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07.08.2019, 16:54 Uhr

Grüne stellen Erdölförderung in der Grafschaft in Frage

Nachdem das erschreckende Ausmaß der Lagerstättenwasser-Leckage ansatzweise bekannt ist, fordern die Grünen eine grundsätzliche Diskussion über die Sicherheit und somit auch über die Zukunft der Erdölförderung in der Grafschaft Bentheim.

Grüne stellen Erdölförderung in der Grafschaft in Frage

Nach einer Großleckage in einer Ölbohrung bei Emlichheim haben die Grafschafter Grünen beträchtliche Zweifel an der Sicherheit der Erdölförderung im Kreis. Foto: Meppelink

EmlichheimWie es in einer Mitteilung der Kreistagsfraktion der Grünen heißt, blicken die Grünen seit Jahren mit großer Besorgnis auf den Umgang mit giftigem Lagerstättenwasser in der Niedergrafschaft. Die jüngste, Jahre zu spät aufgedeckte Leckage in der Einpressbohrung 132 bei Emlichheim dürfte schätzungsweise der größte unkontrollierte Lagerstättenwasseraustritt in der Bundesrepublik sein, meint die Fraktion. Der durch das „intransparente Verhalten“ des Wintershall DEA Konzerns verursachte Vertrauensschaden habe den bisherigen Rückhalt bei der Mehrheit der Politik und in der Bevölkerung stark erschüttert.

„Warum wurde ein Druckabfall, der mit der Leckage bereits vor Jahren einher gegangen sein muss, nicht bemerkt? Oder wurde er damals sogar bemerkt und nicht überprüft? Hätte nicht bei korrektem Abarbeiten eines Sicherungskonzepts die Leckage, die zum Austritt von bis zu 220 Millionen Litern Lagerstättenwasser führte, schon vor Jahren entdeckt, gemeldet und sofort gestoppt werden müssen?“ fragt die Fraktionsvorsitzende Claudia Middelberg.

Holger Gosink, Sprecher der Grünen-Initiative in Emlichheim, äußert die Besorgnis vieler Emlichheimer, dass die Qualität des Grundwassers und Trinkwassers nicht dauerhaft gehalten werden kann. „Wasser bleibt nicht dort, wo es ist, auch der Chemiecocktail Lagerstättenwasser fließt. Was bedeutet das für die Zukunft? Wird wirklich umfassend genug geprüft?“ Die Technologie und insbesondere das Sicherungssystem seien auch nach mehr als 70 Jahren Ölförderung offenbar immer noch nicht ausgereift. Unweigerlich müsse man sich die Frage stellen, ob eine weitere intensive Ölförderung in der Niedergrafschaft angesichts der möglichen Umweltschäden durch das immer mitgeförderte Lagestättenwasser überhaupt vertretbar sei.

Die angekündigte landesweite Überprüfung aller Einpressbohrungen, begrüßen die Grünen laut Mitteilung ausdrücklich. „Aber wir fragen uns auch, welche Sicherheitssysteme bislang für bestehende Einpressbohrungen gelten und warum das System beim Fall EM132 so kläglich versagen konnte“, so Middelberg. „Wir fordern eine sehr umfassende und transparente Information der Bevölkerung und der Politik. Hierbei erwarten wir auch Aussagen über die Zusammensetzung des Lagerstättenwassers. Im Planungsausschuss des Landkreises vom Juni wurde lapidar von Salzwasser gesprochen – ein Sprachgebrauch, der Lagerstättenwasser und seiner kritischen Zusammensetzung kaum gerecht wird, auch wenn Salze Bestandteile sind. Neben den anorganischen Salzen sind auch gefährliche organische Giftstoffe wie Kohlenwasserstoffe, Benzol und weitere aromatische Kohlenwasserstoffe enthalten. Wir wollen wissen in welcher Konzentration.“

„Keine Panik schüren“

Man wolle keine Panik schüren, aber das hohe Gefahrenpotenzial von Lagerstättenwasser sei anderenorts bereits so drastisch deutlich geworden, dass es viele Bürgerinitiativen gebe, die das Verpressen von Lagestättenwasser ohne Vorreinigung oder auch grundsätzlich untersagen wollen, da das Risiko für Mensch und Umwelt für nicht vertretbar gehalten wird. BTEX seien kaum wasserlöslich und verblieben deshalb sehr lange im Naturkreislauf. Man wolle die wahren Fakten wissen ohne beruhigende Umschreibungen, dazu gehöre auch die Zusammensetzung.

Die Landtagsfraktion der Grünen habe in der vergangenen Woche bereits eine Sondersitzung des Niedersächsischen Umwelt- und Wirtschaftsausschusses beantragt, um den Fall EM132 auf der Landtagsebene zu thematisieren. Die Kreistagsfraktion der Grafschafter Grünen fordert neben der derzeitigen Berichterstattung im Kreisausschuss und über schriftliche Zwischenmitteilungen an die Kreistagsabgeordneten auch eine regelmäßige weitere Befassung im öffentlichen Planungsausschuss des Landkreises. Und auch die Emlichheimer Grünen, die noch keine Vertreter im Gemeinderat haben, mahnen die Information der gesamten Bevölkerung ausdrücklich an.

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