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US-Künstler zeigt bröckelnde Hochglanzfassade

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Buck Ellison und Thomas Niemeyer (links) vor dem Bild mit dem Titel „Hiker“. Foto: Schulte-Sutrum

Mit dem dritten Ruisdael-Stipendiaten stellt in der Burg Bentheim ein junger, ehrgeiziger Fotokünstler aus, der mit einer ironischen Distanz auf die weiße Mittelschicht der USA blickt.

Bad Bentheim. Eine junge Amerikanerin kehrt von ihrem Austauschjahr in einem Entwicklungsland zurück und wird herzlich von ihren Freundinnen am Flughafen umarmt. Zwei Teenager essen orientalischen Hummus in einer Hochglanzküche. Ein sportlicher junger Wanderer gönnt sich eine Auszeit vom Alltag und hockt trinkend im Gras. Fotokünstler Buck Ellison zeigt in seinen Bildern die weiße Mittelschicht der USA, die einst aus den schmutzigen Großstädten aufs Land geflohen ist.

„In den Bildern sehen wir jedoch auch die Angst vor dem sozialen Abstieg der Menschen – die Hochglanzfassade bröckelt“, leitete Dr. Thomas Niemeyer, Leiter der Städtischen Galerie Nordhorn und Organisator des Ruisdael-Stipendiums, die Ausstellung am Sonntagnachmittag im Marstall der Burg Bentheim ein. Der 28-jährige Buck Ellison sei selbst ein Kind dieser privilegierten und zugleich von Ängsten durchsetzten Gesellschaft.

In seinen Bildern erzählt Ellison mit einem kühl distanzierten und oft auch ironischen Blick aus dem Alltag der Mittelschicht. Der US-Amerikaner mit deutsch-niederländischen Vorfahren arbeitet aber nicht dokumentarisch, sondern inszeniert seine Bilder bis ins letzte Detail. Seine Modelle castet er für die Fotos. „Für die Küchenszene haben wir drei Stunden gebraucht. Ich habe 3000 Bilder geschossen“, sagte Buck Ellison im Gespräch mit den GN. Er will, dass seine Bilder perfekt sind – aber nicht zu perfekt: Sie sollen natürlich rüberkommen und nicht zu sehr an Werbung erinnern. Denn in seiner Arbeit orientiert sich Ellison an Standards der Werbefotografie. Auf diese Weise zeigt er sowohl das konsumorientierte Leben der schönen jungen Menschen, als auch ihren Versuch, ökologisch und verantwortungsbewusst zu leben.

Zur Ausstellung „Country Day“ gehört eine Serie klatschender Hände, die der Fotokünstler nicht selbst aufgenommen hat. Es handelt sich um Stockfotografie, also Werbebilder, die Ellison vor ein paar Jahren gekauft hat. „Ich bin sehr an dieser Art von Fotografie interessiert“, erläuterte der Fotokünstler, der auch gerne zu analogen Mittel- und Großformatkameras greift. Thomas Niemeyer erklärte, warum die Stockfoto-Serie so gut in die Ausstellung passt: „In den Bildern von Buck Ellison geht es darum, dass die Menschen dazugehören wollen, beispielsweise durch Kleidung oder Autos. Auch Applaus, wie hier zu sehen, ist ein Zeichen von Anerkennung.“

Buck Ellison ist in San Francisco aufgewachsen und lebte unter anderem in Berlin. Als Meisterschüler schloss er im vergangenen Jahr seine Ausbildung an der Städelschule in Frankfurt ab. Den Bachelor-Abschluss erlangte er 2010 an der Columbia University in New York. Derzeit lebt er in Los Angeles, wo er als Fotodozent arbeitet.

Eine Jury aus Fachmitgliedern suchte Buck Ellison aus einer Auswahl junger internationaler Fotografen als Künstler für das dritte Ruisdael-Stipendium aus. Das Stipendium wurde vor drei Jahren mit der „Raumsichten“-Station „Residual“ vom niederländischen Künstler Willem de Rooij ins Leben gerufen. Namensgeber der zeitgenössischen Ausstellungsreihe ist Jacob van Ruisdael. Seit Mai 2012 wird sein Gemälde – das die Ansicht der Burg von Nordwesten um 1655 zeigt – unter dem Titel „Residual“ als Dauerleihgabe auf der Burg präsentiert. Besitzerin ist die Niedersächsische Sparkassenstiftung.

Willem de Rooij, Beisitzer in der Jury, ist mit den Arbeiten der mittlerweile drei Stipendiaten sehr zufrieden: „Es ist interessant, was junge Künstler erarbeiten. Außerdem wollen wir ihnen die Möglichkeit einer ersten großen Einzelausstellung bieten und gleichzeitig junge Menschen als Ausstellungsbesucher auf die Burg locken.“

Die Ausstellung ist bis Montag, 28. März, im Marstall der Burg Bentheim zu sehen.

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