Schulstunde in China

Astronautin unterrichtet Millionen Schüler aus dem All

Von Stephan Scheuer, dpa

Peking (dpa) - Mit kleinen Experimenten hat die chinesische Astronautin Wang Yaping am Donnerstag Millionen Schüler in China vor den Fernsehern gefesselt. Ihre Lektionen wurden per Video aus dem Raummodul „Tiangong 1“ zur Erde übertragen.

In der Mini-Raumstation ließ die 33-Jährige kleine Wassertropfen durch den schwerelosen Raum schweben, zeigte, wie ein Pendel bewegungslos in der Luft stehen blieb, und bewegte ihre männlichen Kollegen ohne Anstrengung durch die Schwerelosigkeit.

Mehr als 60 Millionen Schüler und Lehrer verfolgten die Schulstunde aus dem All vor den Fernsehern, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. An etwa 80 000 Schulen im Land wurden die Lektionen von Wang Yaping übertragen. Einige Schüler durften der Astronautin direkt Fragen stellen. „Können sie denn aus dem Fenster auch Müll im Weltall sehen?“, wollte eine Schülerin wissen. „Noch haben wir keinen gesehen, aber Müll ist im All ein großes Problem“, erklärte Wang Yaping.

Mit ihrer ruhigen Stimme beantwortete Wang nacheinander alle Frage. Immer wieder schaute sie etwas schüchtern zu ihren beiden männlichen Kollegen. „Aus dem Frontfenster können wir die Erde und die Sterne sehen. Aber wir haben keine Ufos gesehen“, sagte sie mit einem breiten Grinsen in die Kamera.

Mit Wang ist zum zweiten Mal eine chinesische Astronautin an Bord eines Raumschiffes. Sie und ihre beiden Kollegen Zhang Xiaoguang und Nie Haisheng sollen 15 Tage unterwegs sein, der längste Flug der jungen Raumfahrernation China. Das Raummodul „Tiangong 1“ kreist seit 2011 um die Erde. Die Astronauten werden etwa zwölf Tage in dem „Himmelspalast“ wohnen. Die Experimente auf dem fünften bemannten Raumflug Chinas sind wichtige Voraussetzungen für den Bau einer eigenen chinesischen Raumstation, der bis 2020 geplant ist.

Die Schüler waren begeistert von dem Programm. Er habe schon so viel über den Weltraum gehört, sagte Luo Jiangyuan der Agentur Xinhua. „Aber im Unterricht konnte ich heute sehen, was wirklich alles passiert. Das war total aufregend.“ Die Experimente seien faszinierend gewesen, meinte auch der zehn Jahre alte Qian Jianghao. „Die sind auf der Erde unmöglich. Das war wunderbar.“

China betreibt ein ambitioniertes Raumprogramm. In diesem Jahr will das Land eine Sonde auf dem Mond landen. Zudem baut China derzeit ein eigenes Satellitennetz für ein unabhängiges, weltumspannendes Navigationssystem auf.

Eigentlich sollte die US-Amerikanerin Christa McAuliffe 1986 die erste Unterrichtsstunde aus dem All geben. Aber nur 73 Sekunden nach dem Start explodiert die US-Raumfähre „Challenger“ am 28. Januar 1986 und stürzt in den Atlantik. Lehrerin McAuliffe und die anderen sechs Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Unglücksursache war eine fehlerhafte Dichtung zwischen Segmenten einer Antriebsrakete.

Mini-Drohne

FBI bestätigt Drohneneinsatz innerhalb der USA

Washington (dpa) - Erstmals hat die US-Bundespolizei FBI den Einsatz von Drohnen zu Überwachungszwecken auch innerhalb der USA bestätigt.

Das FBI habe „sehr wenige“ dieser unbemannten Fluggeräte in begrenztem Umfang eingesetzt, sagte FBI-Direktor Robert Mueller am Mittwoch (Ortszeit) vor einem Senatsausschuss in Washington.

„Sie werden sehr selten eingesetzt und üblicherweise bei besonderen Ereignissen verwendet, wenn man ihre Fähigkeiten benötigt“, erklärte Mueller. „Es ist sehr eng auf besondere Fälle und besondere Ansprüche begrenzt.“

Drohnen können klein sein wie Insekten oder groß wie Verkehrsflugzeuge. Die FBI-Drohnen haben nach Informationen des Senders CBS News das Ausmaß von Modellflugzeugen.

