Grafschafter Nachrichten
17.01.2018

„Foodsharing“: In den Mund statt in den Müll

„Foodsharing“: In den Mund statt in den Müll

Rebekka Bareith (links) und Rosanna Steyer organisieren als Betriebsverantwortlichen des Teams die Abholungen der Lebensmittel. Foto: Sophie Menger

Mit einem Foodsharing-Regal wollen Studierende am Campus Lingen auf die Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen. Der „Fair-Teiler“ soll Lebensmittel vor der Mülltonne bewahren und damit gleichzeitig Studierende unterstützen.

Lingen. Ein kleines, weißes Regal steht zwischen dem KC- und dem KD-Gebäude am Campus Lingen und macht Menschen satt. Cornflakes-Packungen, Kaffeepulver und viele weitere Lebensmittel warten hier auf einen neuen Besitzer. Auf den ersten Blick wirkt das Regal ganz unscheinbar, gar verloren in der großen Halle an der Kaiserstraße.

Doch die dahinterstehende Idee ist eine ganz große. Denn es handelt sich hierbei um ein Foodsharing-Regal, liebevoll auch „Fair-Teiler“ genannt, welches im Rahmen eines ehrenamtlichen Projekts von Studierenden am Campus im Oktober 2017 eröffnet wurde.

Zu gut für die Tonne

Hinter dem Regal steht das Prinzip des Gebens und Nehmens: Jeder, der verwertbare Lebensmittel zuhause hat und diese nicht mehr braucht, kann sie im Regal ablegen. Ebenso kann sich hier jeder frei bedienen. Alle im „Fair-Teiler“ liegenden Lebensmittel sind kostenlos, da sie für den Verkauf nicht mehr geeignet sind und ansonsten im Müll gelandet wären.

Ziel des Foodsharings ist es, das Bewusstsein für den verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln zu stärken und auf die hohe Menge an weggeschmissenen Lebensmitteln aufmerksam zu machen. Denn rund 82 Kilogramm Lebensmittel werfen die Deutschen durchschnittlich im Jahr weg – eine erschreckend hohe Zahl pro Person.

Lebensmittel retten

Die ursprüngliche Idee hinter dem „Fair-Teiler“ stammt von zwei Studierenden des Instituts für Theaterpädagogik. Mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit konnten die Initiatoren mittlerweile knapp zehn weitere Studenten zum Mitmachen motivieren. Seit rund einem Jahr laufen die Kooperationen mit mehreren Lebensmittelläden, um Lebensmittel vor der Tonne zu retten.

Bisher konnten die ehrenamtlichen Helfer schon einen Bioladen, ein Reformhaus wie auch ein größeres Lebensmittelgeschäft für ihr Projekt gewinnen. Lebensmittel, die aufgrund des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht mehr in den Läden verkauft werden können, werden vier Mal wöchentlich von den Unterstützern eingesammelt. Anschließend werden sie an verschiedenen Stationen, zu denen nun auch der „Fair-Teiler“ am Campus gehört, verteilt.

Verantwortungsbewusstsein stärken

Auch die Studentinnen Rebekka Bareith und Rosanna Steyer engagieren sich ehrenamtlich für das Projekt. Als die Betriebsverantwortlichen des Teams organisieren die beiden die Abholungen der Lebensmittel, kümmern sich um den Kontakt zu den Kooperationspartnern und planen Projekttreffen.

„In den Köpfen vieler Menschen ist der Gedanke verankert, dass abgelaufene Lebensmittel nicht mehr essbar sind. Das Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums ist aber noch lange kein Grund, Lebensmittel in den Müll werfen zu müssen“, erklärt Theaterpädagogik-Studentin Rebekka Bareith ihre Motivation. Denn abgelaufen bedeutet nur in den seltensten Fällen, dass die Lebensmittel auch nicht mehr genießbar sind.

Noch keine Kühlmöglichkeit

Für ihr Foodsharing-Projekt bekommen die ehrenamtlichen Helfer viel Unterstützung seitens der Hochschule. Gefördert wird das Projekt „Foodsharing Campus Lingen“ durch den Projektfonds Nachhaltigkeit der Hochschule. Ein Lastenfahrrad und auch ein kleiner Handwagen stehen den Studierenden für den Transport der Lebensmittel bereits zur Verfügung.

Zukünftig geplant ist auch die Anschaffung eines Kühlschrankes, der neben dem „Fair-Teiler“ am Campus stehen soll. Denn die meisten der Lebensmittel, die die Helfer vor der Mülltonne bewahren, müssen kühl gelagert werden. Gerade die Notwendigkeit der Kühlung erschwert zurzeit noch die Lebensmittelverteilung.

Große Pläne

„In unseren Köpfen sind schon unzählige Ideen, wie man das Foodsharing-Projekt erweitern könnte. Eines unserer zukünftigen Ziele ist es, durch ein Regal im Stadtkern Lingens die Reichweite zu erhöhen und nicht nur auf Hochschulebene auf die Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen“, erzählt Rosanna Steyer begeistert von den Plänen der „Food-Saver“.

Doch für ihre ehrenamtliche Arbeit brauchen die Studenten Unterstützung. Um noch mehr Menschen die Augen öffnen zu können, freut sich das Team über jeden Interessierten. Da viele der aktiven Helfer in diesem Jahr ihren Hochschulabschluss machen und Lingen berufsbedingt verlassen werden, hoffen die Ehrenamtlichen auf motivierte Nachfolger.

Interessierte finden auf der Internetseite www.foodsharing.de weitere Informationen zum Thema sowie die Möglichkeit, sich mit anderen Lebensmittelrettern zu vernetzen. Das Foodsharing-Team aus Lingen ist über einen eigenen Facebook-Account erreichbar.

(c) Grafschafter Nachrichten 2017 . Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Grafschafter GmbH Co KG.