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Westernhagen in Nordhorn: Keine Presse bitte!

gen in Nordhorn: Keine Presse bitte!
Gefühlvoller Exzentriker: Sänger und Schauspieler Marius Müller-Westernhagen hat zu Nordhorn eine ganz besonders innige Beziehung. Foto: dpa

„Ich bin in guter Hoffnung – wenn es ein Junge wird, nennen wir ihn Marius.“ So schreibt die Mutter von Sänger Marius Müller-Westernhagen, im Frühjahr 1948 in einem Brief an die Nordhorner Familie Betty und Heinz Pache.

Nordhorn. Ein Jahr bereits ist das Ende des Zweiten Weltkrieges her und das Leben in der Grafschaft beginnt sich langsam, aber sicher, zu normalisieren. Das kulturelle Leben in der Grafschaft Bentheim befindet sich noch im Dornröschenschlaf, doch die ersten zarten Pflänzchen in Sachen Theater, Bühne und Musik beginnen vor allem in Nordhorn zu wachsen. Der Neubau des vom Nordhorner Architekten Werner Zobel entworfenen Konzert- und Theatersaales am Ootmarsumer Weg befindet sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal in Planung. Am 11. April 1958 wird das Gebäude als „Haus der Kunst“ an die Stadt Nordhorn übergeben.

An der Denekamper Straße in Nordhorn – zwischen der ehemaligen Bäckerei Altendeitering und dem heutigen Sitz des DRK-Kreisverbandes – steht noch das Gebäude des früheren Kinos „Schauburg“, das in den ersten Nachkriegsjahren als Theater genutzt wird. Für die ersten Bühnenstücke ist das Schauspielhaus Düsseldorf gebucht, bei dem Hans Müller-Westernhagen unter Gustaf Gründgens engagiert ist. Einziges Problem: Wie kommen die im Rheinland lebenden Schauspieler nach Nordhorn und wieder zurück?

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Drei Müllers – so lautet die kurze Bildunterschrift eines Fotos aus dem im Verlag Hoffmann und Campe erschienenen Buch „Bilderbuch einer Karriere“ von Wolfgang Spindler. Das Foto zeigt Hans Müller-Westernhagen mit Sohn Marius und Tochter Christiane. Foto: Müller

Die britische Besatzungskommandantur in der Nordhorner Jahnstraße findet in dem früheren Wehrmachtssoldaten Heinz Pache, der bis Ende des Krieges im „Führerhauptquartier Wolfsschanze“ im ostpreußischen Rastenburg seinen Dienst versah, einen vertrauenswürdigen Fahrer. Pache wird mit einer entsprechenden Erlaubnis ausgestattet und bekommt einen Pkw zum Abholen der Bühnenakteure zur Verfügung gestellt. „Und so habe ich gleich bei der allerersten Fahrt von Düsseldorf nach Nordhorn den Vater von Marius kennengelernt“, erinnert sich der vor zehn Jahren verstorbene Heinz Pache 1995 als Fotograf für das Grafschafter Wochenblatt während eines Kollegengespräches im „Theater der Obergrafschaft“ in Schüttorf nicht ohne Stolz. Die Künstler auf der Bühne haben es Pache angetan, nimmt er doch ganz bewusst Termine kultureller Veranstaltungen für den seinerzeit noch eigenständigen Nordhorner Anzeigenblattverlag wahr.

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Das Domizil der Eheleute Pache an der Dortmunder Straße 48 in Nordhorn. Hier erfreuen sich die beiden Nordhorner auch an den vielfältigen Kontakten zur Show- und Musikszene, die Heinz Pache als Fotograf im Laufe der Jahre knüpft. Foto: Müller

Schauspieler Hans Müller-Westernhagen ist in den Folgejahren noch einige Male zu Gast in der „Schauburg“. Der private Kontakt zur Familie Pache wird immer intensiver – man besucht sich mittlerweile gegenseitig. Die im vom Krieg arg gebeutelten Rheinland noch relativ knappen Lebensmittel sind in der ländlichen Grafschaft ausreichend vorhanden und werden von Betty und Heinz Pache natürlich gern mitgebracht beziehungsweise mit auf den Rückweg in den Düsseldorfer Stadtteil Heerdt gegeben.

Mittlerweile hat sich Vater Hans Müller-Westernhagen von seinen Schauspiel-Gagen einen gebrauchten Pkw der Marke „Adler“ gekauft: So besuchen Liselotte, Hans, Christiane und Marius Müller-Westernhagen aus Düsseldorf nun regelmäßig die Familie Pache in der Evastraße im Nordhorner Stadtteil Blanke. Anfang der 1960er-Jahre bauen die Paches an der Dortmunder Straße ein schmuckes Eigenheim.

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Ein Bild aus früheren Tagen: Die im Dezember 2015 verstorbene Betty Pache (links), Liselotte Müller-Westernhagen (Mitte) mit ihrem langjährigen Lebensgefährten , Ursula Geesen und Heinz Pache bei einem der vielen familiären Treffen bei den Geesens an der Nordhorner Brunnenstraße. Foto: privat

Die Paches sind auch als „Babysitter“ gern gesehen: 1954 wird der kleine Marius zu Betty und Heinz Pache in die Evastraße gebracht. Hier ist schon in weiser Voraussicht auf die Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz ein Fernsehgerät in Betrieb. Für rund zwei Wochen ist die Grafschafter Kreisstadt nun seine kunterbunte „Spielwiese“. Mit den beiden ungefähr sechs Jahre älteren Nordhorner Jungs Klaus Kawallek und Jürgen Lukowski jagt der leidenschaftliche Fußballer und spätere Hobby-Eishockeyspieler Müller-Westernhagen dem runden Leder nach, während Betty Paches Vater den knapp sechsjährigen Düsseldorfer in einer klein en schummrigen Denekamper Gaststätte für das Billardspiel begeistert.

Der junge Marius, dessen Vater Hans 1964 stirbt, merkt schnell, dass dieser tiefe freundschaftliche Kontakt seiner Familie „irgendwie“ das Überleben nach dem Krieg gesichert hat und kommt auch noch lange nach Beginn seiner Schauspieler- und Sängerkarriere ab und zu in Nordhorn zu Besuch. Betty Pache erinnert sich in einem GN-Gespräch vor rund einem Jahr an eine Bedingung von Marius Müller-Westernhagen: „Keine Presse bitte!“ Seine Limousine parkt der Star („Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“, „Sexy“, „Freiheit“), irgendwo an der Krefelder Straße und geht zu Fuß zum Haus an der Dortmunder Straße. Auch Mutter Liselotte ist des Öfteren zu Besuch in Nordhorn – man trifft sich auch schon mal bei Ursula Geesen, der Cousine von Heinz Pache.

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Das frühere Kino „Schauburg“ an der Denekamper Straße in Nordhorn: Hier beginnt die Freundschaft der Familien Müller-Westernhagen und Pache. Foto: Müller

Im Jahr 1988 steht die Hochzeit mit dem für das Modelabel Jil Sander arbeitenden US-Model Romney Williams an – auch die Paches sind zu der Feier in Hamburg eingeladen. In ihrem Fotoalbum ist die Einladungskarte eingeklebt und zeugt von der Freundschaft zu einem der begnadetsten und erfolgreichsten Popmusiker Deutschlands.

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