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20.02.2020, 15:54 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Mobile Demenzberatung in der Grafschaft startet

Über große Resonanz konnte sich das Mehrgenerationenhaus Senfkorn anlässlich der Aufaktveranstaltung zum Projekt „Mobile Demenzberatung“ freuen. Es wurden neue Wege in der Pflege von Demenzkranken diskutiert.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (von links nach rechts): Karin Platje und Maike Naber (beide Mehrgenerationenhaus Senfkorn); Lore Borgmann (Pflegende Angehörige), Daniela Kösters (Emlichheimer Samtgemeindebürgermeisterin), Friedrich Kethorn (Schirmherr des Projektes), Daniela de Ridder (SPD-Bundestagsabgeordnete) und Gitta Mäulen (Fachbereichsleitung Gesundheit und Soziales beim Landkreis). Foto: MGH Senfkorn

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (von links nach rechts): Karin Platje und Maike Naber (beide Mehrgenerationenhaus Senfkorn); Lore Borgmann (Pflegende Angehörige), Daniela Kösters (Emlichheimer Samtgemeindebürgermeisterin), Friedrich Kethorn (Schirmherr des Projektes), Daniela de Ridder (SPD-Bundestagsabgeordnete) und Gitta Mäulen (Fachbereichsleitung Gesundheit und Soziales beim Landkreis). Foto: MGH Senfkorn

Nordhorn/Emlichheim Rund 90 Gäste durfte das Emlichheimer Mehrgenerationenhaus Senfkorn zur Auftaktveranstaltung der Mobilen Demenzberatung begrüßen. Führende Persönlichkeiten aus der Politik wie Daniela Kösters, Samtgemeindebürgermeisterin in Emlichheim, Gitta Mäulen, Fachbereichsleitung Gesundheit und Soziales beim Landkreis, und die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Daniela de Ridder diskutierten im altreformierten Gemeindehaus an der Paul-Gerhardt-Straße in Nordhorn mit den Pflegefachkräften Karin Platje und Maike Naber und der pflegenden Angehörigen Lore Borgmann über das Krankheitsbild Demenz und die daraus entstehenden Belastungssituation im häuslichen Umfeld.

Die Moderation dazu übernahm der Schirmherr des dreijährigen Pilotprojektes, Friedrich Kethorn, der durch Erkrankung in der nahen Verwandtschaft mit dem Krankheitsbild Demenz bereits konfrontiert wurde.

Zur Einführung gab Melanie Breukelman als Geschäftsführerin des Mehrgenerationenhauses in Emlichheim einen Einblick in das Thema. Derzeit lebten 1,7 Millionen Menschen mit demenzieller Erkrankung in Deutschland, mit Blick auf das Jahr 2050 werde sich die Zahl der Erkrankungen voraussichtlich verdoppeln. Die daraus resultierende gesellschaftliche Herausforderung bezüglich Pflege und Betreuung der Erkrankten sei jetzt schon deutlich spürbar, zumal ein großer Teil der Demenzerkrankten im häuslichen Umfeld gepflegt werde. Gründe dafür gäbe es viele: unter anderem der demografische Wandel, die Veränderung der Gesellschaft durch den Wegfall von Mehrgenerationenhaushalten, der Trend zur Individualisierung, die Rolle der Frau und ihre Berufstätigkeit sowie der Fachkräftemangel (nicht nur in der Pflege).

Karin Platje, Demenzcoach und Altenpflegerin, berichtet, dass häufig schon der Umgang mit dem Erkrankten die Situation verbessere

Karin Platje und Maike Naber stellten das Projekt im Anschluss vor. Sie gingen auf die Systematik bei den Hausbesuchen und auf die Entlastungsmöglichkeiten ein. Dabei geht es ihnen in erster Linie um die Beratung und Information rund über das Krankheitsbild Demenz. Karin Platje, Demenzcoach und Altenpflegerin, berichtet, dass häufig schon der Umgang mit dem Erkrankten die Situation verbessere, beispielsweise durch eine adäquate Kommunikation. Darüber hinaus biete das vorhandene Netzwerk die Möglichkeit, Ehrenamtliche in Haushalte zu vermitteln, die sich stundenweise um den Demenzerkrankten kümmern und somit für Entlastung sorgen. „Wir möchten mit dem pflegenden Angehörigen Strategien finden, sich selbst zu entlasten“, fügt Maike Naber in ihrer Funktion als akademisch qualifizierte Fachkraft hinzu.

Daniela Kösters fordert, dass nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Kommunen hinsichtlich des Krankheitsbildes Demenz sich auf neue Lebensformen einstellen müssen. Sie benennt dabei neue Wohnformen innerorts, die passgenau auf Demenzerkrankte zugeschnitten sein können und will sich der Aufgabe für die Zukunft stellen.

Ehemalige pflegende Angehörige wünscht sich auch innovative Unterstützungsmodelle

Lore Borgmann als ehemalige pflegende Angehörige ihrer demenzerkrankten Schwiegermutter schildert den langen Leidensweg sowohl ihrer verstorbenen Schwiegermutter als auch den der Familie, die diese über 10 Jahre begleitet haben. Sie gab an, dass immer versucht wurde, die größtmögliche Lebensqualität für alle Familienmitglieder zu erhalten. Sie wünsche sich für die Zukunft finanzielle Entlastung für die pflegenden Angehörigen als auch den Ausbau von Tagespflege- und Kurzzeitpflegeplätzen sowie weitere innovative Unterstützungsmodelle.

Gitta Mäulen, als Vertreterin des Landkreises führt aus, dass der Landkreis in Bezug auf Pflege und Beruf eine koordinierende und prospektiv planerische Funktion übernehmen könne und je nach Nachfrage Modelle anregen und unterstützen wolle. Dabei benennt sie die Gesundheitsregion, den Pflegestützpunkt, das Regionale Pflegekompetenzzentrum als auch die Mobile Demenzberatung als wichtige Beratungsinstanzen. Aus diesen vielen Projekte gilt es für die Zukunft, eine Einheit zu schaffen.

Auch Dr. Daniela de Ridder berichtet aus ihrem Umfeld über den Verlauf einer demenziellen Erkrankung. Sie benennt die Wichtigkeit des Projektes und weist auf die nationale Demenzstrategie vom Bund hin, wo aus ihrer Sicht dringend Ziele formuliert werden müssen. Sie unterstütze das Projekt in jeglicher Hinsicht und verdeutlicht, dass es wichtig, sei, über das Thema zu sprechen. Denn nur so könnten politische Entscheidungen herbeigeführt werden.

Das Projekt wird durch das Mehrgenerationenhaus Senfkorn in Emlichheim grafschaftweit angeboten und mit 152.000 Euro über drei Jahre von der Deutschen. Fernsehlotterie unterstützt. Weitere Informationen erfolgen unter der Telefonnummer 05943 958589-0 (Maike Naber, Karin Platje) oder per E-Mail an info@mgh-senfkorn.de.

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