lacht.)

Du bist jetzt 31, der Pachtvertrag vom Bierkönig wurde vor Kurzem um 20 Jahre verlängert, danach soll dort anscheinend ein Hotel entstehen. Wird man dich beim Abschiedskonzert im Bierkönig sehen oder wo siehst du dich in 20 Jahren?

Ich hoffe wirklich, dass ich mein Leben lang mit Musik zu tun haben werde. Das Schöne ist ja, dass ich zusammen mit meinen Fans altere. Mein Wunschgedanke ist es ja, dass man später auch noch zusammen feiert und ich meine Fans mit meiner Musik in die Jugend, also in die jetzige Zeit, zurückversetzen kann. So nach dem Motto „Wisst ihr noch, damals“. Und wenn der Bierkönig wirklich aufhört, hoffe ich doch, dass ich dann da bin.

Du hast dieses Jahr mit dem „Der Beat zum Springen“ erst eine Single herausgebracht. Wird es noch weitere geben?

Ich weiß es nicht. Wir strukturieren gerade einiges um. Wir arbeiten derzeit an einem ganz neuen Album, das noch Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres erscheinen soll und mit dem wir auch nächstes Jahr wieder auf eine noch größere Tour gehen werden. Geplant sind dabei ausschließlich Konzerte an den Wochenenden und nicht unter der Woche, damit auch wirklich alle Zeit haben. Und dieses Mal bleiben wir nicht nur in Deutschland, sondern wollen auch in die Niederlande, nach Frankreich, Luxemburg oder auch Österreich.

(c) Grafschafter Nachrichten 2017 . Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Grafschafter GmbH Co KG.