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18.06.2017, 17:49 Uhr

Reifezeugnisse am EGN für „die Zweitgeborenen“

52 Abiturienten des Evangelischen Gymnasiums Nordhorn (EGN) erhielten am Samstag ihr Abiturzeugnis in der Aula des EGN. Zehn Schülerinnen und Schüler erreichten ein Abitur mit einer Eins vor dem Komma.

Reifezeugnisse am EGN für „die Zweitgeborenen“

Sonnenblumen zum Abschied gab es für die 52 Abiturientinnen und Abiturienten des Evangelischen Gymnasiums Nordhorn. Foto: Konjer

gn Nordhorn. Den zweiten Abiturjahrgang des noch jungen Gymnasiums nannte Schulleiterin Dr. Gabriele Obst in ihrer Rede „die „Zweitgeborenen“. Zweitgeborene erbten in der Familie Fahrräder oder Spielzeug, am EGN habe der zweite Abiturjahrgang unter anderem das sozial-diakonische Praktikum oder die Abschaffung des Klingelzeichens „geerbt“. Bei den diesjährigen Abiturienten sei nichts ganz Neues eingeführt worden, damit schlug die Schulleiterin den Bogen zwischen Familie und Schule, versteht das EGN als Familie und beschrieb die Rolle der zweiten „Kinder“: Sie würden einerseits immer mit den Großen verglichen, seien andererseits Kämpfernaturen, Diplomaten und Lebenskünstler, kämpften aber auch ständig um die Aufmerksamkeit der Eltern – oder eben Lehrer, die wiederum gelassener mit den Launen und Stimmungen der Jugendlichen umgingen. „Besonders im letzten Jahr habt ihr euch freigeschwommen und seid aus dem Schatten des ersten Jahrgangs hervorgetreten“, beschrieb Gabriele Obst die Abiturienten und lobte neben der Individualität einzelner Schülerinnen und Schüler die Besonnenheit des Jahrgangs, die Rücksicht und Kompromissfähigkeit. „Zweitgeborene fallen als Erwachsene durch einen angenehmen indirekten Führungsstil auf. Das aber brauchen wir auch in der Zukunft in unserer Gesellschaft: in der Kirche, den Schulen und Universitäten, in der Industrie und auch in der Politik“, erklärte Obst.

Der Rückblick auf die Schulzeit, aber besonders der Blick in die Zukunft beschäftigte die jungen Erwachsenen nach bestandener Reifeprüfung. Kira Reineke und Jasmin Ruhrig hielten die Abiturrede für ihren Jahrgang, der das Motto „WhatsAbi – Zuletzt gesehen 2017“ auf seiner Abizeitung stehen hat. „Und egal, welchen Ausgang dieses Abenteuer Schule für jeden Einzelnen hatte: Heute sind wir hier, um gemeinsam zu feiern. Wir feiern nicht unsere Noten, oder unsere Talente. Eigentlich feiern wir, dass es das jetzt war“, fassen sie am Ende der Rede zusammen und forderten ihre Mitschüler auf: „Lasst uns in das Abenteuer starten!“ Dass Tränen flossen bei diesen letzten Sätzen, zeigte neben der Vorfreude auf das neue Abenteuer die Verbundenheit mit der Schule, ebenso wie der liebevolle, schon jetzt sehr erwachsene Blick auf die letzten Schuljahre. Bei allem Humor und Augenzwinkern über organisatorische und pädagogische Ideen stand am Ende viel Dankbarkeit gegenüber Eltern, Lehrern und Schulleitung. Die im Gottesdienst von den Tutorinnen und Tutoren teils mit herzlicher Umarmung und feuchten Augen überreichten Bronzeengel ergänzten das Bild des gegenseitigen Vertrauens zwischen Schülern und Lehrern.

Als Vertreter der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers war Pastor Gerd Brinkmann, pädagogisch-theologischer Leiter des evangelischen Schulwerks, zur Entlassungsfeier ins EGN gekommen. Mit dem Satz „Es ist vollbracht“, sprach er den Abiturienten aus der Seele. Erlöst von allen diesen Aufgaben und Forderungen in Schule seien sie nun: „Genießen Sie es und feiern Sie!“, ermutigte Brinkmann die jungen Menschen und beschrieb das Abitur als Zugticket in die Bildungslandschaft und erwähnte noch einmal voller Stolz den Wettbewerbserfolg der Abiturientin Ileana Berning, die die Reformationslok der Deutschen Bahn gestaltete.

