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24.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: ca. 4min

Emlichheim weist NABU-Kritik zurück

Die vom NABU erhobenen Vorwürfe zur Planung des Baugebiets „Stöffers Kamp II“ entbehrten jeder Grundlage, berichtet die Gemeinde Emlichheim. Anders als die Naturschützer es darstellten, habe man den Artenschutz sehr wohl im Blick gehabt.

Der „Stöffers Kamp“ – hier eine Aufnahme von 2017 – grenzt an das Gelände des Sportvereins SCU Emlichheim. Foto: Meppelink

Der „Stöffers Kamp“ – hier eine Aufnahme von 2017 – grenzt an das Gelände des Sportvereins SCU Emlichheim. Foto: Meppelink

Emlichheim Die Gemeinde Emlichheim weist die Kritik des NABU-Kreisverbands an der Planung des Baugebiets „Stöffers Kamp II“ zurück. Die Naturschützer hatten beklagt, dass die Gemeinde eine alte Eiche radikal beschnitten und dadurch ein seltenes Waldkauzpaar vertrieben habe. Die Darstellung des NABU sei teilweise unvollständig und falsch, heißt es aus dem Rathaus. Die Gemeinde habe bei der Planung alle rechtlichen Vorgaben für den Artenschutz beachtet.

„Anlieger selbst im NABU aktiv“

Wie auch bei anderen Planungen üblich, habe die Gemeinde hier externe Fachgutachter beauftragt. Bei der Untersuchung im Frühjahr 2017 habe es keine Hinweise auf einen Waldkauz gegeben. Erst im Frühjahr 2019 habe der NABU erstmals von dem Waldkauzpaar berichtet, ohne einen genauen Standort zu nennen. „Hier sollte nicht unerwähnt bleiben, dass einer der Vorsitzenden des NABU direkt an der Grenze des neuen Plangebietes wohnt. Mit ihm und den weiteren Eigentümern der an das neue Baugebiet angrenzenden Grundstücke wurden bereits Ende 2017, also vor Einleitung des Verfahrens, Gespräche geführt“, schreibt die Gemeinde in einer Stellungnahme. Man habe außerdem freiwillig zur bestehenden Bebauung einen vier Meter breiten Grünstreifen zugesichert. Dass es – wie vom NABU kritisiert – keine Gespräche gab, sei falsch.

Anfang Februar dieses Jahres erledigten Bauhofmitarbeiter in dem Baugebiet an mehreren Bäumen einen Pflegeschnitt. „Der konkrete Standort der Eiche, an dem ein Waldkauz beobachtet worden sei, war dem Bauhof dabei nicht bekannt“, teilt die Gemeinde mit. Es habe bei den Arbeiten keine Auffälligkeiten gegeben. Nach dem Hinweis des NABU auf den genauen Standort des Baumes habe man dann unmittelbar Kontakt zum Landkreis aufgenommen. Es sei vereinbart worden, dass die Gemeinde in den Bäumen am benachbarten Kanal Waldkauzröhren als Nisthilfe aufhängt – und zwar in Abstimmung mit dem NABU.

„Keine Bäume rechtswidrig gefällt“

Die Gemeinde weist den ebenfalls erhobenen Vorwurf des NABU zurück, in dem Baugebiet rechtswidrig Bäume gefällt zu haben. Für die vorzeitige Fällung von Bäumen im Oktober 2017 und Januar 2018 habe es Baumhöhlenkontrollen durch Sachverständige gegeben. Als Ausgleich seien Nistkästen aufgehängt worden. Man sei bei den Planungen und bei der Erschließung des Baugebiets „Stöffers Kamp II“ mit der „erforderlichen Sorgfalt vorgegangen“ und habe den Artenschutz „sehr wohl beachtet“. Die massiven Vorwürfe des NABU entbehrten jeder Grundlage. „Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass sich der Kreisverband des NABU als Träger öffentlicher Belange bei vielen anderen Bauleitplanverfahren zur Ausweisung von Wohnbauflächen nicht beteiligt hat“, stellt man außerdem im Rathaus fest.

Die Gemeinde weist darauf hin, dass es südlich von „Stöffers Kamp II“ ein weiteres Plangebiet gebe. In diesem Zusammenhang werde auch untersucht, ob es am Kanal Hinweise auf Waldkäuze oder Uhus gibt. „Nach den ersten nächtlichen Begehungen deutete sich an, dass sich in der Nähe des Plangebietes ein Waldkauz aufhält. Aufgrund der vielen Ausweichmöglichkeiten hält der Gutachter es für sehr wahrscheinlich, dass der Waldkauz hier noch ein Quartier hat“, heißt es in der Stellungnahme der Gemeinde.

Konzepte zur Artenvielfalt

Darin wird auch auf die verschiedenen Konzepte für eine Verbesserung der Artenvielfalt in Emlichheim hingewiesen, die bereits umgesetzt wurden. „Diese Maßnahmen der Gemeinde dürften auch dem NABU nicht entgangen sein“, heißt es. Umso mehr sei man überrascht, dass seitens des NABU „auf Grundlage eines einzelnen Vorkommnisses derart massive und zudem unberechtigte Vorwürfe erhoben werden“.

Auch Grüne äußern sich

Der neue Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen in Emlichheim teilt die Enttäuschung des NABU über die Fällung mehrerer gesunder Eichen im neuen Wohngebiet „Stöffers Kamp II“ und an der Berliner Straße. Die Grünen fragen sich, ob es nicht kreative Ideen zwischen dem Wunsch nach günstigen Wohngebieten und naturnaher Umgebung gebe. Freiflächen mit altem Baumbestand in Wohngebieten kämen nicht nur Kindern zugute: „In immer heißer werdenden Sommern bieten Bäume wohltuenden Schatten, prägen das Ortsbild, binden Luftschadstoffe, geben Insekten und Vögeln Nahrung und Lebensräume und entfalten den größten mikroklimatischen Nutzen.“ Die Grünen regen an, mehr für den Erhalt alten Baumbestandes zu werben. Eine Baumschutzsatzung für den Ort solle erwogen werden. Zudem sprechen sie sich bei künftigen Planungen von Baugebieten für mehr Grünflächen und Spielmöglichkeiten aus. Im Sinne des Artenschutzes müsse auch in Emlichheim bei der weiteren Versiegelung von Flächen Zurückhaltung geübt und die Notwendigkeit geprüft werden.

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