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Spur zum Mädchenmörder führt in die Grafschaft

Mädchenmörder führt in die Grafschaft
Das Grab blieb nur kurze Zeit leer. Nach der Exhumierung wurde der Verstorbene erneut bestattet. Foto: Schmidt

Die Morde an vier jungen Frauen im Münsterland vor mehr als 40 Jahren beschäftigen nach wie vor die Kriminalpolizei. Durch GN-Berichte ist neuer Schwung in die Ermittlungen gekommen. Es gibt eine heiße Spur.

Nordhorn/Lingen. Führt Spur 916 zum Erfolg? - Als die junge Prostituierte Edeltraud van Boxel aus Münster im November 1971 ermordet und bei Burgsteinfurt ihre Leiche abgelegt wurde, war der Verdächtige 19 Jahre alt. Hat er die 23-Jährige sowie 1971 die 20-jährige Barbara Storm aus Schüttorf, 1973 Marlies Hemmers (17) aus Nordhorn und 1974 die 22-jährige Studentin Erika Kunze aus Nordhorn umgebracht? Ein junger blonder Mann aus der Grafschaft geriet damals zumindest kurz in den Fokus der Ermittler, wie alte Vernehmungsprotokolle ergeben. Spurenakte 916 im Mordfall Erika Kunze dokumentiert das. Der Mann war vier Jahre nach dem Mord an Kunze aufgrund einer anderen schweren Straftat verhaftet und vernommen worden. Allerdings kam die Polizei damals zu dem Schluss, dass er wahrscheinlich nicht „der Richtige“ sei. Es gab keine handfesten Beweise, die ihm hätten zugeordnet werden können. DNA-Analysen waren damals in der Kriminaltechnik noch nicht im Einsatz. Spurenakte 916 wurde geschlossen.

Die Recherchen der GN führten dazu, dass Kriminalisten in Nordhorn und Münster im Dezember 2015 kistenweise Asservate und alte Akten aus den Archiven holten und darüber hinaus neuen Hinweisen, die nach der GN-Berichterstattung eintrafen, nachgingen. Zwar verjährt Mord niemals, und sporadisch werden solche „cold cases“ (kalte Fälle) überprüft, doch Eckhard Klemp, Kriminalhauptkommissar bei der Polizeiinspektion Emsland-Grafschaft Bentheim, „kniete sich in die verstaubten Akten“ so richtig hinein und Spur 916 weckte bei ihm aufgrund einzelner Details großes Interesse. Könnte das vielleicht doch ein Treffer sein?

Parallel dazu hatte Kriminalhauptkommissar Joachim Poll aus Münster unter den Asservaten im Mordfall Storm einen Fingernagel gefunden, unter dem Ende der 1990er-Jahre DNA-Spuren nachgewiesen wurden. Würde das die Ermittler weiterbringen?

Verdächtiger bereits verstorben

Inzwischen hatte Eckhard Klemp herausgefunden, dass der Verdächtige aus Spur 916 verstorben und auf einem Friedhof in der Grafschaft Bentheim bestattet worden ist. Nach längeren juristischen Überlegungen gaben ein Richter und die Staatsanwaltschaft Osnabrück „Grünes Licht“ für eine Exhumierung. Nur so könne ausgeschlossen werden, dass der Verdächtige von damals entweder für den Mord – zumindest an Barbara Storm – in Frage kommt oder nicht. „Wir werden diesen Verdacht klären“, räumte Oberstaatsanwalt Hubert Feldkamp aus Osnabrück auf Anfrage der GN in der vergangenen Woche ein. Am Dienstag war es soweit.

Im Morgengrauen begannen die Friedhofsgärtner damit, das Grab zu öffnen. Zwei Stunden später stand der schwere Eichensarg im Vorbereitungsraum der Friedhofshalle und wurde im Beisein von zwei Kripobeamten aus Lingen sowie zwei Mitarbeiterinnen des Gerichtsmedizinischen Instituts in Oldenburg geöffnet. „Es wird nur DNA-Material entnommen“, hatte der Oberstaatsanwalt angekündigt. Und so konnte nach kurzer Zeit der Sarg wieder geschlossen und über den stillen Friedhof zurück an seinen Liegeplatz gebracht werden. Umgehend wurde die Grabstelle in ihren vorherigen gepflegten Zustand zurückversetzt.

Angehörige in Ungewissheit

Die Untersuchung der DNA-Proben kann einige Wochen dauern. Es sei auch aus seiner Sicht wichtig, das Ergebnis bald zu bekommen, damit die Angehörigen ebenfalls aus ihrer Ungewissheit befreit werden, so einer der Kriminalbeamten. Die Angehörigen des verstorbenen Mannes waren erst kurzfristig über die Exhumierung informiert worden. Immerhin könne das Ergebnis auch lauten, dass ein im Hinblick auf die ungeklärten Mädchenmorde Unschuldiger in seiner Totenruhe gestört worden ist. Dann ginge die Auswertung der Spuren weiter.

Stehen die Anhaltermorde aus den Jahren 1971 bis 1974 wirklich vor der Aufklärung? Denkbar ist das schon, auch wenn ebensoviele alte Erkenntnisse für diese Theorie wie dagegen sprechen. Nur der DNA-Test kann daher Auskunft geben und der Kriminalpolizei ermöglichen, diese Akte zu schließen, oder aber weiter damit zu arbeiten. Das Verfahren an sich stellt für die Hinterbliebenen des Mannes eine äußerst schwere emotionale Belastung dar. Ihre Privatsphäre muss daher berücksichtigt werden. Die journalistische Ethik gebietet daher, Hinweise, die einen Rückschluss über die Örtlichkeit der Exhumierung oder die Person erlauben, zurückzuhalten.

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