Preise erhielten auch während der Entlassungsfeier vier Schülerinnen und Schüler des EGN für außerordentliche Leistungen: Louisa Kersten und Ileana Berning für sehr gute Leistungen in Religion in ihren Abiturprüfungen. Die Bischöfe der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen würdigen damit hervorragende Leistungen im Fach Evangelische Religion. Jasmin Ruhrig wurde der Pierre de Coubertin Preis mit Medaille für herausragende Leistungen und gesellschaftliches Engagement im und außerhalb des Sports überreicht. Und Jan-Hendrik Veltmaat, bester Abiturient der Schule mit der Abschlussnote 1,1, erhielt gleich zwei Auszeichnungen für überdurchschnittlich gute Leistungen in Chemie und in Physik.

Auch der erste Kreisrat, Uwe Fietzek, griff bei der Entlassungsfeier das Motto „WhatsAbi“ auf und übersetzte: Was geht mit Abi, was geht in dieser Welt. Die Abiturienten sollten die Zukunft als Chance verstehen, deren Weichen sie mit dem Abitur selbst stellen könnten. Fietzek warf zudem einen kurzen Blick in die nähere Zukunft der Schule: auf den Neubau einer Zweifeldsporthalle, die mit 3,2 Millionen Euro vom Kreis finanziert werde, neben einer von der Landeskirche finanzierten Gymnastik- und Bewegungshalle. Bislang hat das EGN noch keine eigene Sporthalle und ist bislang auf Kooperationen angewiesen.

Eher aus Elternperspektive verabschiedeten Susanne Jacob, Schulelternratsvorsitzende, und Kerstin van Ackeren, Vorsitzende des Fördervereins der Schule, die Schülerinnen und Schüler. Beide luden die jungen Erwachsenen zudem ein, mit der Schule verbunden zu bleiben.

Mit besonderer Spannung war die Lehrerrede erwartet worden. Als junger Kollege mit den Fächern Politik/Wirtschaft und Deutsch hatte Matthias Finke den Jahrgang in den vergangenen zwei Jahren durch die Qualifikationsphase begleitet. Er hatte sich auf Spurensuche begeben, Klassenfotos von der Einschulung am EGN an die Wand projiziert und zusammengetragene Erinnerungen und Anekdoten humorvoll und selbstkritisch aber vor allem mit viel Herzenswärme erzählt. Die sprachlich-stilistische Analyse eines selbst geschrieben Gedichtes der damaligen Klasse 7a hatte für die Verfasser des Textes ebenso wie für die Gäste der Abiturfeier großen Unterhaltungswert: „Eine Aneinanderreihung komplizierter Inversionen bei gleichzeitig parataktischem Satzbau zeigt die Unruhe jener intensiven Lebensepoche der Autoren. Ein wahres Meisterwerk“, fasste Finke zusammen.

Gesegnet wurden die Abiturienten zum Ende ihrer Schulzeit, wie bei ihrer Einschulung am 8. August 2009, in der Kreuzkirche von Vertretern aller Konfessionen: Landessuperintendent des Kirchenkreises Emsland-Grafschaft-Bentheim Dr. Bernd Brauer, Präses des Synodalverbandes Grafschaft Bentheim Heinz-Hermann Nordholt, Pastor Thomas Kersten, Pastor Ulrich Högemann und Pastor Hanno Sommerkamp sprachen jedem einen persönlichen Segen.

Das sind die Abiturienten des Evangelischen Gymnasiums Nordhorn

Timm Averes-Neumann, Paul Beier, Tim Berger, Ileana Berning, Niklas Bernsen, Laura Bor, Dorothee Bremmer (1,4), Jeanny Büter, Joelle da Mota, Leonie Dietz (1,6), Moritz Draschner (1,9), Sophia Ebert, Elisabeth Ennen, Ina Foppe, Paulina Freda, Melina Gnaß, Melina Gross, Isabel Husteden, Louisa Kersten (1,4), Jana Kiehl (1,5), Florian Klug, Anne Köneke (1,7), Marvin Kruse, Nils Kugler, Jacqueline Kuipers, Ina Lucas, Nele Muschielak, Ayla Niss, Jamie Nonnenmacher, Nina Ottoweß, Alina Pas, Jorin Plescher, Coline Ploth, Timo Rammelkamp, Jonas Rasfeld, Kira Reineke, Steffen Roelofs, Audrey Rote, Lauren Rote, Jonas Roters, Jasmin Ruhrig (1,8), Celine Santos Fernandes da Cunha, Laura Scheibe (1,8), Jakob Schoofs, Katharina Schütte, Sabrina Schwarzer, Ole Stegink, Jan-Hendrik Veltmaat (1,1), Tobias Vetter, Leon Voet (1,8), Julia Wandscheer, Lennart Welling, Maximilian Westenberg.

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