Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
02.09.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: ca. 3min

Kethorn: „Betroffene Rohre ohne Materialprüfung entsorgt“

Nach dem Austritt von Lagerstättenwasser im Erdölfeld Emlichheim soll Wintershall Dea die verrosteten Rohre „ohne irgendeine Materialprüfung“ entsorgt haben. Diesen Vorwurf erhebt Landrat Friedrich Kethorn. Er geht mit dem Betreiber hart ins Gericht.

An der Einpressbohrung Em 132 steht ein Pumpenbock, der für einen Rückfördertest mit Wasser benötigt wurde. Dieser zeigte, dass es in der Tiefe ein Leck gibt. Foto: Hille

An der Einpressbohrung Em 132 steht ein Pumpenbock, der für einen Rückfördertest mit Wasser benötigt wurde. Dieser zeigte, dass es in der Tiefe ein Leck gibt. Foto: Hille

Von Andre Berends

Emlichheim Landrat Friedrich Kethorn übt massiv Kritik am Erdölförderer Wintershall Dea. Nachdem Ende Juli bekannt wurde, dass im Erdölfeld Emlichheim zwischen 2014 und 2018 aus einem verrosteten Rohr bis zu 220.000 Kubikmeter des umweltgefährdenden Lagerstättenwassers in den Boden gesickert sind, steht Betreiber Wintershall Dea zunehmend unter Druck.

„Für uns als Kreisverwaltung und für die Bürger der Grafschaft ist es schwer nachzuvollziehen, wie vier Jahre lang ein solcher Schaden nicht aufgefallen ist. Und es ist weiterhin auch nicht nachvollziehbar, warum erst seit 2013 einige der Einpressbohrungen mit korrosionsbeständigen Steigrohren aus Edelstahl oder ähnlichem Material versehen wurden“, schimpft Kethorn in einer am Montag verbreiteten Pressemitteilung: „Uns ist unerklärlich, wie die Spaltkorrosion im Außen- wie Innenrohr nicht aufgefallen ist. Wir brauchen da unbedingt eine systematische Aufarbeitung der Einpresshistorie des Lagerstättenwassers.“

Kethorn erhebt außerdem Vorwürfe, die nach GN-Informationen auch Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen sind: „In keiner Weise nachvollziehbar“ sei die durch das Unternehmen Wintershall Dea vorgenommene „Entsorgung der betroffenen Rohre ohne irgendeine Materialprüfung“, klagt der Landrat und ärgert sich: „Das wären doch wichtige Erkenntnisse gewesen, die unbedingt dokumentiert gehört hätten.“ Wintershall Dea sei mit den bereits 2015 bemerkten Druckveränderungen an der Einpressbohrung Em 132 „fahrlässig umgegangen“, indem es erst Ende 2018 zu einer Überprüfung gekommen sei.

Kethorn erinnert Wintershall Dea daran, seiner Verantwortung für Mensch und Umwelt gerecht zu werden: „Schließlich handelt es sich bei dem Lagerstättenwasseraustritt nicht um ein banales Kavaliersdelikt, sondern um den Eintritt von giftigen Stoffen in Grundwasserschichten, wo sie keinesfalls hingehören.“ Er fordert die genaue Ermittlung des Schadensausmaßes, die Aufstellung eines umfassenden Sanierungskonzeptes und eine Verschärfung der Kontrollen.

Neuigkeiten zu Em 51

Unterdessen hat Wintershall Dea am Montag bekannt gegeben, dass es bei der anderen von Rostschäden betroffenen Einpressbohrung Em 51 „weiterhin keine Hinweise auf einen Umweltschaden“ gebe. Das Unternehmen bezieht sich dabei auf das Ergebnis eines Injektionstests sowie verschiedener Messungen und Untersuchungen für eine vorläufige Gefährdungsanalyse. „Darüber hinaus zeigen auch alle bisherigen Wasserproben in der Nähe von Em 51 weiterhin keine Veränderungen des Wassers“, heißt es. Wintershall Dea hat seine vorläufige Gefährdungsanalyse am Montag dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover übersandt, das als Aufsichtsbehörde fungiert. In den nächsten Wochen soll ein Rückfördertest zeigen, ob auch hier Lagerstättenwasser in den Boden ausgetreten ist.

„Mit höchster Priorität“ bereitet Wintershall Dea derweil die Sanierung der defekten Einpressbohrung Em 132 vor. Die seit Ende Juli laufende Tiefbohrung, mit der Bodenproben gezogen werden, soll Ende September abgeschlossen werden. Dann wird diese Bohrung umgerüstet, um das in der Tiefe ausgelaufene Lagerstättenwasser abzupumpen. Weitere Details will Wintershall Dea Ende September vorlegen.

Informationsabend

Am Dienstag, 10. September, beginnt um 18 Uhr in der Aula des Schulzentrums Emlichheim eine Informationsveranstaltung zum Austritt des Lagerstättenwassers, zu der die Kommune interessierte Bürger einlädt. Bereits ab 17 Uhr und nach der Veranstaltung bieten Mitarbeiter von Wintershall Dea im Foyer der Aula die Möglichkeit, sich an einem Infostand näher zum Thema Erdölförderung in Emlichheim zu informieren. An diesem Abend werden auch Vertreter des Landesbergamts und weiterer Behörden in der Aula anwesend sein.

  • Drucken
  • Kommentare 0
  • rating rating rating rating rating