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12.05.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: ca. 2min

NABU: Emlichheim ignoriert den Artenschutz

Enttäuscht und besorgt zeigt sich der NABU über das Verhalten der Gemeinde Emlichheim im Zusammenhang mit dem Neubaugebiet „Stöffers Kamp II“. Stein des Anstoßes ist die Vertreibung eines Waldkauzpaares, das seinen Schlaf- und Tagesbaum dort hatte.

Ein Waldkauzpaar soll in Emlichheim sein Zuhause verloren haben. Symbolfoto: Detlev Kampf

Ein Waldkauzpaar soll in Emlichheim sein Zuhause verloren haben. Symbolfoto: Detlev Kampf

Emlichheim Die durch die Europäische Artenschutz-Verordnung streng geschützten Eulenvögel sollen sich nach Angaben des NABU-Kreisverbands Grafschaft Bentheim seit 2017 in einer alten, mit Efeu bewachsenen Eiche angesiedelt und dort auch 2019 erfolgreich ihre Jungen aufgezogen haben. „Jetzt aber hat der Waldkauz, der als ,Vogel des Jahres 2017‘ auf die Gefährdung aller Eulenarten aufmerksam machen sollte, sein Revier verlassen. Seine abendlichen Rufe sind verstummt“, heißt es.

Die Gemeinde Emlichheim habe spätestens seit Frühjahr 2019 von dem Waldkauz-Vorkommen gewusst, denn der NABU hatte in seinen Stellungnahmen zum Flächennutzungs- bzw. Bebauungsplan für „Stöffers Kamp II“ darauf hingewiesen. „Außerdem hatten sowohl der NABU als auch die Abteilung Natur- und Landschaft der Kreisverwaltung eine Kartierung von Amphibien und nachtaktiver Tierarten gefordert. Diese Fingerzeige und Wünsche wurden von der Gemeindeverwaltung ignoriert. Schlimmer noch: Am 6. Februar 2020 beschnitten Mitarbeiter des Emlichheimer Bauhofs die Waldkauz-Eiche radikal und entfernten den Efeu zum größten Teil. Dadurch verlor das Eulenpaar sein Zuhause.“

„Alte und gesunde Bäume gefällt“

Der NABU beanstandet ferner, dass bereits im Oktober 2017 und im Januar 2018 – also vor einer Beteiligung der Öffentlichkeit im Zuge der Bauleitplanung – Bäume gefällt worden seien. Mehrere Bäume an dem durchs Wäldchen führenden Derk-Stöffer-Weg sowie einige sehr alte und gesunde Eichen in dem neuen Baugebiet in der Nähe der Berliner Straße seien geopfert worden.

„Mit diesen massiven Eingriffen wird der Artenschutz torpediert, denn der für die Arterhaltung entscheidende Bruterfolg hängt vor allem von der Qualität des Lebensraums ab. Das Fällen alter Höhlenbäume ist neben eintönigen Wäldern und ausgeräumten Agrarlandschaften die größte Gefahr für einen gesunden Bestand an Eulenvögeln“, klagt der NABU. Dies beziehen die Naturschützer nicht nur auf den Waldkauz, sondern auch auf seinen größten Verwandten, den Uhu. Ein Exemplar dieser Art sei im März 2019 mehrfach in der Nähe des Plangebietes „Stöffers Kamp“ gesehen worden. Nach Meinung des NABU wäre schon deshalb eine Kartierung „zwingend notwendig“.

NABU wünscht sich Gespräch

Die Umweltschützer wünschen sich zugleich, dass die Verantwortlichen der Emlichheimer Kommunalverwaltung das vom NABU mehrfach geäußerte Gesprächsangebot annehmen. „Dann könnte man gemeinsam nach guten Lösungen suchen, die den bauwilligen Bürgern ebenso gerecht werden wie den Anliegen des Natur- und Artenschutzes“, heißt es.

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