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01.02.2019, 08:22 Uhr

Blindgänger in Lingen in der Nacht gesprengt

In Lingen musste am Donnerstag ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg am Alten Hafen gesprengt werden. Die Räumung der Bombe dauerte bis in die Nacht. Weite Teile der Innenstadt wurden dafür abgesperrt. Etwa 8800 Anwohner mussten ihre Häuser verlassen.

Blindgänger in Lingen in der Nacht gesprengt

Der Krater, den der Blindgänger nach seiner Sprengung zurückgelassen hat. Foto: Hille

Von Laura Fühner, Von Henrik Hille, Von Tim Henrichs, Von David Hausfeld

In Lingen musste am Donnerstag ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg am Alten Hafen gesprengt werden. Die Räumung der Bombe dauerte bis in die Nacht. Weite Teile der Innenstadt wurden dafür abgesperrt.

Lingen Um 23.52 Uhr wurde der Blindgänger nach langem Warten gesprengt. Gegen 0.17 Uhr konnten die Anwohner in ihre Wohnungen zurückkehren. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei wurde niemand verletzt, es entstand aber Sachschaden. Mehrere Schaufensterscheiben an einem benachbarten Gebäude gingen zu Bruch.

Zunächst war die Entschärfung für 20 Uhr anberaumt. Allein die Evakuierung dauerte aber bis etwa 23.45 Uhr. Die Räumung durch die Spezialisten der Kampfmittelbeseitigung folgte kurz darauf. Die Bombe konnte nicht ohne größeres Risiko entschärft oder abtransportiert, sondern musste kontrolliert gesprengt werden.

Blindgänger in Lingen in der Nacht gesprengt

Ein Splitter, der nach der kontrollierten Sprengung der Bombe durch die Luft geschleudert wurde. Foto: Hille

Auf Twitter lobte die Polizei das Verhalten der Emsländer während der Evakuierung zunächst. Später sprach sie eine Mahnung aus, weil einige Anwohner sich weigerten, ihre Wohnung zu verlassen und ihre Türen vor den Beamten verschlossen hielten. Darüber hinaus hatten Krankentransporte aus dem Gefahrenradius die vollständige Evakuierung verzögert.

Kurz nach dem Fund der Fliegerbombe am Donnerstagmittag beschloss der Krisenstab in Lingen: Es wird evakuiert. Etwa 8800 Anwohner mussten im Laufe des Nachmittags ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Ab 18 Uhr durfte niemand mehr in die Gefahrenzone, die in einem Radius von 1000 Metern um den Fundort gezogen wurde.

Nach dem Fund einer Fliegerbombe in Lingen werden weite Teile der Innenstadt geräumt. Ab 18 Uhr wird die Polizei überprüfen, ob auch alle Anwohner das Gebiet verlassen haben. Im Interview berichtet Inga Graber über den weiteren Verlauf der Entschärfung.

Die Lage der Fünf-Zentner-Bombe ist zu diesem Zeitpunkt denkbar ungünstig. „Es ist tatsächlich mitten in der Innenstadt. Das bedeutet, dass einige der Haupteinfahrtstraßen und auch beinahe die gesamte Fußgängerzone gesperrt ist. Große Teile der Innenstadt müssen geräumt werden“, berichtete Polizeisprecherin Inga Graber im GN-Interview.

Betroffen waren beispielsweise auch das Rathaus, das Einkaufszentrum „Lookentor“ und mehrere Seniorenzentren. Lediglich das Gefängnis und das Krankenhaus, beide am äußeren Rand der Gefahrenzone gelegen, wurden von der Räumung ausgeschlossen.

Bei dem Fund am Donnerstag wurde die Lage brisant eingeschätzt: „Nach Informationen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes hängt das mit der Art des Zünders zusammen. Da es eben diese spezielle Art des Zünders ist, muss sofort entschärft werden“, erläutert Graber.

Evakuierungszentren in Schulen eingerichtet

Kurz nach 18 Uhr zogen noch Hundertschaften der Bereitschaftspolizei sowie weitere Einsatzkräfte durch die betroffenen Straßen, um zu kontrollieren, ob auch wirklich niemand mehr vor Ort ist. Der Lingener Mike Bojer hatte freiwillig seine Nachbarn informiert: „Viele wussten gar nicht Bescheid, die haben mich angeguckt wie ein Fragezeichen.“ Gleichzeitig war er beeindruckt, was Einsatzkräfte und Stadt leisten: „Schon bemerkenswert, was hier innerhalb von ein paar Stunden auf die Beine gestellt wird.“

Gegen 19 Uhr hatten sich in den Evakuierungszentren in den Berufsbildenden Schulen und der Friedensschule jeweils rund 100 Menschen versammelt. Pflegebedürftige wurden in andere Altenheime oder auch in die Berufsbildenden Schulen gebracht, teilte die Stadt Lingen mit. Dort wurden die Anwohner vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und den Maltesern versorgt. „Ein großes Dankeschön an das DRK. Sie leisten derzeit hervorragende Arbeit, sodass gerade die pflegebedürftigen Evakuierten gut versorgt werden können“, sagte Stefan Altmeppen, Erster Stadtrat. Bei der Räumung des Stephanus-Hauses, ein Seniorenwohnheim, packten alle mit an, wie eine Pflegerin berichtete: „Fast alle Mitarbeiter, auch die Reinigungskräfte, haben beim Räumen geholfen. Egal, ob sie frei hatten oder nicht. Das ist nicht selbstverständlich.“

Blindgänger in Lingen in der Nacht gesprengt

Die Polizei plant die Räumung am alten Hafen in Lingen. Foto: Henrichs

Blindgänger in Lingen in der Nacht gesprengt

An der Nordhorner Straße wurden Bewohner teilweise mit Krankenwagen evakuiert. Foto: Hille

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An einem in der Nähe befindlichen Gebäude gingen Schaufensterscheiben zu Bruch. Foto: Hille

Blindgänger in Lingen in der Nacht gesprengt

In einem Umkreis von 1000 Meter um die Fundstelle wird evakuiert. Foto: Hille

Blindgänger in Lingen in der Nacht gesprengt

Der Kampfmittelräumdienst ist vor Ort und plant, die Bombe heute Abend zu entschärfen. Foto: Hille

Blindgänger in Lingen in der Nacht gesprengt

Die Polizei räumt das Gebiet. Das Technische Hilfswerk, die hiesigen Feuerwehren, Deutsche Rote Kreuz, Johanniter unterstützen bei der Evakuierung. Foto: Henrichs

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Karte: Stadt Lingen

Blindgänger in Lingen in der Nacht gesprengt

Das THW stellt eine Löschwasserzufuhr sicher. Foto: Hille

Blindgänger in Lingen in der Nacht gesprengt

Großeinsatz in Lingen: Viele Einsatzkräfte sind dabei, die Räumung zu organisieren. Foto: Hille

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Mit einem Bus wurde die Evakuierung eines Gebäudes mit 48 Wohnungen unterstützt. Foto: Hille

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Einsatzkräfte überprüften in der Nordhorner Straße, ob die Bewohner ihre Häuser verlassen haben. Foto: Hille

Blindgänger in Lingen in der Nacht gesprengt

Ein Blindgänger ist in Lingen gefunden worden. Foto: Stadt Lingen

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Das Deutsche Rote Kreuz betreute die Lingener, die sich während der Entschärfung im Evakuierungszentrum in den Berufsbildenden Schulen aufhielten. Foto: Henrichs

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