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Nach 25 Jahren in Nordhorn vereint

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Glücklich vereint: Maria Bruder und ihre Tochter Bianca-Lia beim Stadtbummel durch Nordhorn. Foto: privat
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  • Glücklich vereint: Maria Bruder und ihre Tochter Bianca-Lia beim Stadtbummel durch Nordhorn. Foto: privat
  • Viele Dokumente: Maria Bruder wurde von Johannes Foppe bei ihrer Suche nach der Tochter unterstützt. Foto: Westdörp

Eine lange Familientragödie hat jetzt in Nordhorn ihr glückliches Ende gefunden: Die aus Rumänien stammende, seit Jahren in Nordhorn lebende Maria Bruder konnte ihre totgeglaubte Tochter Bianca-Lia in die Arme schließen.

Nordhorn. „Wir haben geweint vor Glück und gelacht und uns in den Armen gehalten. Das war so schön. Das wünsche ich allen Müttern, so glücklich zu sein.“ Die 48-jährige Maria Bruder ist am Ziel ihrer Träume. Endlich, nach Jahrzehnten des Hoffens und der Verzweiflung, des Suchens und der Enttäuschungen hat sie ihre älteste Tochter Bianca-Lia wiedergetroffen. An diesem Wochenende hat sie ihr Kind, das sie zum letzten Mal 1992 als Kleinkind in den Armen halten durfte, zum ersten Mal richtig kennengelernt.

Maria Bruder hat es nicht leicht gehabt in ihrem Leben. Sie stammt aus Rumänien und wuchs dort in ärmlich-sten Verhältnissen auf. Aber ihre schwerste Bürde war der Verlust der Tochter. In gebrochenem Deutsch erzählt sie eine tragische Geschichte, die auch ein Spiegelbild jener Zeit ist.

Erst ins Heim, dann adoptiert

Als Bianca geboren wurde, hatte die Mutter in Rumänien keinen festen Wohnsitz, schlug sich als Tagelöhnerin in der Landwirtschaft durch. Bianca kam als Frühgeburt zur Welt – untergewichtig und kränklich. „Da gab es damals so ein Gesetz in Rumänien: Weil das Kind krank war und ich keinen festen Wohnsitz hatte, musste ich das Kind abgeben in ein Kinderheim“, erzählt Maria Bruder. Ein paarmal hat sie die Tochter dort noch besucht. Irgendwann hieß es, das Kind sei zur Genesung in ein anderes Land geschickt worden. Offenbar wurde die kleine Bianca damals ausländischen Paaren zur Adoption angeboten.

So wie sie wurden ab Anfang der 1990er Jahre Zehntausende rumänischer Kinder aus überfüllten und verdreckten Waisenhäusern in eine vermeintlich bessere Zukunft vermittelt – vor allem in die USA. Nicht immer ging es dabei legal zu. Zeitzeugen berichten, in der Hauptstadt Bukarest habe es in jenen Jahren einen regelrechten Handel mit Adoptivkindern gegeben.

Tausende ähnliche Fälle

Jeder habe sich damals in Rumänien ein Kind „abholen“ können, heißt es in zahlreichen Berichten über jene „vergessenen Kinder von Rumänien“. Es habe weder den sonst üblichen bürokratischen Aufwand für eine Adoption gegeben noch lange Wartezeiten. Und schon gar keine umfassende Dokumentation. Sobald die Kinder die rumänische Grenze hinter sich gelassen hatten, verlieren sich ihre Spuren.

Vor allem über die ersten Jahre jenes Adoptionshandels gibt es kaum Unterlagen. Denn zwischen 1990 und 1997 wurden nicht einmal die Namen der Kinder erfasst, sondern nur Nummern. Offizielle Stellen in Rumänien sprechen heute von gut 16.000 Fällen zwischen 1990 und 1997. Experten schätzen, dass es in Wirklichkeit fast doppelt so viele waren. Weder die leiblichen Eltern dieser Kinder noch die inzwischen erwachsenen Kinder selbst haben große Chancen, ihrer wahren Identität auf die Spur zu kommen.

Nordhorner findet Spur der Tochter

So ging es auch Maria Bruder, die im Jahr 2000 mit ihrem serbischen Ehemann vor den Wirren des Balkankrieges nach Deutschland flüchtete. Hier wurde sie als Asylbewerberin anerkannt. Nach der Trennung heiratete sie erneut, diesmal einen Deutschen. Mit ihm wohnte sie bis zu seinem Tod im Jahr 2012 in Lage. Alle Versuche, etwas über das Schicksal ihrer Tochter in Erfahrung zu bringen, scheiterten.

Schließlich half ihr der Zufall: Der Nordhorner Immobilienmakler Johannes Foppe, den sie 2012 mit dem Verkauf des Hauses in Lage beauftragt hatte, half ihr bei der Suche nach der verlorenen Tochter – und fand bald eine Spur im Internet. Er stieß auf die Anzeige einer jungen Frau aus dem US-Bundesstaat Ohio, die auf der Suche nach ihrer Mutter war. Doch die junge Amerikanerin schien zunächst wenig begeistert.

Schwierigkeiten mit der Sprache

„Da war anfangs viel Zweifel, denn es war ja nicht offiziell“, berichtet Foppe. Und die Adoptiveltern der jungen Amerikanerin waren ebenfalls mehr als reserviert. Sie schienen kein Interesse zu haben, die wahre Herkunft ihrer Adoptivtochter aufzuklären. Nach vielerlei Hin und Her brachte im Jahr 2014 ein Datenabgleich bei rumänischen Behörden Klarheit. Anhand von Nummern auf Pass und Geburtsurkunden konnten die Identitäten von Mutter und Tochter zweifelsfrei geklärt werden.

Sofort hat Maria Bruder per Brief und Internet Kontakt zu ihrer amerikanischen Tochter aufgenommen. Schwierig genug, da die Tochter weder deutsch noch rumänisch spricht und die Mutter kein Wort englisch. Ein persönliches Treffen scheiterte am Geld. Erst in diesem Jahr entschlossen Biancas Adoptiveltern sich dann doch, Bianca die teure Flugreise nach Europa zu finanzieren.

Am Freitag war es endlich so weit: In Nordhorn trafen Mutter und Tochter sich zum ersten Mal seit 1992 wieder. In Begleitung einer Bekannten, die als Dolmetscherin fungierte, konnte die inzwischen 25-jährige Bianca aus Ohio in Nordhorn ihre Mutter aus Rumänien in die Arme schließen.

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