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Iraker ist Bester bei Apotheker-Sprachprüfung

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Hat sein Ziel fest im Blick, später in Deutschland als Apotheker zu arbeiten: der Nordhorner Mohammed Al-Azzawi. Foto: Westdörp

Als Bester seines Jahrgangs in Niedersachsen hat Mohammed Al-Azzawi die Apotheker-Sprachprüfung bestanden. Noch vor einem Jahr lebte der 27-jährige Iraker in der Flüchtlingsunterkunft im Euregium in Nordhorn.

Nordhorn. „Volle Punktzahl. Das hat sonst keiner der 90 Prüflinge im Land geschafft“, erzählt Al-Azzawis Chef Dr. Rolf Sprinkmeyer in der Lindenapotheke stolz. Dass es eine besondere Leistung ist, weiß auch der 27-Jährige. Denn mit Deutschland und der deutschen Sprache hatte er vor seiner Flucht keine Berührungspunkte.

„Ich war ein Teenager, als im Irak der Krieg ausbrach. Viele schreckliche Dinge sind passiert, auch in meiner Heimatstadt Bagdad“, erzählt der junge Mann. Um dem zu entfliehen, bewarb er sich für ein Pharmazie-Studium im Nachbarland Jordanien „Ich konnte endlich mein Leben selbst in die Hand nehmen, ohne Angst zu haben“, erinnert er sich an sein Studium. Er meisterte es mit Bravour und kehrte voller Hoffnung in sein Heimatland zurück. Dort wurde er jedoch enttäuscht.

Schnell fand er eine Anstellung als Apotheker, kam beruflich jedoch nicht vorwärts. „Fleiß wird im Irak nicht belohnt. Um voranzukommen, zählt nicht Leistung. Man muss die passende Religion und politische Zugehörigkeit haben“, sagt der 27-Jährige. Als auch noch die Sicherheitslage immer ernster wurde, entschloss er sich für einen Neuanfang.

„Ich hatte auf der Flucht natürlich Angst, im Irak aber auch. Bereut habe ich meine Entscheidung bis heute nicht“, sagt Al-Azzawi. Über die Balkanroute gelangte er im Oktober 2015 nach Passau und von dort mit dem Bus nach Nordhorn ins Euregium. Er begann Deutsch zu lernen und konnte sich nach drei Monaten gebrochen unterhalten.

„Ich wollte ihm eine Chance geben“

„Eines Tages klingelte mein Handy. Die Anruferin erzählte mir, dass sie Asylbewerbern Deutsch beibringt. Einer ihrer Schüler sei irakischer Apotheker und hätte großes Interesse, meine Apotheke an der Lindenallee kennenzulernen“,erinnert sich Sprinkmeyer. Er sagte zu. Am nächsten Morgen schon stand Mohammed Al-Azzawi vor der Tür.

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Hat sein Ziel fest im Blick, später in Deutschland als Apotheker zu arbeiten: der Nordhorner Mohammed Al-Azzawi. Foto: Westdörp

„Er war interessiert, kannte sich gut aus und war hilfsbereit. Ich wollte ihm deshalb eine Chance geben“, sagt Sprinkmeyer. Al-Azzawi arbeitete als Hospitant, bis er im Oktober den Bescheid bekam, in Deutschland bleiben zu dürfen. Den ersten Schritt, um später als Apotheker zu arbeiten, hat er mit der Sprachprüfung geschafft. „Das verdanke ich auch meinen Kollegen. Sie haben mich jeden Tag mit Rat und Tat beim Lernen unterstützt“, sagt er.

Der Grafschaft will er auch in Zukunft treu bleiben. Er absolviert nun ein einjähriges Pflichtpraktikum als Zulassungsvoraussetzung für das Dritte Staatsexamen. Besteht er die Prüfung, ist er ein vollwertiger Apotheker. „Danach würde ich gerne in Nordhorn bleiben. Ich habe hier viele Freunde gefunden und meine Kollegen sind für mich wie eine Familie“, sagt Al-Azzawi. In den Irak zurückzukehren, kann er sich nicht mehr vorstellen.

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Die Meinung unserer Leser

12 Leserkommentare

1. | Brandlechter | Donnerstag, 16.02.2017 | 11:12 Uhr

Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung. Hoffe, dass der gewünschte Lebensweg auch so in Erfüllung geht.

2. | squeakysheep | Donnerstag, 16.02.2017 | 12:43 Uhr

Gratuliere! Wir brauchen viel mehr dieser positiven Nachrichten. Weiter so....

3. | Nordhorner01 | Donnerstag, 16.02.2017 | 13:20 Uhr

Gratulation auch von mir!

4. | Reinhold Volken | Donnerstag, 16.02.2017 | 13:53 Uhr

Ein toller Prüfungserfolg für Mohammed persönlich und gleichzeitig ein Superbeispiel für eine gelungene Integration eines jungen Flüchtlings aus dem Irak.

5. | Projekt Gold | Donnerstag, 16.02.2017 | 14:07 Uhr

Ich finde es gut, dass Herr Al-Azzawi sich fortbildet und Deutsch lernt. Allerdings fände ich es noch besser, wenn er das mit der Absicht tun würde, in seine Heimat zurückzukehren und helfen würde, diese wieder aufzubauen (sobald die Sicherheitslage dies zulässt).


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