Aktualisiert: 29.11.2021, 17:18 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Explosion und Gasaustritt bei Sonac in Lingen

Nach der Explosion beim Unternehmen Sonac an der Ulanenstraße in Lingen war eine gelbe Rauchwolke zu sehen. Foto: Julia Mausch

© Julia Mausch

Nach der Explosion beim Unternehmen Sonac an der Ulanenstraße in Lingen war eine gelbe Rauchwolke zu sehen. Foto: Julia Mausch

Von Thomas Pertz, Hermann Bojer und Julia Mausch

Lingen Beim Fleischverarbeiter Sonac an der Ulanenstraße in Lingen hat sich am Montag eine Explosion ereignet, Chemikalien sind ausgetreten.

Die Fenster vibrieren, als es gegen 12.50 Uhr auf dem Gelände des Fleisch verarbeitenden Unternehmens Sonac in Lingen einen lauten Knall gibt. „Ein Behälter ist explodiert“, sagt Erster Stadtrat Stefan Altmeppen. Zusammen mit Kollegen aus dem Fachbereich Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung ist er nach Brögbern gefahren, um sich ein Bild der Lage machen zu können.

Doch die Lage ist am Montag, als er gegen 15 Uhr vor die Presse tritt, noch nicht ganz klar. Es steht fest: Zwei Mitarbeiter haben sich bei dem Unfall verletzt. Eine Person hat einen Schock erlitten, eine weitere Person muss mit Atemwegsverletzungen im Bonifatius-Hospital behandelt werden. Aber: „Es ist Gas ausgetreten. Zu der ganz genauen Zusammensetzung kann ich noch nichts sagen, das muss ein Chemiker beantworten. Er ist angefordert“, sagt Altmeppen.

Gas steigt über dem Unternehmen Sonac in Lingen in die Luft. Foto: Hermann Bojer

© Hermann Bojer

Gas steigt über dem Unternehmen Sonac in Lingen in die Luft. Foto: Hermann Bojer

Nach der Explosion ist über mehrere Stunden eine gelbe Rauchwolke über dem Unternehmensgelände zu erkennen und ein unangenehmer Geruch wahrzunehmen. Giftig? Nicht giftig? Eine Antwort gibt es darauf zunächst nicht, als Polizeioberkommissar Thomas Fischer mit seinen Kollegen am Einsatzort ankommt. „Als wir eintrafen, war das Gelände bereits vollständig evakuiert.“

Fischer reagiert schnell und gibt seinen Kollegen die Anweisung, nicht nur die Bundesstraße zwischen Schillerstraße und Brögbern abzusperren, sondern mit Lautsprecherdurchsagen auf die möglichen Gefahren die Bürger zu warnen.

Es gilt: Fenster und Türen geschlossen zu halten und auch die Lüftungsanlage abzustellen. Diese Hinweise veröffentlicht die Stadt Lingen ebenfalls auf ihrer Internetseite, in den Sozialen Netzwerken und informiert den Rundfunk. Das Gebiet soll weiträumig umfahren werden. Altmeppen: „Es wurden Schulen und Kindertagesstätten in der näheren Umgebung kontaktiert, damit Kinder besser mit dem Auto als mit dem Fahrrad abgeholt werden.“

Mit mehreren Fahrzeugen ist die Feuerwehr vor Ort auf dem Betriebsgelände von Sonac. Foto: Hermann Bojer

© Hermann Bojer

Mit mehreren Fahrzeugen ist die Feuerwehr vor Ort auf dem Betriebsgelände von Sonac. Foto: Hermann Bojer

Nach und nach füllt es sich auf dem Gelände. Ein Feuerwehrfahrzeug reiht sich hinter dem Nächsten ein. „Mit 18 Fahrzeugen sind wir aktuell hier“, sagt Altmeppen. Er wird konkret: „Die 55 Einsatzkräfte kommen aus dem gesamten Stadtgebiet – von Holthausen-Biene bis nach Bramsche.“

Der erste Stadtrat verweist auf den ABC-Zug – ein Gefahrgutzug mit speziellen Messgeräten – aus der Grafschaft-Bentheim, der am Montag den Bürgern die Angst etwas nehmen kann. „Messungen in der Umgebung haben gezeigt, dass keine messbaren Belastungen festgestellt werden können“, sagt Altmeppen gegen 15 Uhr. Auf der Bundesstraße kann der Verkehr wieder rollen und die Fenster wieder geöffnet werden. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nicht.

Das Unternehmen hat derweil einen Chemiker angefordert. Der Experte soll klären, was für ein Gas ausgetreten ist. Zu den Schäden am Gebäude kann ebenfalls noch nichts gesagt werden. Mit einer Drohne hat sich die Feuerwehr unter anderem aus der Luft einen Überblick verschafft. Fest steht: Die Wucht der Explosion hat Fenster auf dem Betriebsgelände zersplittern lassen.

Das Sonac-Werk im Ortsteil Brögbern hat sich auf die Behandlung und Weiterverarbeitung von Schlachtnebenprodukten konzentriert. Die frühere „Fleischmehlfabrik Brögbern“ gehört zum Darling-Konzern.

Die Wucht der Explosion ließ Fensterscheiben zerbersten. Foto: Julia Mausch

© Julia Mausch

Die Wucht der Explosion ließ Fensterscheiben zerbersten. Foto: Julia Mausch

Begonnen hat dort alles mit der 1917 noch in Zeiten des Ersten Weltkriegs entstandenen Idee, in Brögbern eine Kadaververnichtungs- und Verwertungsanlage zu bauen und dafür ein 2,71 Hektar großes Grundstück zu kaufen.

1988 wurde die Kapazität auf 81.500 Tonnen, 1990 auf 106.900 Tonnen und 1993 auf 151.440 Tonnen erweitert, zudem wurden zwei Bio-Abluftfilter eingebaut. Nach dem Zusammenschluss mit zwei weiteren Betrieben firmierte man ab 2000 als SNP Lingen GmbH & Co. Stete Anpassungen der Produktion an die Marktbedingungen prägten auch die weitere Firmengeschichte. 2000 lag die Kapazität schließlich bei gut 193.000 Tonnen. Aus SNP wurde Vion und aus der SNP Lingen die Rendac Lingen zur Kadavereinsammlung und die Sonac Lingen zur Verarbeitung von Schlachtnebenprodukten.

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