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Von Dampfspritze bis Tanklöschfahrzeug

Feuerwehrmuseum Salzbergen erzählt die Geschichte der Brandbekämpfung

spritze bis Tanklöschfahrzeug
An einer roten Säule demonstriert Marcus Droste verschiedene Signalanlagen. Eines der jüngsten Exponate ist das Tanklöschfahrzeug (Foto Mitte), auch die Löschanlage einer Nordhorner Textilfabrik ist zu sehen.
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  • An einer roten Säule demonstriert Marcus Droste verschiedene Signalanlagen. Eines der jüngsten Exponate ist das Tanklöschfahrzeug (Foto Mitte), auch die Löschanlage einer Nordhorner Textilfabrik ist zu sehen.
  • An einer roten Säule demonstriert Marcus Droste verschiedene Signalanlagen. Eines der jüngsten Exponate ist das Tanklöschfahrzeug (Foto Mitte), auch die Löschanlage einer Nordhorner Textilfabrik ist zu sehen.
  • An einer roten Säule demonstriert Marcus Droste verschiedene Signalanlagen. Eines der jüngsten Exponate ist das Tanklöschfahrzeug (Foto Mitte), auch die Löschanlage einer Nordhorner Textilfabrik ist zu sehen.
  • Die Dampfspritze aus dem Jahr 1901 haben die Mitglieder des Feuerwehrmuseums Salzbergen im August auf dem Historischen Feldtag in Nordhorn präsentiert.
  • Als erste Sonderausstellung wird aktuell die Geschichte der Brandkassen gezeigt (2. Foto von links). Die Einrichtung versteht sich grundsätzlich als Museum „zum Anfassen“, wo die Feuerwehr begreifbar werden soll.
  • Als erste Sonderausstellung wird aktuell die Geschichte der Brandkassen gezeigt (2. Foto von links). Die Einrichtung versteht sich grundsätzlich als Museum „zum Anfassen“, wo die Feuerwehr begreifbar werden soll.
  • Als erste Sonderausstellung wird aktuell die Geschichte der Brandkassen gezeigt (2. Foto von links). Die Einrichtung versteht sich grundsätzlich als Museum „zum Anfassen“, wo die Feuerwehr begreifbar werden soll.
  • Als erste Sonderausstellung wird aktuell die Geschichte der Brandkassen gezeigt (2. Foto von links). Die Einrichtung versteht sich grundsätzlich als Museum „zum Anfassen“, wo die Feuerwehr begreifbar werden soll.
  • Als erste Sonderausstellung wird aktuell die Geschichte der Brandkassen gezeigt (2. Foto von links). Die Einrichtung versteht sich grundsätzlich als Museum „zum Anfassen“, wo die Feuerwehr begreifbar werden soll.

Am Overhuesweg 18 in Salzbergen steht eines der größten Feuerwehrmuseen Deutschlands. Auf rund 800 Quadratmetern Fläche stellt der Museumsverein im Gebäude einer alten Näherei alles zur Schau, was das Feuerwehrherz begehrt.

Salzbergen. Nur ein leises Surren ist zu hören, wenn der Drehspiegel unter der blauen Haube kreist und die allbekannten blinkenden Lichtsignale abgibt. Laut wird es erst, als Marcus Droste das gellende Presslufthorn einschaltet und man sich plötzlich mitten in einem Einsatzszenario wähnt. Wir sind jedoch nicht mit dem Löschzug unterwegs zum Brandort, sondern stehen seelenruhig im Feuerwehrmuseum Salzbergen. An einer roten Säule sind allerlei historische Warneinrichtungen montiert, die demonstrieren, wie sich die Retter in früheren Zeiten freie Bahn verschafft haben. Die beeindruckende Konstruktion ist aber bei Weitem nicht das Einzige, was Gäste des Museums zum Staunen bringt.

