Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
15.11.2017, 14:18 Uhr

Erhöhte Nitratwerte im Grundwasser festgestellt

Im September konnten Bürger Brunnenwasserproben beim Labormobil des VSR-Gewässerschutz in Bad Bentheim abgeben. Jetzt stehen die Ergebnisse fest: In jeder zehnten Probe lag der Nitratwert oberhalb des Grenzwertes.

Erhöhte Nitratwerte im Grundwasser festgestellt

Harald Gülzow beim Analysieren im Labormobil vom VSR-Gewässerschutz. Foto: privat

gn Bad Bentheim. Erhöhte Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Rahmen der Informationsveranstaltung am 27. September in Bad Bentheim beim Labormobil abgegeben wurden. In jeder zehnten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor. Insgesamt 37 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen nahmen Lina Remme, Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst, und Dipl.-Phys. Harald Gülzow, Projektleiter, aus dem Raum Bad Bentheim – Schüttorf - Engden für die Untersuchung entgegen. Der VSR-Gewässerschutz kritisiert, dass bei großen gewerblichen Biogasanlagen im Gegensatz zu Massentierhaltungen die den Betrieb verlassenden Stickstoffmengen auch in Zukunft nicht transparent und kontrollierbar sind. Damit können die gewerblichen Biogasanlagen weiterhin ganz legal zu einer erheblichen Belastung des Grundwassers beitragen.

Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden bei der Untersuchungen 110 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Engden. Weitere mit Nitraten stark verschmutzten Brunnen stellten die Umweltschützer auch in Schüttorf mit 55 Milligramm pro Liter (mg/l) fest.

Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet. Besonders wichtig ist außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. „Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Diese können beim Absterben zum Fischsterben führen“, heißt es in der Mitteilung. „Beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser muss man bei der Düngung bedenken, dass es durch das Gießwasser zu einer zusätzlichen Nitratzufuhr kommt. Nur wenn man diese in seine Berechnung, mit wie viel Stickstoff die angebauten Pflanzen gedüngt werden müssen, einbezieht, kann eine unnötige Nitratanreicherung verhindert werden.“ Bürger, die wissen möchten, ob sie auch von der hohen Nitratbelastung betroffen sind, können dem Verein im nächsten Jahr ab Mai wieder auch eine Wasserprobe mit der Post zusenden. Informationen dazu erhält man auf der Homepage www.VSR-Gewässerschutz.de oder per e.Mail brunnen@vsr-gewaesserschutz.de .

„Gewerbliche Biogasanlagen verfügen meistens über keine eigenen landwirtschaftlichen Flächen. Daher ist es gerade dort nötig, dass die Nährstoffe, die in den Betrieb kommen und diesen verlassen, kontrollierbar sind. Aus landwirtschaftlichen Betrieben von nah und fern werden Gülle, Mais und andere Rohstoffe zur Energiegewinnung angeliefert – bereits hier ist die Menge der Nährstoffe, die in die Biogasanlage gelangen nicht klar“, schreibt der VSR-Gewässerschutz. „Die nach der Gärung anfallenden Reststoffe, sogenannte Gärreste, werden wiederum an Landwirte abgegeben und von diesen auf den Feldern zur Düngung eingesetzt. Dabei muss ab 2018, genauso wie bei Gülle, die Höchstmenge von 170 kg Stickstoff pro Hektar eingehalten werden. Das bedeutet, dass die gewerblichen Biogasanlagen nun ihre Gärreste in weiter entferntere Regionen transportieren müssen. Doch der Transport ist mit zusätzlichen Kosten verbunden. Daher besteht von den Betreibern großes Interesse, ihre Reststoffe im Umland der Biogasanlage zu vermarkten. Ohne Klarheit über die wirklichen Stickstoffmengen, die diese Anlagen verlassen, können die Landwirte auch in Zukunft zu große Mengen Stickstoff über die Felder entsorgen.“ Erst wenn auch der Biogasbetreiber beim Handel mit Gärresten die Nährstoffmengen angeben muss, komme es zur Transparenz, welche Stickstoffmengen auf den Feldern zur Düngung eingesetzt werden. „Aus den Erfahrungen mit der Gülle aus flächenlosen Massentierhaltungen wissen wir, wie schwierig die gesetzliche Umsetzung einer bedarfsgerechten Düngung ist, wenn unkontrollierbare Stickstoffmengen verschoben werden. Deshalb muss hier schnell gehandelt und nicht die gleichen Fehler wiederholt werden.“ sagt Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass gewerbliche Biogasanlagen eine Nährstoffbilanz aufstellen müssen. „Große landwirtschaftliche Betriebe müssen ab 2018 die Ein- und Ausgänge der Nährstoffe am Hof protokollieren. Es ist nicht nachvollziehbar, warum die gewerblichen Biogasanlagen davon ausgenommen werden sollen.“ sagt Susanne Bareiß-Gülzow. Der Bürger habe ein Recht auf sauberes Wasser. „Da es für die Wasserversorger in der Zukunft immer aufwendiger wird, Wasser zu liefern, das den Grenzwert von 50 mg/l Nitrat einhält, werden die Preise für Leitungswasser steigen.“ Besonders ärgerlich sei dabei, dass viele Bürger heute schon wegen der starken Grundwasserbelastung im Garten immer häufiger statt Brunnenwasser Leitungswasser nutzen müssen.

„Damit in Zukunft die Nitratbelastung im Grundwasser sinkt, bedarf es auch eines Umdenkens in der Biogasbranche“, heißt es in der Pressemitteilung. Der VSR-Gewässerschutz möchte mit seinen Messungen dazu beitragen, dass die Notwendigkeit einer Änderung der Düngerausbringung akzeptiert wird. „Es muss in den belasteten Regionen zu einem Informationsaustausch zwischen Bürgern, Biogasproduzenten und Landwirten kommen“, heißt es abschließend.

Nichts verpassen!

Meine GN: Persönliche Homepage

Regelmäßig informiert: Newsletter abonnieren

Lesermeinung
Bitte melden Sie sich an, um Kommentare lesen und schreiben zu können.