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Zum guten Schluss das Meisterstück

Galerieleiterin Olbrich verabschiedet sich mit der grandiosen Ausstellung "Der zweite Blick"

 Schluss das Meisterstück
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Von Thomas Kriegisch - Nordhorn. Es sind vor allem die relevanten künstlerischen Gegenwartspositionen einer kraftvollen Ästhetik in Gemälden, Wandbildern, Zeichnungen, Fotografien oder Skulpturen, die den "zweiten Blick" zu einem sinnlichen Genuss werden lassen und dabei dennoch die inhaltlichen Aspekte der Ausstellung wie Vielschichtigkeit, Opulenz, Komplexität, Ordnung und Neustrukturierung, Distanz und Nähe ernsthaft auf bildnerisch ansprechenden und transparenten Wegen verhandeln und an den Betrachter bringen. Der kann sich nur schwer der visuellen Pracht und Üppigkeit auf den vielfältigen Wahrnehmungs- und Deutungsebenen entziehen und wird von einer energievollen ästhetischen Aura regelrecht zum Schauen und Flanieren in die Galerie gezogen.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Tilo Schulz in Zusammenarbeit mit der Galerie. Der 1972 geborene und in Berlin lebende Künstler erhielt 2009 den Kunstpreis der Stadt Nordhorn und ist seit 1996 auch als Ausstellungskurator tätig. Für die Gruppenausstellung "Der zweite Blick" stellte er mit sensiblem Gespür und einem kenntnisreichen Blick auf die aktuelle Kunstszene sieben internationale Künstlerinnen und Künstler zusammen, die auf verschiedenste Weise die Ausstellungsprogrammatik bespielen, gleichzeitig aber allesamt mit der Autonomie ihres eigenständigen Werkes überzeugen und bestehen.

Die Ausstellung zeigt Werke der beiden Documenta-11-Teilnehmer Cecilia Edefalk aus Schweden (geboren 1954) und Fabian Marcaccio (1963, New York), von den in Berlin lebenden Künstlern Carsten Fock (1968), Schirin Kretschmann (1980) und Cornelia Renz (1966) sowie von Matts Leiderstam (1956) aus Stockholm und Platino (1948) aus Stuttgart. Im Schwerpunkt zu sehen sind eine zum Teil den Raum erobernde Malerei zwischen Abstraktion und Figuration und Zeichnungen, wobei jedoch die Vorstellungen vom klassischen Bild durch eine große Vielfalt an Details, Doppelungen, Variationen und Reflexionen eines Motivs erweitert oder mit doppelbödiger Ironie gebrochen werden.

Die optische Klammer aller Werke bildet die raumgreifende Farbintervention von Schirin Kretschmann. Sie tauchte den gesamten Galerieboden in erdbeerrote Lebensmittelfarbe - und das in einer großen malerischen Geste, die den Duktus des quastenartigen Pinsels wie die sichtbar gewordenen Spuren eines schmutzigen Wischlappens erscheinen lassen. Die originelle Bodenarbeit "Rewind" unter den Füßen des Besuchers macht so über eine einfache, aber phantasievolle Bildsprache verschwundene Spuren sichtbar und lässt den Fokus des Betrachtens gleichsam zwischen einem vergangenen Herstellungsprozess und der Gegenwart eines Werkes pendeln. Der Besucher, der die Ausstellung nur über die Bodenarbeit begehen kann, wird gleichsam Teil des Bildes.

Poetisch, federleicht und zerbrechlich kommen Carsten Focks präzise gestische Malereien auf einer in Kasseler Braun gehaltenen Galeriewand daher. Seine abstrakten Zeichen stehen in Korrespondenz zu einigen gerahmten Zeichnungen, in denen Fock philosophische, historische oder politische Fragen thematisiert und mit Zitaten kombiniert. Mit einem faszinierenden Spiel mit Bild und Abbild überzeugt Cecilia Edefalk, wenn sie Diaprojektionen von Gemälden auf die jeweiligen Originalbilder im Rahmen an der Wand projiziert. Matts Leiderstam holt in seinen Fotografien mit Hilfe einer Lupe etwa sehr erotische Details aus kunsthistorischen Gemälden hervor, die der Betrachter mit dem bloßen Auge nicht erkennen kann.

Nahezu wie ein moderner Hieronymus Bosch kommt Cornelia Renz mit einer fantastischen Stilistik daher. Ihre großformatigen Zeichnungen auf zwei übereinander liegenden Plexiglasscheiben erzielen eine räumliche, nahezu psychedelische Wirkung. Die collagenhaft angelegten figurativen Motive spielen mit alltäglichen Bildwelten, mit der Ästhetik medizinisch-wissenschaftlicher Zeichenbücher zum Thema Hysterie oder mit popkulturellen Versatzstücken.

Fabian Marcaccios Arbeit "Environmental Paintant" ist eine Wortschöpfung aus "Painting" und "Mutant": Seine Malerei auf der Wand entwickelt sich in den Raum und "mutiert" zu einer kokonartigen Skulptur. Der seit den 1970er Jahren bekannte Stuttgarter Künstler Platino zeigt Ausschnitte seiner "Spaces" - Fotografien aus seinem direkten Lebensumfeld Atelier, in dem die Grenzen zwischen Malerei, Fotografie, Skulptur, Installation und Architektur fließend sind. Diese Fotos zeigen das aus ungewöhnlichen Perspektiven, die über die Spiegelungen ihrer Rahmen die Grenzen zwischen Raum und gespiegeltem Raum aufzulösen scheinen. Unbedingt hingehen!

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