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Pflegenden Angehörigen hilft der Austausch

n Angehörigen hilft der Austausch
Zog eine positive Bilanz des Modellprojekts: Dr. Patrick Schuchter (Wien) im Kloster Frenswegen.

Die „Erzählcafés“ für pflegende Angehörige sind ein wichtiges Element zum Austausch von Erfahrungen und zum Abbau von Schuldgefühlen. Das zeigte die Bilanz des Modell-Projekts „Ethik von unten“ im Kloster Frenswegen.

gn Nordhorn.Nach einem Jahr wurde in einer gut besetzten Veranstaltung im Kloster Frenswegen das Modell-Projekt „Ethik von unten“, das von der Robert-Bosch-Stiftung mit 35.000 Euro unterstützt wurde, Bilanz gezogen. Initiiert wurde das Projekt vom St.-Vincenz-Haus in Neuenhaus zusammen mit der Grafschafter Hospizhilfe, gestartet wurde es im Mai 2014 zusammen mit weiteren Kooperationspartnern, unter anderem dem Pflegezentrum Nordhorn am Rovenkamp, der Bürgerhilfe Emlichheim, der Evangelisch-reformierten Diakoniestation in Nordhorn sowie dem Mathias-Haus in Lohne.

Die Pflege alter und kranker Menschen, vor allem aber die Begleitung von Partnern, Eltern, auch Kindern in deren letzter Lebensphase bringen pflegende Angehörige oftmals an ihre Grenzen. Deshalb war die Grundidee des Projekts, formuliert durch die wissenschaftlichen Begleiter vom „Institut für Palliative Care und Organisationsethik – IFF“ (Wien/Klagenfurt) Prof. Dr. Andreas Heller und dem Gesundheitswissenschaftler Dr. Patrick Schuchter: Betroffene, zum Beispiel Angehörige, treffen sich in sogenannten „Erzählcafés“, um sich unter Anleitung von ausgebildeten Moderatoren über ihre Erfahrungen auszutauschen und dabei neue Verhaltensmöglichkeiten zu erschließen, vor allem aber festzustellen, dass sie mit ihren Sorgen und Gefühlen nicht allein sind. So hat sich im Verlauf des Projekts der allzu abstrakte Slogan „Ethik von unten“ gewandelt in das lebensnähere „Gemeinsam statt einsam“.

Patrick Schuchter fasste Ergebnisse des Projekts zusammen: Es sei großartig erreicht worden, dass in den Gruppen über Älterwerden, Verlusterfahrungen, Sorge ums Alter, über Tod und Trauer gesprochen wurde. Obwohl wir eher in einer „Expertenkultur“ leben, in der man Entscheidungen von ausgewiesenen Experten erwartet, kommen elementar Betroffene im Gespräch mit Menschen gleicher oder ähnlicher Erfahrung zu wesentlichen Erkenntnissen über ihr Tun, über ihr Umgehen mit Schuldgefühlen (in allen Gruppen eine Hauptfrage), über einen guten Weg in allen anstehenden Entscheidungen. Dabei geht der Weg „von unten“, also ausgehend von Erzählungen, Gefühlen und Einsichten der unmittelbar Betroffenen als einer Art „Universalsprache“ von Menschen. Die Betroffenen sind es, die Experten für ihr eigenes Leben sind.

Wichtig sei es nun, dass die Anteilnahme an den Sorgen anderer durch die Bildung und Pflege von Gesprächsgruppen ermöglicht werde. Damit sei das soziale Umfeld angesprochen.

In diesem Zusammenhang wurde sehr beifällig aufgenommen, dass Paula Nordemann vom „Senioren- und Pflegestützpunkt im Landkreis Grafschaft Bentheim“ feststellte, dass der Landkreis ein großes Interesse daran habe, diese Initiativen wo immer möglich zu unterstützen. Der Landkreis sehe darin eine Fortsetzung der Aktion „Gesundheitsregion“. Schuchter wies daraufhin, dass er hier einen Ansatz sehe, wie er im englischen Raum unter dem Begriff „Compassionate Community“ (mitfühlende Gemeinschaft) realisiert werde.

Wichtig seien in dem Zusammenhang eine Verbesserung der institutionellen Sorge am Lebensende, Stärkung einer (zivil-)gesellschaftlichen Sorgekultur, ein guter Umgang mit den Themen Sterben, Tod und Trauer nicht erst im Hospiz und Pflegeheim, sondern ein Bedenken der Endlichkeit von Anfang an.

Einen Einblick in die Praxis von „Erzählcafés“ gab Michaela Suer vom Pflegezentrum Nordhorn, indem sie die Erfahrung von sieben Erzählrunden wiedergab. Wichtigstes Ergebnis sei die Erkenntnis: Allein das Reden über die anstehenden Fragen, insbesondere der Schuldgefühle, helfe und man erkenne dabei, anderen gehe es genauso oder ähnlich. „Das „ent-schuldet“, so Frau Suer. Notwendig seien weitere Vertiefungsgespräche, weil es eine „Langsamkeit des Erkennens und Verstehens“ gebe. Erkenntnis der eigenen Situation verlange Zeit.

Abschließend stellte der Initiator des Projekts und Gesprächsleiter des Abends, Tobias Ising, Leiter des St.-Vincenz-Hauses, fest: Das Angefangene werde weitergeführt. Die bisher kooperierenden Teilnehmer seien weiter an der Fortführung interessiert. Auch werde die angedachte Zusammenarbeit mit dem Landkreis sowie das Ansprechen zusätzlicher Akteure, zum Beispiel Kirchengemeinden, weitere gute Chancen bieten für ein nachhaltiges Weiterwirken des Projekts.

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