Bewaffnete Drohnen werden in den USA nicht eingesetzt. Nach Angaben der Vereinigung Amerikanischer Wissenschafter FAS nutzen das Heimatschutzministerium, der Grenzschutz (CBP), Bundes- und Landespolizeien, Gemeinden sowie die Streitkräfte aber bereits Überwachungsdrohnen. In Nord Dakota sei kürzlich erstmals eine Festnahme mit Drohnenunterstützung erfolgt. Geprüft werde der Einsatz unbemannter Flugkörper auch im Brandschutz.

Schon 2010 hatte das US-Luftfahrtamt FAA Fluglizenzen für 251 Drohnen im US-Luftraum ausgegeben, darunter 140 mit Bezug zum Verteidigungsministerium. Im Februar 2012 beschloss der US-Kongress ein FAA-Reformgesetz, das die beschleunigte Zulassung von Drohnen vorsieht. 2030 sollen etwa 30 000 Drohnen in den USA fliegen. Umstritten ist in den USA die Frage, inwieweit der Einsatz von Überwachungsdrohnen Persönlichkeitsrechte der Bürger verletzen kann. Im März legte der Republikaner Austin Scott einen Gesetzentwurf zum Schutz der Privatsphäre gegen unberechtigten Drohneneinsatz vor.

Schäuble und Schröder

Union will Kindergeld und Steuerfreibeträge anheben

Berlin (dpa) - Die Union will nach der Bundestagswahl das System von Ehegattensplitting, Kindergeld und Steuerfreibeträgen zu einem „faktischen Familiensplitting“ weiterentwickeln.

Kinder wie Erwachsene sollten künftig den gleichen Grundfreibetrag bei der Steuer erhalten, kündigten Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) bei der Vorstellung eines Berichtes über familienpolitische Leistungen des Staates am Donnerstag in Berlin an.

Zugleich solle das Kindergeld angehoben werden, damit auch jene Familien bessergestellt würden, die nicht von einer Freibetragsanhebung profitierten, sagte Schröder.

Nach Angaben Schäubles würde durch die Anhebung des Kinderfreibetrags auf das Niveau von Erwachsenen eine Durchschnittsfamilie mit rund 250 Euro zusätzlich im Jahr entlastet. Wie hoch das Kindergeld dann für mittlere und gering verdienende Familien angehoben werden soll, sagten beide nicht.

Schäuble sprach sich dafür aus, die steuerliche Gleichstellung in einem Schritt vorzunehmen. Gleichwohl sei der Finanzspielraum des Staates nicht größer geworden. Das in der kommende Woche vorliegende Wahlprogramm von CDU und CSU werde auch in der Familienpolitik „keine unrealistischen Versprechungen“ enthalten.

Schröder sagte: „Familiensplitting heißt für uns: Ehepaare und Lebenspartnerschaften haben das Ehegattensplitting, weil sie dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen.“ Eltern mit Kindern profitierten stärker als bisher von der neuen steuerlichen Gleichbehandlung bei den Freibeträgen. „Und bei Familien, in denen beides - also Ehe und Kinder - zusammenfällt, wirkt die Kombination von beiden Vorteilen am stärksten.“ Ziel ihrer Familienpolitik sei es, „nicht Reichtum zu belohnen, sondern Kinderreichtum“.

Vom Ehegattensplitting profitieren vor allem Paare, in denen die Partner sehr unterschiedliche Einkommen haben.

Zu den kritischen Stimmen innerhalb der Union über das Elterngeld sagte Schröder: „Dieses steht für mich nicht zur Disposition - auch nicht für Volker Kauder, so wie ich ihn verstanden habe.“ Der CDU/CSU-Fraktionschef hatte mehrfach eine Überprüfung des Elterngeldes nach der Wahl angekündigt. Das Elterngeld als Lohnersatzleistung für die ersten 14 Monate nach einer Geburt ist vor allem im konservativen Flügel der Union umstritten.

Rauch in Singapur

Riesige Waldflächen brennen in Indonesien

Jakarta (dpa) - Dicke Luft in Indonesien: Auf Sumatra sind ganze Landstriche nach Waldbränden in dichte Rauchwolken gehüllt. Experten warnen vor Gesundheitsgefahren. Auch in den Nachbarländern Malaysia und Singapur erreichte die Belastung wegen der schädlichen Rauchpartikel teilweise Höchstwerte.