Marcus Droste ist hauptberuflich evangelisch-lutherischer Pfarrer und seit mehreren Jahren im Vorstand des Museumsvereins aktiv. „Das hätten wir nicht erwartet!“ heißt die von ihm verfasste Chronik der Einrichtung, und der Titel passt perfekt: Genau diese Worte schwirren durch den Kopf nach dem Besuch, der einen im Zeitraffer durch etliche Jahrzehnte der Brandschutzgeschichte katapultiert. Wer hätte schon gedacht, dass sich hinter den Türen am Overhuesweg 18 in Salzbergen eines der größten Feuerwehrmuseen Deutschlands verbirgt? Dass hier neben beeindruckenden Fahrzeugen, historischen Handleuchten und unzähligen Helmen aus allen möglichen Epochen sogar eine wuchtige CO²-Löschanlage für Maschinenbrände aus dem Jahr 1939 steht, die aus einer Nordhorner Textilfabrik stammt? Auf rund 800 Quadratmetern Fläche stellt das Feuerwehrmuseum im Gebäude einer alten Näherei alles zur Schau, was das Feuerwehrherz begehrt.

Anfangs gar nicht als Museum geplant

Was im Laufe der Zeit mit viel Eifer und Liebe zum Detail entstanden ist, war nicht von Anfang an als Museum geplant. Die ersten Unternehmungen gehen auf die 800-Jahr-Feier der Gemeinde Salzbergen 1977 zurück. Ein großes Fest war geplant, alle Vereine sollten sich beteiligen. Und auch die Feuerwehr leistete ihren Beitrag: Zwei alte, gekaufte Handdruckspritzen sollten dem Festumzug einen besonderen Anstrich verleihen. Dass damit die ersten Weichen in Richtung Museum gestellt wurden, ahnte da noch niemand. Nach dem erfolgreichen Auftritt beim Umzug und der positiven Resonanz vonseiten der Feuerwehrmitglieder und aus der Bevölkerung war die Sammelleidenschaft jedoch erwacht.

Immer mehr historische Gerätschaften wurden in den Folgejahren angeschafft, bereits 1979 kamen die ersten beiden Löschfahrzeug-Oldtimer hinzu. Die Finanzierung gestaltete sich – aus heutiger Sicht – mitunter kurios: Feuerwehrmitglieder übernahmen Aufgaben wie das Herstellen von Brunnen für Privatleute oder das Durchspülen der Kanalisation für die Gemeinde. Einige Kameraden waren gar als Kassierer und Türsteher in einer Diskothek tätig. Der Lohn ging in die Oldtimer-Kasse. Weitere Nahrung fand das Bestreben im 100. Jubiläum der Feuerwehr Salzbergen, das im Jahr 1981 gefeiert wurde.

Museumsverein 1987 gegründet

Etwa in dieser Zeit begannen die Bemühungen, einen eigenen Verein zu gründen: Bislang gehörten die Exponate offiziell der Freiwilligen Feuerwehr, einer Einrichtung der Gemeinde. Man befürchtete, dass die Oldtimer zugunsten eines Neufahrzeugs verkauft werden könnten. Allerdings gingen noch einige Jahre ins Land, bis Ende 1987 die Gründungsversammlung des Museumsvereins über die Bühne ging. Ebenso bewegte die Initiatoren die Frage nach Möglichkeiten zur Unterstellung der zahlreichen Objekte. Der aktuelle Standort wurde dem Museum Ende der 1980er-Jahre von der Gemeinde angeboten. Nach aufwendigem Umbau ist die Einrichtung seit 1993 dort ansässig.

Heute zählt der Museumsverein unter dem Vorsitz von Thomas Kolmes rund 80 Mitglieder, von denen sich 20 Aktive regelmäßig treffen – auch für Vorführungen, etwa mit der alten Dampfspritze. Das beeindruckende Gefährt war erst kürzlich beim Historischen Feldtag in Nordhorn im Einsatz zu sehen. „Es hat lange gedauert, bis sich die Motorisierung durchgesetzt hat“, erklärt Marcus Droste. Ein imposantes Bild geben die Drehleitern der 1920er- und 1930er-Jahre ab, die der Besucher gleich nach dem Betreten des Museums erspähen kann. Da ist etwa der mächtige Laster auf Mercedes-Benz-Fahrgestell mit 100-PS-Benzinmotor, dessen mechanisch angetriebene Leiter auf eine Länge von 26 Metern ausgefahren werden kann. Seinerzeit genossen die Feuerwehrmänner aber noch nicht den Komfort, in einem Fahrzeug mit geschlossener Kabine ausrücken zu können. Sie saßen seitlich auf dem Leiterwagen und mussten sich gut festhalten. „Da hat man bei Kurvenfahrten schon mal den ein oder anderen Kollegen verloren“, sagt Thomas Kolmes augenzwinkernd. Zu Kriegszeiten mussten die Fahrzeuge Einschränkungen verkraften: Um Material zu sparen, verzichtete man etwa auf den Beifahrer-Scheibenwischer.

