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Frühjahrsputz in der Wassermühle in Wilsum

putz in der Wassermühle in Wilsum
Die Reinigung des Mahlsteins gehört zur Vorbereitung. Foto: Hamel

Gemeinsam haben Helfer des Heimatvereins Wilsum das Mahlwerk der Mühle auf Vordermann gebracht und damit die Saison gestartet. Auch dieses Jahr wollen die Müller wieder viele Besucher mit der alten Technik begeistern.

Wilsum. Es ist ein Idyll, das Schoneveldsche Mühlengelände am Fertenbach in Wilsum: Hohe Bäume, ein oberirdischer Weiher und mehrere historische Gebäude prägen das Bild. Gleich zwei Mühlräder gehören zum Ensemble: Neben dem größeren, unterschlächtigen Wasserrad am Café liegt weiter hinten das kleinere, oberschlächtige Rad, das eine voll funktionstüchtige Kornmühle antreibt. Diese Mühle instand zu halten, ist eines der Kernanliegen des Heimatvereins. Dieses Jahr feiert der Verein sein 25-jähriges Bestehen.

Stets im Frühjahr beginnt die Arbeit für die sechs Hobby-Müller um Zwier Lübbermann und die weiteren Helfer. So auch am Sonnabend: Hauptaufgabe war die gründliche Reinigung des Mühlsteins und des Zubehörs. Die auseinander genommenen Teile offenbarten einen seltenen Einblick in die Funktionsweise der Mühle, was das Interesse mehrerer Besucher auf sich zog.

Das Korn wird zwischen zwei waagerechten Steinplatten zerrieben. Der sogenannte Unterlieger (Plattdeutsch: Ligger) bleibt dabei unbewegt, während der Läufer (Löper) darüber durch die Wasserkraft rotiert. Um die Steine mit Kehrbesen und Staubsauger von Korn- und Mehlresten befreien zu können, muss der Läufer aus seiner Verankerung gehoben und nebenan abgesetzt werden. Dafür kommt ein alter Kran zum Einsatz, der die schwere Scheibe an zwei Seiten greift. Stolze 1,5 Tonnen bringt das Teil auf die Waage. Die Platte besteht aus Lavastein aus der Eifel. Bentheimer Sandstein würde sich zu schnell abreiben.

Der geöffnete Mühlstein lässt einen Blick auf die akribisch eingearbeiteten Mahlfurchen zu, durch die das Mehl nach außen wandert. Geschärft werden die Rillen mit sogenannten Billhämmern. Zahlreiche dieser Werkzeuge hängen im Mühlhaus.

Die Geschichte der Wilsumer Wassermühle reicht rund 700 Jahre in die Vergangenheit zurück, in ihrer heutigen Form besteht sie seit Beginn des 18. Jahrhunderts. Nach ihrer Stilllegung im Jahr 1940 sorgte der Heimatverein in den 1990ern für einen zweiten Frühling: Seit Mai 1996 ist die Mühle wieder in Betrieb. Im Frühjahr und Sommer wird einmal im Monat Korn gemahlen und Brot gebacken. Ein fester Termin ist in jedem Jahr zu Pfingsten der Deutsche Mühlentag. Gruppenführungen abseits der regulären Öffnungszeiten sind nach Vereinbarung möglich.

Erstmals haben die Müller in diesem Jahr Unterstützung durch das Werkstatt-Team, einer Gruppe jüngerer Mitglieder im Heimatverein, die sich vor zwei Jahren gegründet hat. Unter anderem ein Insektenhotel und ein Holz-Xylophon haben die fleißigen Tüftler schon gefertigt. Nun machen sie sich mit dem Betrieb der Mühle vertraut: „Uns geht es darum, das alte Handwerk kennenzulernen. Es ist schön, dass die Älteren ihr Wissen weitergeben und es uns beibringen“, sagt Jörg ter Haar.

Nicht nur die Demontage des Mühlsteins, sondern auch weitere Fragen werden geklärt: Wie funktioniert der Zulauf? Wie viel Wasser muss vorhanden sein? Die praktischen Einsichten hält Jörg ter Haar für wertvoll: „Vieles ist ’Learning by doing‘: Man lernt es erst, wenn man es macht.“

Am Sonnabend kommen die Helfer gut voran: Bald ist das Mahlwerk blitzeblank und kann – nach einem wohlverdienten „Söpie“ – wieder zusammengebaut werden. Nachdem auch die Holzverkleidung wieder den Mühlstein bedeckt, darf der erste Probelauf beginnen: Mit einem Steuerrad öffnet Zwier Lübbermann den Zulauf, das Wasser strömt aus dem Weiher über das Rad und setzt die alte Technik in Bewegung. Der typische Duft einer Stein-auf-Stein-Reibung füllt den Raum. Schon fallen die ersten Weizenkörner durch den Trichter in das Mahlwerk und der Müller lauscht den Geräuschen: „Die Mühle singt, wenn sie gut mahlt“, beschreibt er. Der Test ist bestanden. Übrigens können neben dem Mahlwerk auch eine Butterkarne und eine Waschmaschine durch das Wasserrad betrieben werden.

Die weiteren regulären Öffnungszeiten sind jeweils am Sonnabend, 20. Mai, 15. Juli und 19. August, von 14.30 bis 17 Uhr. Hinzu kommen der Deutsche Mühlentag am 5. Juni, eine Radtour am 10. September und der Erntetag der Treckerfreunde am 24. September. Am 13. Dezember ist ab 18.30 Uhr Middewinterhornblasen.

Alle Informationen zum Heimatverein Wilsum gibt es im Internet unter www.heimatverein-wilsum.de.

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