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Erdogan: Türken in Europa sollen fünf Kinder kriegen

Türken in Europa sollen fünf Kinder kriegen
Erdogan: „Macht nicht drei, sondern fünf Kinder, denn Ihr seid die Zukunft Europas“. Foto: Depo Photos
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  • Erdogan: „Macht nicht drei, sondern fünf Kinder, denn Ihr seid die Zukunft Europas“. Foto: Depo Photos
  • Hat den Streit mit Europa zu seinem bestimmenden Wahlkampfthema vor dem Referendum gemacht: der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Foto: Depo Photos/Archiv

Präsident Erdogan hat den Streit mit Europa zu seinem bestimmenden Wahlkampfthema vor dem Referendum gemacht. Jetzt fordert er seine Landsleute in der EU dazu auf, mehr Nachwuchs zu zeugen - als „Antwort“ auf angebliche Ungerechtigkeiten, die Türken dort erfahren.

dpa Istanbul. Im eskalierenden Streit mit Europa hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan seine dort lebenden Landsleute aufgefordert, ihren Einfluss auszuweiten und mehr Kinder zu zeugen.

„Macht nicht drei, sondern fünf Kinder, denn Ihr seid die Zukunft Europas“, sagte Erdogan im westtürkischen Eskisehir. „Das wird die beste Antwort sein, die Ihr auf die Unverschämtheiten, Feindseligkeiten und Ungerechtigkeiten, die man Euch antut, geben könnt.“ Der Staatspräsident kritisierte erneut das „faschistische Europa“ und rief seine Anhänger dazu auf, sich dem entgegenzustellen.

Innenminister Süleyman Soylu drohte der EU, Tausende Flüchtlinge über die Grenze zu schicken. „Wenn Ihr wollt, ebnen wir jeden Monat 15 000 Flüchtlingen den Weg, die wir Euch (bislang) nicht geschickt haben, damit Ihr Euch einmal wundert“, sagte er in Ankara. An diesem Samstag jährt sich der Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei zum ersten Mal.

Die Regierung setzte auch ihre spezifisch auf Deutschland abzielenden Angriffe fort. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte bei einer Wahlkampfveranstaltung im osttürkischen Gümüshane: „In Deutschland wird die Demokratie mit Füßen getreten.“ Justizminister Bekir Bozdag sagte im westtürkischen Kocaeli: „Die türkische Justiz ist zweifellos gerechter, unabhängiger und unparteiischer als die deutsche Justiz.“

In knapp einem Monat stimmen die Türken in einem Referendum über die Einführung des von Erdogan angestrebten Präsidialsystems ab. Im Streit um Wahlkampfverbote hatte Erdogan Deutschland „Nazi-Praktiken“ und den Niederlanden eine „neonazistische Gesinnung“ vorgeworfen.

Erdogan sagte am Freitag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Eskisehir: „Von hier aus appelliere ich an meine Bürger und Brüder in Europa: Da wo ihr arbeitet und lebt, ist nun Eure Heimat. Gründet noch mehr Betriebe. Schickt Eure Kinder in bessere Schulen. Lasst Eure Familien in besseren Stadtteilen leben. Steigt in die besten Autos. Wohnt in den schönsten Häusern.“

Erdogan warf den Europäern vor, Türken in Europa nur zu dulden, wenn diese niedere Arbeiten verrichteten. „Gegen den Türken, der als Arbeiter in der Fabrik arbeitet, haben sie keine Einwände. Aber gegenüber dem Türken, der Besitzer, Ingenieur oder Leiter dieser Fabrik ist, haben sie keine Toleranz mehr.“

Den Europäern unterstellte Erdogan zugleich, mit ihrer Kritik in Wahrheit einen Aufstieg der Türkei verhindern zu wollen. „Es ist nicht meine Person oder die Regierung, die sie beunruhigt. Sie sind beunruhigt von der Wirtschaft der Türkei, von ihrer Demokratie, ihrer Stellung in der Region und der Welt und davon, dass sie eine Stellung erreicht, in der sie sie nicht mehr braucht.“

Der Präsident fügte mit Blick auf die Europäer hinzu: „Denn die Türkei, von der sie träumen, ist eine Türkei, die in jeder Hinsicht abhängig von ihnen ist und die sie herumschubsen können wie sie wollen. Und dasselbe empfinden sie gegenüber den Türken in ihren eigenen Ländern.“

Innenminister Soylu warf Deutschland und den Niederlanden vor, sich in innere Angelegenheiten seines Landes einzumischen. „Wird die Verfassung etwa in Deutschland oder in Holland geändert?“, fragte er mit Blick auf das bevorstehende Referendum. „Was geht Euch das an? Wieso mischt ihr Euch ein? Habt Ihr etwa die Türkei in die Europäische Union aufgenommen? Habt Ihr die Türkei beim Kampf gegen den Terror unterstützt?“

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