Viele kleine Gerätschaften

Während das Erdgeschoss des Museums vorrangig durch wuchtige Fahrzeuge geprägt ist, gibt es im ersten Stock viele kleinere Gerätschaften, Abzeichen und Urkunden zu bewundern. Auf dem Weg dahin – im Treppenhaus – wird dem Besucher nicht langweilig: Von der altertümlichen Taschenlampe bis hin zum urigen Feuerlöscher reiht sich auch hier Exponat an Exponat. Nahezu jeder Fleck im Museum ist ausgefüllt: „Haben geht vor brauchen“, sagen sich die Verantwortlichen mit Blick auf die Anschaffung neuer Ausstellungsstücke. Oben angekommen, ist dem alten Ledereimer aus Zeiten der Löschkette ebenso viel nostalgischer Charme zu entlocken wie der großartig formulierten Gebrauchsanweisung des „Feuertöters“: „Bei ausbrechendem Feuer ergreife man diesen Apparat am Handgriffe und schleudere das in demselben sich befindende Löschpulver ,Morsin‘ kräftig auf das Brandobjekt.“

Spannend ist die Darstellung der Atemschutztechnik: Kommen heutzutage Pressluftflaschen zum Einsatz, wurde der Feuerwehrmann damals bei einem Brand per Blasebalg mit Frischluft versorgt. Den bediente ein außenstehender Kamerad, die Luft strömte durch einen langen Verbindungsschlauch in die Atemmaske. Das ist wohl immer noch ergiebiger als die rustikale Methode aus noch früherer Zeit, als sich die Retter ihren Rauschebart nass machten und in den Mund steckten.

2800 Besucher in einem Jahr

Rund 2800 Besucher zählte das Museum, das Mitglied ist in der „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Feuerwehrmuseen“, im Jahr 2013. Einmal jährlich gibt es eine Saubermachaktion, bei der alles, was beweglich ist, hinausgeschafft und gereinigt wird. Mit Blick auf die Vereinsmitglieder sieht man eine gute Altersstruktur: Zwischen 17 und 87 Jahren ist alles vertreten. Aktuell freuen sich die Verantwortlichen über ihre erste Sonderausstellung, die sich mit der Geschichte der Brandkassen befasst. „Hier ändert sich laufend etwas“, heißt es.

Das nächste Projekt: Die deutsche Beschriftung der Exponate ins Niederländische zu übersetzen, um die Informationen zweisprachig anbieten zu können. Finanziert wird das Museum durch Eintrittsgelder, Mitgliedsbeiträge und Spenden. Unterstützung gibt es auch durch die Gemeinde Salzbergen. Freilich geht aber nichts ohne die ehrenamtliche Arbeit und die Begeisterung für die historische Technik. Und die Mitglieder des Museums wissen: „Ein bisschen bekloppt muss man sein – das hilft auf jeden Fall.“

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Informationen und Öffnungszeiten

Das Feuerwehrmuseum liegt am Overhuesweg 18 in 48499 Salzbergen. Geöffnet ist es zwischen dem 1. Februar und dem 30. November immer sonntags von 10 bis 17 Uhr. Gruppen ab 15 Teilnehmern werden nach Vereinbarung auch außerhalb dieser Zeiten durch die Hallen geführt. Auch Kindergeburtstage unter dem Motto „Nasse Hose & Co.“ sind möglich. Ansprechpartner ist Thomas Kolmes unter Telefon (05976) 94393. Informationen gibt es auch per E-Mail an museum @feuerwehr-salzbergen.de und im Netz auf der Seite feuerwehrmuseum-salzbergen.de.

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