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Lesen als ein Schlüssel zum Glück

 ein Schlüssel zum Glück
Zum 10. Geburtstag des Vereins Mentor Grafschaft Bentheim sang der Kinderchor der Maria-Montessori-Schule. Foto: Konjer

Seit 2006 besteht der Verein Mentor Grafschaft Bentheim. Die mittlerweile gut 250 ehrenamtlichen Helfer unterstützen Schulkinder beim Lesenlernen und beim Spracherwerb. Nun wurde der „runde Geburtstag“ gefeiert.

Nordhorn. Lesen? Das war früher gar nichts für Rissala Hammo. „Mit Lesen habe ich nur die Schule verbunden“, erzählt die heute 21-Jährige. Ihre Einstellung änderte sich erst, als sie in der fünften Klasse auf Leselernhelferin Inge Lange traf. Für die Dauer einer Schulstunde saßen die Beiden wöchentlich zusammen, schauten sich Bücher an und lasen bald gemeinsam darin. Drei Jahre lang ging das so – und Rissala machte eine enorme Entwicklung mit. Den Hauptschulabschluss meisterte sie mit Bravour, die Realschule schloss sie im Anschluss ab und machte daraufhin eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin.

„Ich freue mich immer, wenn ich dich sehe“

Arm in Arm standen die beiden Frauen am Donnerstagnachmittag in der Cafeteria der Berufsbildenden Schulen in Nordhorn vor der Festgesellschaft zum zehnjährigen Bestehen des Vereins Mentor Grafschaft Bentheim. „Ich freue mich immer, wenn ich dich sehe“, sagte Inge Lange an ihren Schützling gewandt. Zusammen mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Fritz hatte sie den Verein der Leselernhelfer im Jahr 2006 im hiesigen Landkreis gegründet und ist dessen Vorsitzende. Die Erfolgsgeschichte um Rissala Hammo steht beispielhaft für das Anliegen der Ehrenamtler: Kinder zu fördern, die Probleme mit dem Lesen und der deutschen Sprache haben. Nicht nur, um in ihnen die Faszination für Bücher zu wecken, sondern besonders, um ihnen die Chancen zu ermöglichen, die ihnen ohne ausreichende Sprachkenntnisse verwehrt blieben.

Heute hat Ilse Lange mehr als 250 freiwillige Mitstreiter, die den Kindern in einer „Eins-zu-eins“-Betreuung ihre Unterstützung anbieten. Fast 50 von ihnen sind seit dem ersten Jahr des Vereinsbestehens mit von der Partie. Eine „Frau der ersten Stunde“ ist Hildegard Stockhausen, die bei der Feier am Donnerstag aus ihrem Alltag berichtete. „Ich habe noch keinen Augenblick bereut“, sagte sie. Es bereite ihr nach wie vor viel Freude, mit den Kindern zu arbeiten und zu spüren, dass sich die Tätigkeit gut auf die Entwicklung der Schüler auswirkt. Den Kindern gelte dabei die „uneingeschränkte Aufmerksamkeit“, was sie positiv wahrnähmen.

Viel Lob

Viel Lob gab es bei der Jubiläumsfeier für das große Engagement der Leselernhelfer – auch von Otto Stender, dem Präsidenten und Mitbegründer der bundesweiten Mentor-Initiative, die insgesamt rund 14.000 Helfer umfasst. Der Erfolg der Grafschafter steche mit Blick auf ganz Deutschland heraus, meinte Stender und betonte die Wichtigkeit der Arbeit: „Wer als Kind nicht richtig Lesen lernt, erhält die Höchststrafe – nämlich lebenslänglich.“ Er verwies auf die große Gruppe von mehr als sieben Millionen sogenannten funktionalen Analphabeten in Deutschland, die etwa ein Wort lesen, aber nicht die Bedeutung ganzer Sätze erfassen können. Insofern gelte es, das „zarte Medium Buch“ zu fördern, „damit Kinder Texte verstehen, ihren marginalen Wortschatz vergrößern und auch in anderen Fächern besser werden“.

Angesichts der vielen Menschen, die das Projekt ehrenamtlich unterstützen, hob der Mentor-Präsident hervor, dass dieser Erfolg aus dem inneren Antrieb der Helfer selbst herrühre: „So etwas kann nur in Graswurzelmanier geschehen und nicht von oben aufoktroyiert werden“, zeigte sich Stender überzeugt und fügte abschließend hinzu: „Wie viel Freude es bringt, Kindern den Weg zu weisen, wissen alle hier.“

Auf die Kooperation kommt es an

Überzeugt vom Konzept des Mentor-Vereins ist auch Landrat und Schirmherr Friedrich Kethorn. Keine Rektorin müsse ein schlechtes Gewissen haben, wenn Leselernhelfer an ihrer Schule im Einsatz sind. Im Gegenteil: Es komme auf die Kooperation aller Beteiligten an. Durch die Verbesserung der Sprachkenntnisse wachse das Selbstvertrauen der Kinder, weil dadurch auch andere Fähigkeiten beflügelt würden: „Was in den vergangenen Jahren geschehen ist, ist beachtenswert.“

Eingerahmt wurde die Feier durch die Moderation von Reinhard Prüllage, die musikalischen Beiträge des Gitarristen Jörg Fillinger und des Kinderchors der Maria-Montessori-Schule, das Programm „Futter für den Kopf – Balsam für die Seele“ des Vortragskünstlers Rainer Rudloff sowie ein üppiges Kuchenbüfett.

Rissala Hammo, die die Sprachen Deutsch, Englisch, Spanische, Kurdisch und Arabisch beherrscht, hat inzwischen eine weitere Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in Angriff genommen. Unter dem großen Applaus der Gäste erklärte sie: „Frau Lange hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.“

Wer sich engagieren möchte, kann sich im Internet unter www.mentor-grafschaft-bentheim.de informieren .

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