20.12.2019, 17:02 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Jugendzeltplatz in Freren wird geschlossen

Seit 1989 nutzen jährlich Hunderte den Jugendzeltplatz in Freren. Nach 2021 wird dies nicht mehr möglich sein: Aufgrund der zunehmenden Lärmbelästigung vor allem durch Musikanlagen und Beschwerden hat der Stadtrat beschlossen, den Platz zu schließen.

Auf dem Zeltlagerplatz Freren können rund 150 Personen übernachten. Foto: Stadt Freren

Auf dem Zeltlagerplatz Freren können rund 150 Personen übernachten. Foto: Stadt Freren

Freren „Es ist keine Freude, diesen Platz zu schließen. Wir bekommen die Probleme mit der steigenden Lärmbelästigung aber einfach nicht in den Griff“, erläuterte Frerens Stadtdirektor Godehard Ritz auf der letzten Sitzung des Stadtrates im Jahr 2019 den Vorschlag der Verwaltung, den Jugendzeltplatz auslaufen zu lassen, neue Anmeldungen nicht mehr anzunehmen und nach der Saison 2021 zu schließen. Die bereits zugesagten Gruppen sollen den Platz 2020 und 2021 aber noch nutzen können.

Zumindest unter der Voraussetzung, dass die geänderte Platzordnung akzeptiert wird. Demnach ist die Nutzung von elektronischen Audiogeräten und Lautsprecheranlagen auf dem Platz künftig untersagt. Dieses Verbot soll überprüft und bei Nichtbeachtung laut der Verwaltung auch konsequent geahndet werden, „bis hin zur vorzeitigen Beendigung des Zeltlagers“.

Denn vor allem die stetig zunehmende Nutzung von elektronischen Musikanlagen hat in den vergangenen Jahren zu einer immer höheren Lärmbelästigung geführt. Nach Beschwerden von Nachbarn über den Lärmpegel im Jahr 2016 hatte sich der Frerener Familien-, Jugend-, Kultur- und Sportausschuss im Februar 2017 erstmals mit der Problematik beschäftigt. Auf ein sofortiges Verbot zur Nutzung derartiger Anlagen wurde seinerzeit - noch - verzichtet.

Die Lagerleitungen wurden aber auf die Problematik aufmerksam gemacht und gebeten, zumindest während der Nacht- und Ruhezeiten auf laute Musik zu verzichten. Eine entsprechende Selbstverpflichtungserklärung musste ab 2017 von jeder Gruppe unterschrieben werden.

In der Zeltlagersaison 2017 hat es laut der Verwaltung auch keine Beschwerde gegeben. Anders als 2018 und 2019. „Trotz abgegebener Selbstverpflichtungserklärungen gab es wieder Beschwerden“, erklärte Ritz. Wieder ging es um elektronische Musik- und Lautsprecheranlagen, aber auch um den Lärm bei nächtlichen Überfällen zur Erbeutung des Lagerwimpels.

„Ich erinnere mich noch an meine Zeltlager und von einer Gitarre begleitete Gesangsabende am Lagerfeuer. Das ist heute wohl nicht mehr üblich und eher Diskoabende an der Tagesordnung. Auch die Aufforderung, doch zum Essen zu kommen, wird häufig schon über eine solche Anlage durchgegeben“, berichtete Frerens Bürgermeister Klaus Prekel.

Diese Tendenz zum Einsatz von immer mehr elektronischen Musikgeräten während der Jugendfreizeiten und in der Jugendarbeit im Allgemeinen bestätigte die Jugendreferentin der Pfarreiengemeinschaft Freren, Claudia Hohenbrink: „Jüngst auf einer Gruppenleiterschulung hat bestimmt jeder zweite Teilnehmer einen tragbaren Lautsprecher dabei gehabt, um in den Pausen seine eigene Musik hören zu können.“

Im September 2019 hat im Rathaus schließlich ein Gespräch mit Platzanliegern stattgefunden. „Diese waren der Auffassung, dass ein striktes Verbot von elektronischen Audiogeräten von den Jugendgruppen nicht eingehalten werden wird. Die Toleranzschwelle ist erreicht“, erklärte der Verwaltungschef. Mehrheitlich hatten sich die Anlieger (neun Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen) dabei für eine sofortige Schließung des Platzes ausgesprochen. Ritz: „Wir müssen reagieren, da sonst auch rechtliche Probleme zu erwarten sind“.

Inzwischen hat die Stadt die Leitungen der für 2020 und 2021 bereits genehmigten Lager über die Situation informiert, zwei Lagerleitungen haben auch einen Ersatzplatz gefunden. Die Suche sei aber schwierig, da Jugendzeltplätze inzwischen bis zu drei Jahre im Voraus gebucht werden. Dies bestätigte auch die Jugendpflegerin Claudia Hohenbrink: „Es wird immer schwerer, Plätze zu finden. Der Lärmpegel wird auch von immer mehr Anliegern solcher Plätze als störend empfunden. Kinder und Jugendliche aus Freren werden daher 2021 auch auf einen Platz ohne Küchenhaus fahren. Das erhöht natürlich den Organisations- und Aufbauaufwand.“

Jetzt werden auf dem zentrumsnah gelegenen und mit umfangreichen Spielflächen, WC- und Waschräumen sowie einer Großküche ausgerüsteten Platz in Freren 2020 voraussichtlich noch sechs und 2021 noch drei Gruppen erwartet.

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