In Singapur stieg nach Angaben der Behörden am Mittwoch die Luftverschmutzung auf den höchsten Wert in der Geschichte des Stadtstaats. Im malaysischen Bundesstaat Johor fiel am Donnerstag wegen der Luftverschmutzung der Unterricht an den Schulen aus.

Am Donnerstag forderten die Gesundheitsbehörden der indonesischen Provinz Riau auf Sumatra die Menschen auf, in ihren Häusern zu bleiben oder Gesichtsmasken zu tragen, wenn sie nach draußen gehen. Die Verschmutzungswerte der Region waren am Mittwoch weit über die zulässigen Grenzwerte gestiegen. Am Donnerstag hatte sich die Lage wieder etwas gebessert.

Auf Sumatra und im indonesischen Teil Borneos kommt es jedes Jahr in der Trockenzeit zu Waldbränden. Die Rauchschwaden ziehen oft tagelang über Singapur und Malaysia hinweg. Viele Brände werden Umweltorganisationen zufolge absichtlich von Plantagenbesitzern gelegt, die Land roden wollen.

Indonesiens Nachbarn scheinen die Geduld zu verlieren: Singapur etwa forderte Strafen für Plantagenbesitzer, die Feuer legen. Niemand solle denken, er habe das Recht, die Umwelt zu verschmutzen und auf Kosten der Gesundheit anderer Menschen Geld zu verdienen, sagte Singapurs Umweltminister Vivian Balakrishnan der Tageszeitung „Straits Times“. Sein Land tue genug und sei sich der Auswirkungen der Brände bewusst, sagte hingegen am Mittwoch Indonesiens Außenminister Marty Natalegawa.

Tatort Scharrerstraße

Bayerns Justizministerin bittet NSU-Opfer um Entschuldigung

München (dpa) - Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) hat die Angehörigen der NSU-Mordopfer wegen der jahrelang erfolglosen Ermittlungen um Entschuldigung gebeten. Es tue ihr leid, dass es nicht gelungen sei, die Mordserie schnell aufzuklären und weitere Taten zu verhindern.

„Ich bedauere das sehr als Vertreterin der Exekutive - vor allen Dingen aber auch ganz persönlich“, sagte sie im NSU-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags. Eigene Fehler oder Versäumnisse ihres Ministeriums sieht Merk aber nicht.

Über Details aus den Ermittlungen ließ sie sich nicht informieren. Es habe keinen Grund für sie selbst oder ihr Ministerium gegeben, sich in die Ermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaften einzuschalten, sagte Merk. Allein in Bayern wird der „Nationalsozialistische Untergrund“ für fünf Morde an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern verantwortlich gemacht. Die Ermittler kamen den Terroristen aber lange nicht auf die Spur.

Thomas de Maizière

De Maizière stellt Bedingungen für Afghanistan-Engagement

Masar-i-Scharif/Herat (dpa) - Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat erneut Bedingungen für ein längerfristiges Engagement der Bundeswehr in Afghanistan gestellt.

Dazu zähle „eine nachhaltige, zuverlässige Vereinbarung über das Truppenstatut“, betonte de Maizière zum Auftakt eines Truppenbesuchs in Afghanistan. Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte die Verhandlungen mit den USA über ein solches Statut am Mittwoch abgebrochen, weil er verärgert über US-Pläne für Gespräche mit den radikal-islamischen Taliban ist.

Die Nato will ihren Kampfeinsatz in Afghanistan 2014 beenden. Danach sollen von den derzeit knapp 100 000 ausländischen Soldaten nur noch 8000 bis 12 000 für Ausbildung und Beratung im Land bleiben. Von den einst mehr als 5000 deutschen Soldaten sind noch 4100 in Afghanistan. 2015 sollen es nur noch 600 bis 800 sein. Deutschland hat als bisher einziges Land eine konkrete Truppenstärke genannt.

Das Truppenstatut ist Teil eines bilateralen Sicherheitsabkommens mit den USA. Damit soll Soldaten auch nach dem Ende des Kampfeinsatzes 2014 Immunität zugesichert werden. Der Vertrag soll als Blaupause auch für den Nato-Einsatz nach 2014 dienen. Ohne ein solches Abkommen steht die geplante Folgemission ab 2015 infrage.

