Grafschafter Nachrichten
20.04.2020

Betrugsverdacht: Emsländischer Windkraft-Unternehmer in Haft

Betrugsverdacht: Emsländischer Windkraft-Unternehmer in Haft

Zu überhöhten Preisen sollen die Emsländer Windparks verkauft haben. Symbolfoto: dpa

Polizei und Staatsanwaltschaft ist nach eigenen Angaben ein großer Schlag gegen mutmaßliche Windpark-Betrüger gelungen. Die Spur führt zu einer Unternehmerfamilie im Emsland. Die Verdächtigen sollen mögliche Investoren in Millionenhöhe getäuscht haben.

Osnabrück Personen einer emsländischen Unternehmerfamilie und aus deren Umfeld sind unter anderem wegen des Verdachts des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs festgenommen worden. Fünf Beschuldigte seien in Untersuchungshaft, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück am Montag mit. Ihnen werde auch Urkundenfälschung und Bestechung zur Last gelegt. Nach einem weiteren, flüchtigen Beschuldigten werde gefahndet. Insgesamt werde gegen sieben Menschen im Alter von 26 bis 63 Jahren ermittelt.

Die Festnahmen erfolgten demnach am Freitag im Oldenburger Münsterland, im Landkreis Osnabrück und in Zirndorf (Bayern). Der Hauptverdächtige sei in seiner Suite in einem Berliner Nobelhotel gestellt worden. Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter 50.000 Euro, rund 10.000 Dollar, mehr als 200 Schmuckgegenstände sowie einen Mercedes AMG. Außerdem wurden bei einer Firma, die im Zusammenhang mit den Beschuldigten stehen soll, 250.000 Euro eingefroren.

Der Hauptverdächtige entwickelte laut Staatsanwaltschaft Windpark-Projekte, um diese an institutionelle Investoren europaweit zu vermarkten. Die Beschuldigten sollen versucht haben, künftige Investoren mit gefälschten Urkunden über ihre Projektvorhaben zu täuschen, um sie dann zu weit überhöhten Preisen verkaufen zu können. Zwei Beschuldigte sollen außerdem versucht haben, einen ausländischen Amtsträger zu bestechen, um an einen Diplomatenpass zu kommen und so der Strafverfolgung zu entgehen.

Die Schadenshöhe stand zunächst nicht fest, dürfte sich aber im mehrstelligen Millionenbereich bewegen. Ebenso war noch nicht klar, ob die Beschuldigten bereits in der Vergangenheit illegal gehandelt haben. Weitere Details wollte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht bekannt geben, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. „Aufgrund des außerordentlichen Umfangs der Ermittlungen und der besonderen Komplexität der Sache ist mit einem zeitnahen Abschluss des Ermittlungsverfahrens nicht zu rechnen“, hieß es.

Die Polizei bittet weitere Hinweisgeber oder mögliche Betrugsopfer, sich bei der Polizei in Osnabrück unter Telefon 0541 327-6302 zu melden. lni

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