Grafschafter Nachrichten
20.05.2019

1200 emsländische Reinigungskräfte verlieren Tarifvertrag

1200 emsländische Reinigungskräfte verlieren Tarifvertrag

Herbert Hilberink, Bezirksvorsitzender der IG BAU, fordert mehr Rechte für Reinigungskräfte. Archivfoto: Wohlrab

Von der Arbeitszeit bis zu den Urlaubstagen – alles geregelt. Bislang jedenfalls. Jetzt aber wird der Job für die insgesamt 1200 Reinigungskräfte im Landkreis Emsland zur „Wackelpartie“. Denn die Arbeitgeber haben den Manteltarifvertrag gekündigt.

Meppen Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU kritisiert das scharf: „Die Reinigungskräfte hängen damit völlig in der Luft. Die 42 Reinigungsfirmen im Kreis können ihnen quasi freihändig Urlaubstage streichen und zusätzliche Arbeitszeiten aufs Auge drücken“, sagt der stellvertretende IG BAU-Bezirksvorsitzende, Herbert Hilberink. Die Kündigung des Manteltarifvertrages sei „eine Provokation und ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten, die in der Gebäudereinigung arbeiten“.

Die IG Bau Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim nennt die Hintergründe: „Die Arbeitgeber wollen bei den Überstunden Geld sparen – insbesondere bei Teilzeitkräften. Dahinter steckt also der pure Lohn-Geiz“, so Hilberink. Denn der bisherige Rahmentarifvertrag sehe bei Mehrarbeit für Vollzeit-Beschäftigte einen Zuschlag von 25 Prozent des Stundenlohns vor.

Nachdem das Bundesarbeitsgericht nun entschieden habe, dass auch Teilzeit-Beschäftigte Anspruch auf diesen Zuschlag haben, sei die Absicht der Arbeitgeber klar: „Sie wollen bei den Zuschlägen knapsen.

Im Kreis Emsland arbeiten 970 Gebäudereinigerinnen und Fensterputzer in Teilzeit, 420 von ihnen lediglich mit einem Minijob. Zwischen Gebäudereiniger-Gewerkschaft und Bundesinnungsverband rumort es seit Langem, so die IG BAU. „Die Arbeitgeber weigern sich seit Monaten beharrlich, über bessere Arbeitsbedingungen in der Branche zu verhandeln. Und das sogar bei steigenden Jahresumsätzen von bundesweit zuletzt mehr als 17 Milliarden Euro“, so Hilberink.

Nach der Kündigung des Rahmentarifvertrags erwartet die IG BAU nun „extremen Unmut unter den Beschäftigten – auch im Kreis Emsland“. Um der arbeitsbedingten, hohen Fluktuation in dieser Branche entgegenzuwirken, fordert die IG BAU neben einem attraktiveren Entlohnungssystem zudem, dass langjährige Arbeitnehmer ihre Urlaubsansprüche bei einem Arbeitsplatzwechsel auf die neue Stelle übertragen können.

„Die Arbeitgeber haben dies bislang strikt abgelehnt. Sie erkennen nicht, wie wichtig es ist, die Jobs in der Reinigung deutlich attraktiver zu machen“, sagt Hilberink. Im Gegenteil: Durch die Kündigung des Rahmentarifvertrags verschlechtere sich die Stimmung im Gebäudereiniger-Handwerk jetzt erst richtig. Die Friedenspflicht zwischen IG BAU und Innungsverband endet am 31. Juli.

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