De Maizière landete am Donnerstag im nordafghanischen Hauptquartier der internationalen Afghanistantruppe Isaf in Masar-i-Scharif. Dort kritisierte er auch Verzögerungen bei einsatzrelevanten Rüstungsprojekten. „Solche langen, komplizierten Verfahren, insbesondere wenn die Einsatznotwendigkeit drückt, die dürfen wir uns nicht oft leisten“, sagte er bei der Besichtigung von Transport- und Sanitätshubschrauber des Typs NH90. Die Auslieferung der Helikopter hatte sich um Jahre verzögert. Die Bundeswehr war deswegen lange Zeit auf Sanitätshubschrauber der US-Verbündeten angewiesen.

Nach einem Kurzaufenthalt in Masar-i-Scharif reiste de Maizière ins westafghanische Herat weiter, wo er den afghanischen Verteidigungsminister Bismillah Khan Mohammadi und seinen italienischen Kollegen Mario Mauro traf. Italien hat innerhalb der Isaf die Führungsrolle für die vier West-Provinzen des Landes und ist mit rund 3600 Soldaten viertgrößter Truppensteller nach den USA, Großbritannien und Deutschland.

De Maizière ist zum zwölften Mal seit seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren in Afghanistan. Zuletzt hatte er die Truppe im Mai zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht.

Gewitter in Hannover

Unwetter im Norden Deutschlands

Berlin (dpa) - Vollgelaufene Keller, überschwemmte Straßen und umgestürzte Bäume: Unwetter mit Blitz und Donner haben vor allem im Norden Deutschlands Schäden angerichtet. In Brunsbüttel in Schleswig-Holstein hielt das Dach eines Supermarktes den Wassermassen nicht stand und brach ein.

Die Mitarbeiter konnten sich in Sicherheit bringen. In Hamburg fuhr die Feuerwehr mehr als 140 Einsätze wegen überfluteter Straßen und Keller, wie ein Sprecher sagte. Von den Unwettern in der Nacht zum Donnerstag waren auch Bremen, Teile von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern betroffen.

Die Polizei in Kiel berichtete von drei brennenden Reetdachhäusern und vermutete Blitzeinschlag als Ursache. Menschen seien nicht verletzt worden. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es zahlreiche Einsätze wegen Wasserschäden oder umgestürzter Bäume, wie die Polizei Rostock mitteilte. Zwei Boote sanken in der Nähe von Rostock, Menschen wurden nicht verletzt.

In Bremen schlugen nach Polizeiangaben zwei Blitze ein, dabei fing der Dachstuhl eines Einfamilienhauses Feuer. Verletzt wurde nach Angaben der Feuerwehr niemand, es entstand ein Schaden von 250 000 Euro. Die Regenfälle setzten zahlreiche Keller unter Wasser. In der Hansestadt zählte die Feuerwehr 80 Einsätze innerhalb von drei Stunden. Im niedersächsischen Langen setzte ein Blitz ein Wohnhaus in Brand. Da die Hausbewohner im Urlaub waren, wurde niemand verletzt. Den Schaden schätzte die Polizei auf 100 000 Euro.

Über den Norden von Sachsen-Anhalt zogen in der Nacht zu Donnerstag ebenfalls heftige Gewitter hinweg. Ein Blitzeinschlag setzte in Arendsee eine Scheune in Brand, wie ein Polizeisprecher in Magdeburg sagte. Das Gebäude brannte nieder. Verletzt wurde niemand. Zudem stürzten zahlreiche Bäume um.

In Gütersloh in Nordrhein-Westfalen richtete ein Unwetter ebenfalls größere Schäden an. Wie die Polizei mitteilte, wurden Straßen überflutet und Bäume stürzten um. Die Feuerwehr musste etwa 120 Keller und Tiefgaragen leer pumpen. Fast alle Bahnunterführungen waren mit Wasser vollgelaufen.

Im Bahnverkehr kam es infolge der Unwetter zu mehreren kleineren Schäden, sagte eine Sprecherin am Donnerstagmorgen. Sie seien aber fast alle behoben worden.

Kernkraftwerk Brunsbüttel

Albig: Atommüll bleibt weiterhin in Brunsbüttel

Kiel (dpa) - Der Atommüll im Zwischenlager Brunsbüttel soll nach den Worten des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD) trotz Aufhebung der Betriebsgenehmigung vorerst dort bleiben.

„Wo soll der Müll denn hin, wir können ihn doch nicht auf die Straße stellen“, sagte Albig in Kiel der Deutschen Presse-Agentur. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig hatte am Vortag die Genehmigung für das Zwischenlager aufgehoben, weil der Schutz gegen terroristische Angriffe wie gezielte Flugzeugabstürze nicht ausreichend geprüft worden sei.

Albig sieht jetzt das Bundesamt für Strahlenschutz und die Bundesregierung in der Pflicht. Sollte die Entscheidung rechtskräftig werden, müsse der Bund in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt die rechtlichen und fachlichen Voraussetzungen für eine erneute Genehmigung zur Zwischenlagerung schaffen.

Protest in Brasilien

Brasilianer feiern Protest-Erfolg und randalieren weiter

São Paulo (dpa) - In Brasilien ist vorerst kein Ende der Massenproteste gegen soziale Ungleichheit in Sicht. Die Demonstranten können zwar einen Teilsieg verbuchen: Landesweit wurden Fahrpreiserhöhung für Busse und U-Bahnen zurückgenommen.

Doch für heute werden weitere Proteste erwartet - vor allem in Rio de Janiero, wo im Maracanã-Stadion das Spiel Spanien-Tahiti im Confederations Cup ausgetragen wird.

FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke rechnet mit einer Million Demonstranten. Dies sagte der Franzose am Rande des Fußballspiels Brasilien gegen Mexiko. „Wir können nichts tun“, sagte Valcke. „Das ist eine unangenehme Situation für alle Beteiligten. Niemand ist damit glücklich.“ Das Fußballturnier wird zunehmend von den Demonstrationen überschattet.

Am Mittwochabend verkündeten São Paulos Gouverneur Geraldo Alckmin und der Bürgermeister Fernando Haddad die Rücknahme der Preiserhöhungen. Beide Politiker sprachen von einem „großen Opfer“ und machten klar, dass die Einnahmeausfälle an anderer Stelle eingespart werden müssten. Auch in Rio kündigte Bürgermeister Eduardo Paes die Rücknahme der Tariferhöhung von 2,75 auf 2,95 Reais an. Den gleichen Schritt hatten zuvor bereits sieben andere Städte verkündet.

Die Demonstranten in São Paulo zeigten sich zwar zufrieden mit der Preisrücknahme. Sie befürchten aber nun im Gegenzug andere Einsparungen, etwa im Gesundheits- oder Bildungssystem.

Busse und Bahnen sind für Millionen Brasilianer die einzige Möglichkeit, zur Arbeit zu kommen. Die Tarife waren in São Paulo von 3,00 auf 3,20 Reais (1,10 Euro) angehoben worden. Landesweit waren Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen. Die Tariferhöhung war ein zentrales Anliegen, doch die Proteste richten sich auch gegen die Milliarden-Kosten für die WM 2014, Misswirtschaft und Korruption.

In Niteroi bei Rio de Janeiro gingen am Mittwochabend erneut Tausende Menschen auf die Straße. Es kam zu Zusammenstößen mit Sondereinheiten der Polizei, die Tränengas einsetzten. Die Demonstranten hatten zuvor eine Brücke besetzt. Einige Randalierer versuchten, einen Bus umzustürzen und in Brand zu setzen. Auch in São Paulo zogen Tausende über die zentrale Avenida Paulista.

In Fortaleza kam es vor dem Anpfiff des Confed-Spiels zwischen Brasilien und Mexiko zu zunächst friedlichen Protesten. Spieler der brasilianischen Nationalmannschaft erklärten sich solidarisch mit friedlichen Demonstranten.

Gespräche in Doha beginnen

Streit um Taliban-Verhandlungen

Kabul (dpa) - Im Streit mit der afghanischen Regierung um Friedensverhandlungen der USA mit den Taliban bemüht sich Washington um Entspannung. Aus dem Präsidentenpalast in Kabul hieß es am Donnerstag, US-Außenminister John Kerry habe Präsident Hamid Karsai am Vortag mehrfach angerufen.

Kerry habe Karsai versichert, dass die Plakette mit der Aufschrift „Islamisches Emirat Afghanistan“ am neuen Taliban-Büro in Katars Hauptstadt Doha entfernt worden sei. Auch die Taliban-Flagge an dem Büro der Aufständischen werde entfernt.

Die „Washington Post“ hatte berichtet, ein erstes Treffen von US-Vertretern und den Taliban in Doha sei für heute geplant. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, sagte am Mittwoch (Ortszeit) in Washington allerdings: „Weil wir mit den Afghanen (der Karsai-Regierung) daran arbeiten, was der nächste angemessene Schritt ist, gibt es kein Treffen.“ Berichte über ein konkret geplantes Treffen seien „nicht zutreffend“.

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